Dorfgemeinschaftshaus - Neubau an der Stelle der ehemaligen Grundschule wird am Samstag, 18. April, offiziell eingeweiht Geborgenheit und Ruhe ausstrahlen

Von 
Diana Seufert
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Das neue Dorfgemeinschaftshaus in Gamburg wird am Samstag, 18. April, offiziell seiner Bestimmung übergeben. Ein Tag der offenen Tür ist am 19. April.

© Diana Seufert

Gamburg. Die Handwerker sind in den letzten Zügen. Die Elektriker verlegen einige Leitungen, die Garderobe braucht noch die Kleiderstangen. In wenigen Tagen ist das Dorfgemeinschaftshaus in Gamburg fertiggestellt. Mit einer Feier für geladene Gäste am Samstag, 18. April, und einem Tag der offenen Tür am Sonntag, 19. April, wird das neue Gebäude seiner Bestimmung übergeben.

Kostensituation

  • Am Neubau des Dorfgemeinschaftshauses scheiden sich die Geister. Mit 786 000 Euro veranschlagt, liegen die Kosten derzeit bei rund 900 000 Euro. Diese Verteuerung hat schon mehrfach im Gemeinderat zu Debatten geführt.
  • Das Dorfgemeinschaftshaus ist zusammen mit dem Dorfplatz und dem Ausbau der Schulstraße als Gemeinschaftsprojekt zu sehen. Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf 1 746 000 Euro, wovon 960 000 Euro allein auf Straße und Dorfplatz entfallen. Zuschüsse aus Stuttgart für Straßenbau und Wohnumfeldverbesserung sowie für den Neubau machen 982 380 Euro aus.
  • Bürgermeister Ottmar Dürr, Ortsvorsteher Roland Johannes und Planer Rolf Klärle betonten, dass man mit der ursprünglichen Planung sogar ein wenig unter dem Kostenrahmen liege. Es gab rund 50 Prozent Förderung für den Neubau. "Die Mehrkosten entstanden durch die Umgestaltung der Dachform, die vom Landesdenkmalamt gewünscht wurde", so Klärle. Zudem musste durch den Ausbau des Hohlwegs eine Stützmauer errichtet werden, unabhängig vom Projekt, die aber eingerechnet werde.
  • Die Kritik der Kostenexplosion lässt auch Klärle nicht gelten: "Wir haben immer darauf geachtet, dass die Kosten nicht aus dem Ruder laufen." Er geht davon aus, dass sich bei den Abrechnungen noch einiges nach unten verbessert. dib
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Die Freude und die Erleichterung sind Ortsvorsteher Roland Johannes und Bürgermeister Ottmar Dürr anzumerken. Nach zähem Ringen, auch im Gemeinderat, wurde der Wunsch nach einer Begegnungsstätte im Ort nun endlich Realität. An der Stelle der abgerissenen Grundschule "fügt sich der Neubau schön in die historische Umgebung ein", unterstreicht Architekt Rolf Klärle aus Bad Mergentheim. Gerade bei der Farbgebung, einem zarten, leicht rötlichen Ton, und auch der Platzgestaltung habe man sich am Sandstein orientiert.

Einladend wie zwei Arme umfassen die beiden Stützmauern zum Hohlweg und zur Schulstraße hin den Platz und das neue Gebäude. Die Natursteinmauern wurden teilweise ergänzt und erneuert. "Ich bin vom terrassenförmigen Aufgang von der Schulstraße her ganz begeistert", sagt Bürgermeister Ottmar Dürr erfreut - gerade weil das neue Gebäude mit der alten Substanz eine gelungene Symbiose eingeht. Diese Grundidee von alt und neu sei hervorragend umgesetzt worden. Die sieben Stufen stellen für ihn die Verbindung mit dem Ort her, sie werden künftig durch Bodenlampen beleuchtet.

