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Juniorwahl - 210 Neuntklässler des Matthias-Grünewald-Gymnasiums geben ihr Votum für den Bundestag ab / Förderung des demokratischen Bewusstseins

Jugendliche wollen gefragt und gehört werden

Von 
mgg
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Groß war das Interesse der Schülerinnen und Schüler des Matthias-Grünewald-Gymnasiums an der Juniorwahl. © MGG/Feuerstein

Grüne 28,4 Prozent, FDP 18 Prozent, SPD 15,3 Prozent, Die Partei 10,8 Prozent, CDU 9,2 Prozent, Linke 5,9 Prozent: Wenn es nach dem Votum von 210 Schülern des Matthias-Grünewald-Gymnasiums ginge, würde es im Bundestag ziemlich bunt.

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Tauberbischofsheim. Demokratie wird zum Schulfach. Unter diesem Motto steht das Projekt Juniorwahl. „Die Schüler sollen Demokratie üben und erleben“, erklärte Referendarin Johanna Schank nach Abschluss der Wahl am Matthias-Grünewald-Gymnasium (MGG). Mit der Klasse 9a hat sie die Juniorwahl im Rahmen des Politikunterrichts organisiert.

Ziel sei es, die Jugendlichen erfahren zu lassen, was Demokratie wirklich bedeutet. „Es geht eben nicht nur um in Berlin getroffene Entscheidungen. Die Bürger spielen vielmehr eine wesentliche Rolle.“

Eines der größten Schulprojekte

Die Juniorwahl erfolgt seit 1999 bundesweit in allen 16 Bundesländern und zählt zu den größten Schulprojekten in der Bundesrepublik. Fast vier Millionen Schüler haben mittlerweile an insgesamt vier Europa-, fünf Bundestags- und 53 Landtagswahlen teilgenommen. 2760 Schulen nahmen an der Juniorwahl zur Europawahl 2019 teil. Seit der Europawahl 2004 sind auch deutsche Auslandsschulen auf allen Kontinenten in die Aktion eingebunden. So entstand zur Juniorwahl ein „17. Bundesland“, in dem die Schulen weltweit vernetzt sind und mit einem Online-Stimmabgabeverfahren teilnehmen können. Träger ist der gemeinnützige und überparteiliche Verein Kumulus aus Berlin.

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„Die Juniorwahl soll Schüler für Demokratie und Wahlen sensibilisieren“, sagte Johanna Schank. Von der Beteiligung ihrer Schüler an der Umsetzung des Projekts erhofft sie sich, dass das politische Interesse und Verständnis gestärkt und das demokratische Bewusstsein gefördert wird: „Sie sollen erfahren können, dass es Spaß macht und sinnvoll ist, an demokratischen Verfahren mitzuwirken.“ Durch die Wahlsimulation erfahren die Jugendlichen Schanks Einschätzung zufolge zudem das erste Mal am eigenen Leib, was es bedeutet, wählen zu gehen. So können sie schon für die Zukunft „üben“. Die Referendarin: „Natürlich werden sie dadurch auch mit den Rechten und Pflichten von mündigen Bürgern vertraut gemacht.“

In der Woche vor der Wahl durften alle Jugendlichen ab der neunten Klasse abstimmen. Der Ablauf glich dabei der echten Bundestagswahl: Die Schüler bekamen eine Wahlbenachrichtigung, es gab ein Wählerverzeichnis und eine Wahlkabine und einen Stimmzettel, auf dem die Jugendlichen ihr Kreuzchen setzen durften. Demokratie zum Anfassen eben.

Von Jugendlichen heißt es oft, sie hätten kein Interesse für Politik. Jüngste Umfragen sagen das Gegenteil. Im Frühjahr 2019 gaben 41 Prozent der vom Internetportal Statista befragten Jugendlichen an, sich allgemein für Politik zu interessieren. Seit 2002 ist das politische Interesse fast stetig gestiegen und lag 2015 auf einem Höchstwert: 43 Prozent der Jugendlichen bezeichneten sich damals als politisch interessiert.

Am Matthias-Grünewald-Gymnasium herrscht offensichtlich auch kein Politikverdruss. Fast 89 Prozent betrug die Wahlbeteiligung. Für Victoria Protsch war es selbstverständlich, an der Wahl teilzunehmen. „Bei der Juniorwahl werden wir Jugendlichen gefragt und gehört“, betonte die Neuntklässlerin. Kein Wunder, dass sie sich auch für ein Wahlrecht ab 16 ausspricht.

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Helena Groß und Miriam Werner gehörten dem Wahlvorstand an. Sie mussten beispielsweise die Mensa in ein Wahllokal umfunktionieren und den regelgerechten Ablauf der Wahl sicherstellen. „Die Vorbereitung war stressig, aber auch schön“, versicherten die beiden. Die ganze Klasse habe geholfen, die Wahl richtig professionell über die Bühne zu bringen.

Gute Vorbereitung

Sarah Meder, Annika Größlein und Carolina Adolf sahen in der Juniorwahl eine gute Vorbereitung für die Zukunft.

Die Zwölftklässlerinnen berichteten: „Wir mussten uns im Vorfeld mit den Parteien befassen, lernten die Abläufe bei einer Wahl kennen und gewannen Erfahrung.“

Das Ergebnis am MGG weist interessante Abweichungen zum tatsächlichen Wahlausgang auf. Die von den Jugendlichen präferierten Grünen haben in echt „nur“ knapp 15 Prozent erzielt. Erstaunlich sind die von den Schülern vergebenen 18 Prozent für die FDP. SPD und CDU bekommen am „Schiff“ weit weniger Stimmen. Von diesen Parteien fühlen sich die Gymnasiasten offensichtlich weniger angesprochen. Die Satirepartei „Die Partei“ spielt in der Realität dagegen keine Rolle.

Die Schüler haben zudem Stimmensplitting betrieben. Direktkandidatin Nina Warken von der CDU hat mit 30,9 Prozent der Erststimmen den Wahlkreis gewonnen.

Ein eindeutiges Ergebnis gibt es weder am MGG noch im tatsächlichen Leben. Hier wie dort gilt: Das Wahlergebnis macht die Regierungsbildung spannend. mgg

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