Badische Landesbühne - Viel Beifall für das Gastspiel mit "Die Grönholm-Methode" Ein Spektakel der Selbstentblößung

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Im Psychokrieg der vermeintlich vier Konkurrenten geht es sogar handgreiflich zu (von links ): Stefan Holm als Fernando Porta, Andreas Schulz als Enrique Font, Maximilian Wex als Carlos Bueno und Jessica Schultheis als Mercedes Degás.

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Tauberbischofsheim. Zwei Tage nach der Premiere in Bruchsal zeigte die Badische Landesbühne in der Tauberbischofsheimer Stadthalle in 75 unterhaltsamen Minuten die schwarze Komödie "Die Grönholm-Methode" des katalanischen Autors Jordi Galceran.

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Das bis ins Absurde überspitzte, von Evelyn Nagel darstellergerecht in Szene gesetzte Kammerspiel mit einem völlig unerwarteten Ausgang nimmt Unternehmen ins Visier, die ihre Bewerber um eine Spitzenposition bis ins Private auszuforschen versuchen und den Konkurrenzkampf in den Mittelpunkt des Ausleseverfahrens stellen.

Kammerspiel

Unverblümt schenkt das Unternehmen den Kandidaten für den Traumjob im steril-minimalistischen Konferenzraum (Bühnenbild: Tilo Schwarz) reinen Wein ein: "Wir suchen keinen guten Menschen, der nach außen ein Arschloch ist. Was wir suchen, ist ein Arschloch, das nach außen ein guter Mensch ist."

Gute Miene zum bösen Spiel machen die vier Bewerber um die Stelle des kaufmännischen Direktors bei einem multinationalen Möbelkonzern, als sie zur dritten und entscheidenden Auswahlrunde zusammentreffen. Ein Personalmitarbeiter lässt sich jedoch nicht blicken.

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Die Bewerber bleiben unter sich und die Besetzung des attraktiven Managerpostens soll vom Ausgang scheinbar absurder Spielchen abhängig gemacht werden, die Fernando Porta (Stefan Holm), Enrique Font (Andreas Schulz), Mercedes Degás (Jessica Schultheis) und Carlos Bueno (Maximilian Wex) zu absolvieren haben.

Es geht nicht um die Feststellung der fachlichen Eignung, die anscheinend bei allen vier Bewerbern vorausgesetzt wird, sondern vor allem um dunkle Flecken aus dem Privatleben, mit denen jeder Kandidat konfrontiert wird. Kann er dem Druck standhalten? Höchst verwunderlich findet das Quartett, dass nur per Brief kommuniziert wird. Die Mitteilung, dass einer der vier vermeintlichen Bewerber ein Psychologe (Spitzel?) der Personalabteilung sein soll, löst allgemeine Verunsicherung aus.

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Es folgt die erste Prüfung: Innerhalb von zehn Minuten soll die Person herausgefunden werden, die nur vorgibt, sich für die Stelle zu bewerben. Da niemand ausschließen kann, dass im Konferenzraum Kameras installiert sind und alle Gespräche abgehört werden, setzen sich die Bewerber gegenseitig unter Druck, nehmen es mit der Wahrheit nicht so genau und pflegen umso intensiver ihre Selbstdarstellung. Wer sich der Prüfung entzieht und den Raum verlässt, ist nach den schriftlichen Vorgaben automatisch aus dem Rennen. Zur Farce wird der Kampf um den Spitzenjob beim Spiel um einen einzigen Fallschirm in einem Flugzeug, das abzustürzen droht. Mit passenden Kopfbedeckungen sollen ein Priester, ein Clown, ein Politiker und ein Torero die überzeugendste Begründung dafür liefern, warum gerade sie überleben müssen.

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Der Autor persifliert die Verirrungen der Suche nach der idealen Arbeitskraft, die flexibel, effizient und immer einsatzfähig ist. Er entwirft ein Spektakel der Selbstentblößung, das jedoch auch ein geschickter Bluff und wie jede Vertraulichkeit auch ein Täuschungsmanöver sein kann. Dies wird dem tatsächlich einzigen Bewerber Fernando Porta erst zum Ende des Spektakels klar, als er sich als einziger im Raum verbliebener Kandidat schon als Sieger wähnt. Statt mit vermeintlichen Konkurrenten hat er es im Psychokrieg mit drei Psychologen zu tun, gegen die er im entscheidenden Verhör nicht abgebrüht genug auftritt und versagt.

Das Mitgefühl der Zuschauer hat sich ein Fernando Porta kaum verdient; Stefan Holm umso mehr dafür den großen Beifall, den er mit der bravourösen Vorstellung eines skrupellosen Karrieristen und aalglatten Zynikers einheimsen konnte. Im "Spiel im Spiel" schlugen sich auch Andreas Schulz, Jessica Schultheis und Maximilian Wex wacker.

Immerhin lässt Autor Jordi Galceran zum versöhnlichen Ende Fernando Porta die Niederlage pragmatisch wegstecken und nahtlos sein bisheriges Leben wieder aufnehmen, dem er eigentlich entfliehen wollte. ferö