Schuldnerberatung - Bundesweite Aktionswoche rückte Kinderrechte in den Mittelpunkt / Von den finanziellen Schwierigkeiten der Eltern mitbetroffen / Hilfe durch Caritas und Diakonie „Gutes Aufwachsen trotz Überschuldung“

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Die Schuldnerberatung der Wohlfahrts- und Fachverbände kümmert sich auch um die Rechte von Kindern. © dpa

„Chancenlose Kinder? Gutes Aufwachsen trotz Überschuldung.“ Die bundesweite Aktionswoche der Schuldnerberatung der Wohlfahrts- und Fachverbände rückte Kinderrechte in den Fokus.

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Tauberbischofsheim. „In der aktuellen Corona-Krise ist dieses Motto aktueller denn je“, sagt Hildegund Henninger, von der Schuldnerberatung des Caritasverbands im Tauberkreis. Die beiden Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie im Main-Tauber-Kreis schlossen sich mit ihren Schuldnerberatungsstellen den politischen Forderungen an.

Trotz Überschuldung und den oft negativen Folgen für die Familienangehörigen, hätten die Kinder ein Recht auf ein gutes Aufwachsen innerhalb der Familie. Eine grundlegende finanzielle Absicherung von Kindern, finanzielle Allgemeinbildung, ein schuldenfreier Weg in die Volljährigkeit, der Gleichklang von Sozial- und Zwangsvollstreckungsrecht sowie das Recht auf eine Schuldnerberatung für alle, seien weitere Forderungen. Die Überschuldung treffe nicht nur den Schuldner selbst. „Gerade Kinder spüren, wenn ihre Eltern finanzielle Schwierigkeiten haben. Dies drückt sich nicht nur in der materiellen Ausstattung der Familie aus, auch die Atmosphäre ist deutlich angespannter. Die Eltern reagieren sehr schnell gereizt, wenn die Kinder Wünsche äußern. Sie sind oft mit der Überschuldungssituation überfordert, es wirkt sehr viel Druck auf sie ein (Kontopfändung, Lohnpfändung, Gerichtsvollzieher). Die Kinder bekommen diese Vorgänge mit, können sie aber nicht einordnen, geben sich sogar häufig selbst die Schuld, wenn es wieder Stress zu Hause gibt“, so die Verantwortlichen.

Besonders belastet

Im Kreis der Personen, die 2019 bei beiden Schuldnerberatungsstellen von Caritasverband und Diakonie in Beratung waren, sind auch 194 Kinder von der Verschuldung der Eltern mitbetroffen. Gerade alleinerziehende und auch kinderreiche Familien seien damit besonders belastet.

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Diese Kinder hätten deutliche Nachteile hinsichtlich Bildungschancen, kultureller und sozialer Teilhabe. Auch die Wohnsituation und der Gesundheitszustand, wiesen häufig deutlich schlechtere Bedingungen aus. Diese sind dann häufig auch die Ursache für verminderte Chancen, im Erwachsenenleben Fuß zu fassen.

„Auch wir müssen in unseren Beratungssituationen die Kinder mit im Blick haben, um bessere Perspektiven im Hinblick auf Bildung und Teilhabe zu schaffen. Darüber hinaus müsste die Einführung einer eigenständigen Kindergrundsicherung umgesetzt werden“, fordert Birgit Gube von der Schuldnerberatung des Diakonischen Werks.

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Große Bedeutung komme auch der finanziellen Allgemeinbildung zu. Und Präventionsarbeit müsse überall verankert werden. Kinder müssten früh lernen, mit Geld, Handy und Internet umzugehen.

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Durch eine Regulierung der Schulden entstehe für Eltern häufig eine neue Perspektive und damit wieder ein sachlicher Blick für die Einnahmen und Ausgaben. Der Druck der Zwangsvollstreckungsmaßnahmen entfalle.

„Es ist uns in der Arbeit mit den Menschen bewusst, dass wir im Rahmen der Schuldnerberatung nur zu einem kleinen Anteil dazu beitragen können, die Alltagssituationen der Kinder wieder positiver zu gestalten“, so die Mitarbeiter der Schuldnerberatungsstellen.

Nur durch grundlegende Änderungen für familienspezifische Bedarfe, könne die Chancengleichheit der betroffenen Kinder hergestellt werden.

Die Schuldnerberatungsstellen von Caritas und Diakonie stehen auch in der anhaltenden Corona-Pandemie den Menschen beratend zur Seite. Wenn Unterstützung benötigt wird, stehen die Berater für Fragen bereit. Die Schuldnerberatungsstellen im Main-Tauber-Kreis: Nord und Mitte: Caritasverband im Tauberkreis, Schlossplatz 6, 97941 Tauberbischofsheim (Telefon 09341/92200, Mail: sb@caritas-tbb.de).

Süd: Diakonisches Werk, Härterichstraße 18, 97980 Bad Mergentheim (Telefon 07931/4816980).