Leserbrief - Zu „Gendern setzt sich durch – der Stern bislang kaum“ (FN, 30. Januar) „Keine buchstäblichen Anhängsel“

Von 
Leserbrief-Schreiber: Gunter Schmidt
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Das Ansinnen, Gleichberechtigung der weiblichen Hälfte der Menschheit auf gleichen Level zu heben, ist richtig und überfällig. Wesentlich ist hierbei aber das Rechtliche und Ökonomische, alles andere gerät gerne ein bisschen überkandidelt. Bei dem Versuch, eine gendergerechte Sprache zu etablieren, entstehen Unwörter, die unsere Sprache im Sinne der Gerechtigkeit überhaupt nicht nötig hat.

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Beispiel: Die Besucherin und der Besucher. Völlig in Ordnung. Aber: Der Gast, die Gästin?

Anderes Beispiel: Der Mensch. Jeder denkt dabei unmittelbar an eine summarische Zusammenfassung, eine Art Verallgemeinerung. Der Artikel „der“ wünscht gar keine Präferenz zugunsten des Männlichen.

Deutlicheres Beispiel: Die Menschheit. Ich als Mann (bin ich einer?) zeige mich nicht pikiert über den weiblichen Artikel, weil hier noch offensichtlicher als im vorigen Beispiel die Spezies im allgemeinen gemeint ist.

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Wenn die Chefin eine Mitarbeiterin lobt, sie sei „eine wertvolle Kraft“, versteht man den Sinn dieser Aussage, die bezogen auf einen Mann wortgleich „eine wertvolle Kraft“ lauten würde. Welcher wertvolle Kraftkerl wollte sich nun dafür stark machen, dass dies bitteschön männlich bezogen zu formulieren sei?

Somit wird klar, Begriffe tragen Sinn und kein Geschlecht. Die Hilfsbegriffe der-die-das sind weder hinderlich, noch geschlechtsspezifisch punktgenau.

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Sehr viele Begriffe, deren Artikel sich in der Einzahl unterscheidet (der/die Fremde, der/die Intellektuelle...) haben im Plural einen gemeinsamen Artikel (die Fremden, die Bösen, die Durchgeknallten…) – einen Artikel, der richtigerweise alle meint, ohne Ansehen von Herkunft und Geschlecht. Auch bei den bestehenden Wörtern mit der Endung -in- (Schülerin/ Schüler), meint der Plural (die Schüler) eine summarische Einheit, unter Einschluss des männlichen Teils.

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Unsere Sprache ist flexibel und änderbar. Sie ist aber auch inkonsequent.

Eine konstruierte Geschlechterkorrektheit müsste aus „die Nase“ der Nase und aus „der Mund“ die Mund machen. Alles denkbar, aber Zeitverschwendung zugunsten eines überschätzten Kuddelmuddels.

Fordern und etablieren wir: Gerechtigkeit für Frauen, und keine buchstäblichen Anhängsel.