"Das wird ein neues Kommunikations- und Begegnungszentrum in der Mitte Gamburgs", schwärmt er von der offenen und einladenden Bauweise dieses Gemeinschaftsprojekts Dorfgemeinschaftshaus und Dorfplatz. Besonders freut er sich auf das Wasserspiel mit dem Brunnen, den die Familie des Mitte März verstorbene Ehrenbürgers Anton Hofmann gespendet hat.

Altes und Neues verbinden

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Von einer Einheit spricht dann auch Planer Klärle. Er hat einen offenen Platz und ein offenes Gebäude konzipiert, das den Bürgern für vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung stehen soll. Der Knick im Haus ist bewusst gewählt. "Das schafft Geborgenheit und der Platz gewinnt mehr Ruhe", beschreibt der Planer.

Im Parterregeschoss bietet der große Saal viele Nutzungsvarianten von Feiern bis zu kulturellen Veranstaltungen oder Vorträgen. Die großzügige Glasfassade zum Platz hin lässt Licht einströmen und bietet bei gutem Wetter die Möglichkeit, den Raum ins Freie zu vergrößern. Der Clou: Ein kleiner Kamin sorgt nicht nur für Behaglichkeit, sondern ist auch ein Blickfang. Derzeit fehlt noch eine gemütliche Bank vor dem Feuer. "Bei einer Versammlungsstätte hat schon bei den Vorfahren das Feuer dazugehört", so Rolf Klärle. Ein großzügiges Foyer dient nicht nur als Eingangsbereich, sondern "bietet auch Platz für einen Empfang oder eine Ausstellung", hat der Ortsvorsteher schon Pläne. Eine helle Farbgebung, abgerundet durch graue Kontraste, und das Holzparkett zeugen von einer schlichten Eleganz. Im Kontrast der natürlichen Materialien mit Holz und Beton sieht Klärle die besondere Lebendigkeit.

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Eine kleine Küche sowie die Wirtschafts- und Heizräume fügen sich in den unteren Stock ein. Gelagert wird in einem Nebenraum auch das Holz. Denn das Gebäude wird über eine Holzheizung befeuert, für die die Gamburger den Rohstoff liefern müssen. "Das ist eine der Voraussetzungen für die Realisierung des Projekts gewesen", so der Ortsvorsteher. Die Hitze erwärmt die Wasserspeicher und einen Wasserkreislauf in der Fußbodenheizung, der langsam die Wärme wieder abgibt. Eine gute Isolierung sorgt dafür, dass die Gamburger nur zweimal in der Woche Holz nachlegen müssen. Die ersten Holzaktionen sind bereits angelaufen. "Damit es auch warm wird", schmunzelt Johannes. Klärle weist auf die fortschrittliche Heizung - gerade durch die Bürgerbeteiligung - und die optimale CO2-Emission hin.

Zwei Säle mit Glasfronten

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Der kleinere Saal im Obergeschoss ist für Klärle etwas Besonderes: Das freiliegende Dachgebälk und der leicht unregelmäßige Grundriss sollen für eine Wohlfühlatmosphäre sorgen.

Auch im kleinen Bruder des unteren Saals schaffen die großzügigen Fenster und Glasfronten einen Bezug zum Ort. Beide Säle sind behindertengerecht zu erreichen. Daneben wird der Ortsvorsteher einen kleinen Raum erhalten, denn Roland Johannes möchte wieder regelmäßig Sprechstunden anbieten. Ebenso gibt es ein Zimmer für Sitzungen der Ortsverwaltung und der Vereine. Für das Archiv ist ein weiterer Raum vorgesehen.

Die Gamburger haben sich mit dem neuen Haus schon angefreundet. "Die Reaktionen sind durchweg positiv." Erste Veranstaltungen sind bereits gebucht. Der Wunsch von Ottmar Dürr und Roland Johannes kann also schnell umgesetzt werden: "Das Haus mit Leben erfüllen."