Sparkasse Tauberfranken - Kreditinstitut reduziert seine Filialen von 40 auf 27 Standorte / Neun Selbstbedienungsstandorte ergänzen Angebot Geschäftsstellennetz wird grobmaschiger

Von 
Harald Fingerhut
Lesedauer: 

Auch die Schließung der Sparkassen-Filiale in Gerlachsheim, dem drittgrößten Stadtteil von Lauda-Königshofen, wird Anfang September erfolgen. Die niedrige Frequentierung mache diesen Schritt notwendig, hieß es aus der Führungsetage.

© Thomas Schreiner

Tauberbischofsheim/Odenwald-Tauber. Die Sparkasse Tauberfranken wird ihr Filialnetz von 40 auf 27 Geschäftsstellen und neun Selbstbedienungs-Standorte reduzieren. Entlassungen wird es durch die Neuausrichtung nicht geben.

AdUnit urban-intext1

Von der Reduzierung des Geschäftsstellennetzes der Sparkasse Tauberfranken sind folgende Standorte betroffen:

In der Region Tauberbischofsheim sieht die Neuausrichtung der Sparkasse Tauberfranken vor, die Standorte Gerchsheim, Gamburg, Unterschüpf, Unterbalbach und Gerlachsheim zum 5. September aufzugeben. Dieses Schicksal wird auch die Filiale in Wittighausen ereilen. Sie wird allerdings in einen Selbstbedienungsstandort umgewandelt. Die Filiale in Schweigern soll zum Jahresende aufgegeben werden.

Im Bereich Bad Mergentheim werden die Filialen in Wachbach und Edelfingen zum 5. September geschlossen, die Filiale in Laudenbach soll spätestens zum Jahresende 2017 aufgegeben werden.

AdUnit urban-intext2

In der Region Wertheim sollen die Geschäftsstellen in Reicholzheim und im Wertheimer Hofgarten bis zum 5. September geschlossen werden. Nassig soll spätestens zum Jahresende 2017 dicht gemacht werden. Hier hängt die Schließung von der Modernisierung der Geschäftsstelle am Wartberg ab, die die Kundenbetreuung von Nassig übernehmen soll.

Verändertes Kundenverhalten

"Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht", stellte Peter Vogel, der Vorsitzende des Vorstands bei einem Pressegespräch am gestrigen Freitag in Tauberbischofsheim fest. "Wir haben alle Geschäftsstellen eingehend analysiert und haben aufgrund der so erhaltenen Erkenntnisse eine Neuausrichtung des Geschäftsstellennetzes beschlossen." Die Untersuchung habe ergeben, dass vor allem die Ein-Mann-Filialen, immerhin 35 Prozent der Geschäftsstellen, von den Kunden kaum noch frequentiert werden. "Wir haben hier einen bis drei Vorgänge pro Stunde, das ist für die Produktivität nicht akzeptabel", ergänzt sein Vorstandskollege Wolfgang Reiner.

AdUnit urban-intext3

"Die Kunden wollen nicht, dass die Beratung hinter einem Glaskasten stattfindet, wo jeder zusehen kann, sondern wünschen mehr Diskretion", hebt Peter Vogel hervor. Bei Filialen, die nur mit einer Person besetzt sind, käme noch hinzu, dass parallel zur Beratung auch der Service gewährleistet werden muss. "Das ist nicht mehr zeitgemäß", so der Vorstandsvorsitzende. Deshalb würden die nun vor der Schließung stehenden Geschäftsstellen schon jetzt von den Kunden kaum noch aufgesucht. "Im Prinzip haben die Kunden schon mit den Füßen beziehungsweise mit Handy oder Computer abgestimmt und wir passen unsere Strategie dem veränderten Kundenverhalten an", meinte Peter Vogel. Zu der zunehmenden Digitalisierung des Bankenverkehrs käme im Main-Tauber- und Neckar-Odenwald-Kreis noch der demografische Wandel mit einer starken Bevölkerungsabnahme auf den Dörfern hinzu. Unterm Strich bedeute dies, dass die 13 von der Reduzierung betroffenen kleinen Ein-Mann-Filialen nur noch von knapp über einem Prozent der Kunden der Sparkasse Tauberfranken aufgesucht werden. "Es gibt Geschäftsstellen, in denen täglich nicht einmal zehn Service-Geschäftsvorfälle abgewickelt werden." Selbst die Geldautomaten an diesen Standorten hätten viel weniger Vorgänge als nötig wären, damit sich die Betriebskosten rechnen.

Investitionen ins Filialnetz

AdUnit urban-intext4

"Damit Geschäftsstellen von den Kunden angenommen werden, müssen drei Kriterien erfüllt sein", führte Peter Vogel aus. Zum einen müssten sie über einen diskreten Beratungsbereich verfügen. Zweitens müssten mindestens zwei Mitarbeiter vor Ort sein, damit Service und Beratung parallel und separat erfolgen können. Letztendlich müsse die Filiale über einen guten SB-Bereich verfügen. "Diesem Kundenanspruch haben wir durch die Modernisierung der Geschäftsstellen in Lauda, Weikersheim, Königshofen, Königheim und Külsheim bereits Rechnung getragen und werden dies in Kürze auch am Standort Hardheim tun", meinte Vogel. "Selbstverständlich sind auch für die Folgejahre weitere Investitionen geplant."

Kein Personalabbau

Die Schließung der Filialstandorte soll durch benachbarte Geschäftsstellen kompensiert werden, Schweigern und Unterschüpf etwa durch Boxberg, Gerchsheim durch Großrinderfeld, Hofgarten und Reicholzheim durch Wertheim, Nassig durch Wartberg, Edelfingen und Wachbach durch Bad Mergentheim. "Für unsere Kunden ändert sich lediglich die Adresse, und in nahezu allen Fällen ist der bekannte Kundenberater am neuen Standort wieder Ansprechpartner", erklärt Markus Haas Pressesprecher. Deshalb werde es auch keine Entlassungen im Zuge der Reduzierung der Filialen geben. "Alle Mitarbeiter bekommen qualifizierte Arbeitsplätze an anderer Stelle", betont Vorstandsvorsitzender Peter Vogel.

Der Verwaltungsrat der Sparkasse Tauberfranken hat diesen Vorschlag des Vorstandes zur Neugestaltung des Geschäftsstellennetzes am Donnerstag zugestimmt. "Für die betroffenen Bürgermeister war dies nicht einfach, aber die Ergebnisse der Analyse waren eindeutig", so Vogel.

Redaktion Stellvertretender Redaktionsleiter der Main-Tauber-Kreis-Redaktion, Schwerpunkte auf den Kommunen Königheim und Tauberbischofsheim.