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Leserbrief - Zu „Eine belebte Fußgängerzone als Ziel“ (FN, 25. Januar)

„Grundidee erscheint wenig erfolgversprechend“

Von 
Leserbrief-Schreiber: Joachim Lodders
Lesedauer: 

Die Fußgängerzone soll belebter werden, so wird geschrieben. Wenn ich dann den Artikel lese, habe ich eher den Eindruck, dass es den Händlern besser gehen soll, die Belebung ist dabei nur als Mittel für eine bessere Bilanz der Geschäfte gedacht. Es geht um Konsumsteigerung, also Geld, das Treibstoff für eine belebte Fußgängerzone sein soll. Diese Grundidee erscheint mir wenig erfolgversprechend und ich als Bürger fühle mich eher als Geldlieferant betrachtet als ernsthaft angesprochen und aktiv einbezogen.

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Wird die Fußgängerzone belebter, wenn viele Menschen mit einem gut gefüllten Portemonnaie in die Innenstadt kommen und sie nach einem Besuch in der Gastronomie mit vollem Bauch oder mit gut gefüllter Einkaufstasche die Läden wieder verlassen? Da wird mit Frau Dr. Münch eine Person speziell für die Umsatzsteigerung für ein gutes Dutzend Händlerfamilien auf Kosten der Allgemeinheit eingestellt. Kein Wunder, wenn sich die Geschäftsleute darüber freuen, dass ihnen jemand das Planen und Organisieren kostenfrei abnimmt. Und im Artikel kommt genau diese Perspektive zum Tragen, da werden Aktivitäten von Händlern und deren Marketingstrategien gelobt, Impulse aus der Bevölkerung bleiben unerwähnt, vielleicht weil sie eher lästig und störend sind, oder sich bislang niemand wirklich dafür interessiert hat. Wenn Bürger nur als Objekte behandelt werden, die ihr Geld in die Innenstadt tragen sollen, dann wird das nichts, oder es bleibt bestenfalls Stückwerk. Woher weiß Frau Dr. Münch eigentlich, ob es in der Bevölkerung ein hinreichend großes Interesse an einer wiederbelebten Innenstadt gibt? Wurden die Einwohner gefragt? Wie viele Bürger wollen das, und wie groß ist das Interesse – sehr stark oder nur gering ausgeprägt? Was würde für sie die Fußgängerzone attraktiv machen? Was suchen Jüngere, was Ältere in der Fußgängerzone? Welche Vorschläge bringen die Bürger ein?

Bisher wurde offenbar nur mit den Ladenbesitzern gesprochen, nicht aber mit der Bevölkerung. So vorzugehen ist zwar weit verbreitet, aber wenig zielführend. Woher nimmt Frau Dr. Münch die Gewissheit, dass es der Innenstadt „an Händlern für Herren- und Teenagermode…“ mangelt? Weil jeder Ort das gleiche Spektrum an Waren anbieten muss? Leben ist dort, wo Wohnen, Arbeiten und Freizeit örtlich nah beieinander liegen, am besten eng miteinander verzahnt. Diese Strukturen gibt es auch in Tauberbischofsheim längst nicht mehr, weil Wohnen und Arbeit räumlich weit auseinanderfallen, viele lieber am Stadtrand wohnen und vieles dort einkaufen oder per Internet ihre Bedürfnisse befriedigen, weil Freizeitangebote, sprich Begegnungsmöglichkeiten zwischen Menschen, in der Innenstadt rar sind. Und wenn diese Angebote immer ans Geldausgeben gekoppelt werden, bleiben sie zerbrechlich. Finanziell schlechter gestellte Menschen haben hier kaum oder gar keinen Platz. Ist das die Absicht der Stadt?

Wer will, findet im Internet zuhauf Beispiele für eine erfolgversprechende Umgestaltung von Städten, auch deren Innenstädten. Die Umgestaltung gelingt nicht von heute auf morgen, manch liebegewordene Struktur muss begraben und neu gedacht werden. Und ökologische Aspekte haben bei der Neugestaltung immer einen besonderen Platz. Ebenso kostenarme(-freie) Begegnungsmöglichkeiten sowie soziale Strukturen, die Menschen zueinander bringen. Eine enge Einbindung der Bevölkerung, also letztlich derer, um die es gehen soll (oder geht es doch nur um die Händler und Vermieter?), ist bei der Planung und Umsetzung andernorts meist völlig selbstverständlich. Ich bin gespannt, welche Entscheidungen auf dem Weg für die Belebung der Fußgängerzone getroffen werden. Der bisherige scheint mir auf alten, ausgetretenen und wenig erfolgversprechenden Pfaden dahinzutuckern.

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