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Leserbrief - Zu „Schutzimpfungen deutlich voranbringen“ (FN 2. Dezember) Heuchlerisch und selbstbeweihräuchernd

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Warum erst jetzt? Mit Erstaunen und, zugegebenermaßen etwas verärgert, habe ich den Bericht über die Entscheidung des Landratsamtes zu den geplanten Impfstützpunkten im Main-Tauber-Kreis gelesen: „…bereits jetzt gebe es dank der engagierten Arbeit des Landratsamtes deutlich mehr Impfangebote als in anderen Landkreisen...“ oder auf der Homepage: „...in einem gewaltigen Kraftakt erhöhen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte mit nachhaltiger Unterstützung des Landratsamtes …das Impftempo“.

Was sich auf den ersten Blick als verantwortungsvolle Maßnahme zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger liest, erscheint mir persönlich heuchlerisch und selbstbeweihräuchernd. Belegen werde ich diese kritische Haltung mit einigen Fakten.

Fakt 1: Schon im Sommer hat sich eine vierte Welle abgezeichnet. Andere Länder (z.B. Israel) haben schnell reagiert und systematisch Booster-Impfungen organisiert.

Fakt 2: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das Virus nicht vor Grenzen Halt macht. Es war also nur eine Frage der Zeit, wann bei uns die vierte Welle anrollt.

Fakt 3: Mit Aufkeimen der vierten Welle und den geplanten Booster-Impfungen wurde – nach Schließung der Impfzentren – die Durchführung den niedergelassenen Ärzten übertragen. Wie allseits bekannt sein dürfte, arbeiten Hausärzte mit ihren Teams am Anschlag. Viele der Praxen schaffen es in der herbstlichen Infektwelle gerade so, ihre Patienten zu versorgen. Sehr schnell war absehbar, dass die zu erwartenden Booster-Impfungen nicht ausschließlich durch die Praxen getätigt werden konnten. Mit zunehmender Zuspitzung der Lage kam es wieder zu verbalen Übergriffen und Anschuldigungen gegenüber dem Praxispersonal, da wegen der hohen Nachfrage Impftermine erst für 2022 vergeben werden konnten.

Fakt 4: Diese Entwicklung hat mich Mitte Oktober dazu veranlasst, den ersten Landesbeamten Florian Busch zu kontaktieren, um ihm die Situation vor Ort deutlich zu machen. Auch aufgrund der steigenden Inzidenzwerte mahnte ich dringenden Handlungsbedarf an. Daraufhin erklärte mir Herr Busch, dass dies nicht mehr in seinem Verantwortungsbereich liege, sondern Sache der Gemeinden sei. Ich war konsterniert und habe auf die Vorgehensweise im Landkreis Schwäbisch-Hall hingewiesen – wie allseits bekannt, auch dem Regierungsbezirk Baden-Württemberg zugehörig (siehe Fakt 5). Die Argumentation meinerseits wurde abgetan – lähmende Bürokratie vs. raschem Handeln.

Fakt 5: Engagierte und nachhaltige Unterstützung geht anders – dazu zwei Beispiele.

1. Nach dem Gespräch mit Herrn Busch kontaktierte ich die Bürgermeisterin der Stadt Tauberbischofsheim, Anette Schmitt. Kurzfristig und unbürokratisch wurde Hilfe angeboten und als erste Gemeinde in unserem Landkreis vier Impfaktionen organisiert.

2. Im Landkreis Schwäbisch Hall war unmittelbar nach Schließung der Impfzentren in den ersten drei Oktoberwochen montags bis freitags ganztägig der Impf-Bus im Einsatz, anschließend erfolgte ein fließender Übergang mit Impfaktionen montags bis freitags durch Mobile Impfteams an wechselnden Standorten. Seit 24. November gibt es zusätzlich in Kooperation des Landratsamtes einen festen Impfstützpunkt mit täglichem Impfangebot von 14 bis 20 Uhr.

Wenn an anderen Stellen weiterhin bürokratische Hürden, Trägheit und Borniertheit bestehen bleiben, werden alle Appelle von Ärzten und Politikern („impfen, impfen, impfen!“) ad absurdum geführt.

Hätten die Verantwortlichen des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie bereits im Frühherbst, nachdem absehbar war, wie sich die Situation entwickelt, in die Wege geleitet, würde ich die Berichterstattung voll und ganz unterschreiben.

Unter Kenntnis der Fakten bleiben bei mir ein bitterer Nachgeschmack und ein großes Fragezeichen.

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lra/gf
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