Nachhaltiges Projekt - Weinig Concept präsentierte Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel auf Einladung von MdB Alois Gerig das Konzept von "African Bamboo" Äthiopischer Bambus für Terrassendielen

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Heike v. Brandenstein
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"Fair-Trade"-Projekte in seinem Wahlkreis stellte MdB Alois Gerig dem Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Hans-Joachim Fuchtel, vor.

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Tauberbischofsheim. Nachhaltigkeit lautet ein Schlagwort, das sich Unternehmen gern auf die Fahnen schreiben. Mal wird auf wieder aufbereitetes Wasser verwiesen, mal auf eine ressourcenschonende Produktion. Als Global Player hat die Tauberbischofsheimer Weinig-Gruppe mit ihrer Engineering Tochter Weinig Concept ein Projekt vorzuweisen, das nicht nur nachhaltig ist, sondern bei dem sie auch einen langen Atem beweist: "African Bamboo".

"Wir machen nichts von der Stange, sondern bieten maßgeschneiderte Lösungen", stellte Axel Keiffenheim von Weinig Concept die Vorgehensweise vor. Bei "African Bamboo" hatte sich die Idee in der Zusammenarbeit mit einem Rosenheimer Diplomanden im Jahr 2008 ergeben und ist seitdem immer weiter gewachsen. Es handele sich nicht um ein Geschäftsmodell, sondern um ein Pilotprojekt mit extrem hohem Aufwand, so Keiffenheim.

Die Idee ist kurz erzählt: Ein Bambusgürtel erstreckt sich über die ganze Welt. Neben China, wo das Vorkommen allein wegen der Pandabären bekannt ist, wächst das holzige Süßgras auch in Südamerika oder in Afrika. "An den Hängen des äthiopischen Hochlands wächst der Bambus sehr gut", so Keiffenheim, der selbst über ein Jahrzehnt in Afrika gelebt hat. Bei den dortigen Vorkommen handele es sich nicht um Plantagen, sondern um natürlich gewachsene Wälder. Dieser Hochland-Bambus sei sehr massiv, bis zu 19 Meter lang und weise einen Durchmesser zwischen fünf und 15 Zentimeter auf. Jeder äthiopische Farmer bewirtschaft rund einen halben Hektar Wald. Diesen Bambus schonend zu ernten, ohne die Pflanze zu zerstören, um ihn dann einem industriellen Fertigungsprozess zur Herstellung von Terrassendielen zuzuführen, hieß die kompakte und damit anspruchsvolle Aufgabe. Bambus als Faserplatte ist nämlich bestens für den Außenbereich geeignet und kann Edelhölzer aus dem tropischen Regenwald, die alles andere als nachhaltig geschlagen werden, ersetzen.

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Zunächst galt es allerdings, einen Konfliktmarkt zu bereinigen. Im südöstlichen Nachbarland Somalia nämlich, wurden die Hütten der Flüchtlingscamps mit Bambus aus den äthiopischen Hochlandwäldern gebaut. Der Abbau erfolgte allerdings so, dass die Pflanzen abstarben. Das sollte sich im Laufe der Jahre ändern. Die Farmer schlossen sich in Kooperativen zusammen, einigten sich auf die schonende Ernte.

Weit gediehen ist das Projekt, in das Weinig Concept unterstützende Leistungen für die Rohstoffversorgung kostenfrei einbringt. Unterstützt wird dieses Teilprojekt von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) aus Mitteln des BMZ. Die Weinig-Holzbearbeitungsmaschinen werden letztlich im normalen Geschäftsbetrieb geliefert und übernehmen die Endverarbeitung, also die Dielenproduktion. Eingebunden sind auch das Eppinger Unternehmen Dieffenbacher für das Pressen der Bambusfasern sowie der norwegische Spezialist für Holzklebstoffe, Dynea.

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"China stellt bereits Blöcke aus Bambus her, die allerdings einen höheren Kunsthartzanteil aufweisen", erläuterte Axel Keiffenheim. Die Lösung für die Bambusfaserplatte hat das Fraunhofer Institut in Zusammenarbeit mit "African Bamboo" entwickelt. 1,1 Millionen Euro sind von der GIZ in das Projekt geflossen - die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf 24,5 Millionen Euro. "Wir sind kurz vor der Umsetzung", beschreibt Keiffenheim den aktuellen Stand.

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Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel betonte, dass sein Ministerium den direkten Kontakt zur Wirtschaft suche. Lediglich 15 Prozent der Gelder kämen nämlich aus dem öffentlichen Bereich, 85 Prozent aus der Wirtschaft. "Oft wissen die Kommunen vor Ort gar nicht, was ihre Unternehmen in nachhaltige Projekte im Rahmen der Entwicklungsarbeit investieren", so Fuchtel. Gerade Afrika gelte es, als Zukunftskontinent zu entwickeln. "African Bamboo" nannte er als Beispiel, wie sich Mittelständler konstruktiv einbringen. Ziel müsse es letztlich sein, Ländern Hilfe zur Selbsthilfe an die Hand zu geben und Projekte mit Ausbildungsmaßnahmen zu verknüpfen.

Wolfgang Pöschl, Vorstandsvorsitzender der Weinig-Gruppe, betonte, dass den Menschen nicht nur Maschinen gegeben werden dürfen, sondern sie so beraten werden müssten, damit das Konzept passt. Bei "African Bamboo" sei das gelungen. Zudem seien Projekte dieser Art nicht von heute auf morgen zu stemmen. Pöschl: "Man muss da ein ganz anderes Zeitverständnis mitbringen."

MdL Dr. Wolfgang Reinhart bezeichnete den Äthiopien-Ansatz der Weinig-Gruppe als wichtigen Baustein mit Blick auf das Thema Migration. Der Schlüssel müsse es sein, Probleme vor Ort zu lösen, weil diese sonst nach Europa kämen.

MdB Alois Gerig sieht in öffentlich geförderten Entwicklungshilfeprojekten in Kooperation mit der Wirtschaft dann eine Win-Win-Situation, wenn ein Know-How-Transfer bei Wissen und Technik stattfinde. Dabei gelte es aber auch, die Umwelt und die Nachhaltigkeit im Blick zu haben.

Laut Fuchtel stelle Afrika eine Chance für die deutsche Wirtschaft dar. Immerhin habe der Kontinent über lange Zeit ein Wachstum zwischen fünf und sieben Prozent. Bei den Themen Rechtsbildung und Korruption unter der Berücksichtigung politischer Strukturen gebe es aber noch viel zu tun.