Sparkasse Tauberfranken - Geldinstitut kam bislang gut durch die Krise / Nachhaltige Investitionen werden immer beliebter / Verwahrentgelte auch für Privatkunden Geld anlegen ist cleverer als Geld sparen

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Harald Fingerhut
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Vorstandsvorsitzender Peter Vogel (links) und Vorstand Wolfgang Reiner stellten im Bilanzpressegespräch am Freitag den Geschäftsbericht 2020 der Sparkasse Tauberfranken vor und freuten sich über das gute Ergebnis. © Horst bernhard

Die Sparkasse Tauberfranken ist weiter auf Erfolgskurs – trotz Corona. Als größtes Problem stellt sich der Niedrigzins dar. Auch Privatkunden müssen deshalb mit Verwahrentgelten rechnen.

Die wichtigsten Zahlen

Das Geschäftsvolumen der Sparkasse Tauberfranken beträgt im Jahr 2020 3,29 Milliarden Euro. 2019 waren es noch 2,94 Milliarden Euro.

Die Bilanzsumme beläuft sich auf 3,15 Milliarden Euro gegenüber 2,83 Milliarden im Jahr 2019. Das ist ein Zuwachs von elf Prozent.

Die Kundenkredite sind gegenüber dem Vorjahr von 1,85 auf 1,94 Milliarden Euro gestiegen. Die Steigerung beträgt hier 4,6 Prozent.

Die Kundeneinlagen weisen eine Summe von 2,43 Milliarden Euro aus (2019: 2,13 Milliarden Euro). Das sind 14 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Wertpapierbestand beträgt 0,72 Milliarden Euro (2019: 0,69 Milliarden Euro). Die Wertpapier-Ersparnis belief sich auf 28,4 Millionen Euro. Der Wertpapierumsatz (Käufe plus Verkäufe) stieg auf 335,6 Millionen Euro.

Die Sparkasse Tauberfranken hat in ihrem Geschäftsbereich 27 personenbesetzte Filialen und 42 Geldautomaten inklusive Cash-Recycler. Die Zahl blieb gegenüber dem Vorjahr unverändert.

Um die wirtschaftlichen Auswirkungen des Lockdowns abzufedern, hat die Sparkasse Tauberfranken 718 Tilgungen, davon 526 im Unternehmens- und 192 im Privatkundenbereich, vorübergehend ausgesetzt.

Die Ausleihung per KfW-Schnellkredite betrugen per 31. Dezember 2020 4,7 Millionen Euro. Darlehen, die staatlichen Garantieregelungen unterliegen, beliefen sich auf 19,7 Millionen Euro.

Die Nachfrage nach öffentlichen Fördermitteln kletterte um über 30 Prozent (33 Millionen Euro) auf 320 Millionen Euro.

Das Umsatzvolumen (Verkauf und Ankauf) beim Edelmetallhandel erhöhte sich um sechs Millionen Euro. Dies entspricht einer Steigerung von 260 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Sparkasse Tauberfranken vermittelte eine Bausparsumme von 93,7 Millionen Euro. Das ist eine Steigerung um 28,9 Prozent.

Die Quote der Nutzer von Online-Banking erhöhte sich um 7,9 auf rund 60 Prozent. Rund 16 000 Kunden verwenden die Sparkassen-App (Zuwachs: 21 Prozent). hut

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Tauberbischofsheim. Überaus zufrieden präsentierten am Freitag im digitalen Pressegespräch der Vorsitzende des Vorstands, Peter Vogel, und sein Stellvertreter Wolfgang Reiner die Bilanz der Sparkasse Tauberfranken für das Jahr 2020. Obgleich die Corona-Pandemie die Wirtschaft und das öffentliche Leben teilweise lahmlegte und das Wirtschaftswachstum ausbremste, konnten die beiden Finanzexperten mit erfreulichen Zahlen aufwarten. In fast allen Kerngeschäftsfeldern gab es Steigerungsraten. Und so stellte Peter Vogel fest: „Das Kundenvertrauen in die Sparkasse Tauberfranken ist mit der Corona-Krise noch gewachsen.“

Lage gut eingeschätzt

„Wir sind überaus optimistisch ins Jahr 2020 gestartet. Doch dann kam Corona und vieles erinnerte auf den ersten Blick an das Ausmaß der Rezession 2009 infolge der Finanzkrise“, sagte der Vorstandsvorsitzende. „Es gab und gibt aber einen entscheidenden Unterschied. Der Finanzsektor war 2020 nicht der Auslöser der Pandemie, sondern ist in der aktuellen Krise eher teil der Lösung und hat zu deren Abfederung beigetragen.“ Deshalb sei auch die Sparkasse Tauberfranken bislang gut durch die Lockdowns gekommen. „Das lag sicherlich auch daran, dass wir das Feld frühzeitig sondiert und die Lage richtig eingeschätzt haben“, erläutert Vogel.

Vor allem einen wichtigen europaweiten Faktor habe man in Tauberbischofsheim richtig bewertet: den Niedrigzins und den „Strafzins“von Minus 0,5 Prozent für Banken, die bei der Bundesbank Guthaben hinterlegt haben. „Und genau diese beiden Eckpfeiler werden uns erhalten bleiben“, ist Vogel überzeugt.

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„Im Interesse künftiger Kundengenerationen müssen wir deshalb unser Tableau auf die heutigen Rahmenbedingungen und vor allem auf das Negativzinsumfeld weiter anpassen.“ Nur so könne man die Sparkassenkunden unabhängig von Einkommen und Vermögen kreditwirtschaftlich gut versorgen. Kurzum: Das Geld anzulegen, ist derzeit cleverer, als es aufs Sparkonto zu packen.

„Wir haben bei unseren Kunden festgestellt, dass sie immer mehr Vertrauen in andere Geldanlagemöglichkeiten entwickeln“, stellte Wolfgang Reiner fest. „Das beste Beispiel ist das Wertpapiergeschäft. Hier geraten die Anleger nicht mehr gleich in Panik, wenn die Börsenkurse nach unten gehen.“ Es gebe eine viel bessere Wertpapierkultur, Rücksetzer würden mittlerweile auch als Chance gesehen.

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Daneben sei 2020 eine hohe Nachfrage nach Edelmetallen und Gold zu verzeichnen gewesen. Mit einem Umsatzvolumen von über sechs Millionen Euro habe es im Vergleich zum Jahr 2019 eine Steigerung um 260 Prozent gegeben. Viele Kunden würden die Möglichkeit nutzen, ihren Edelmetall-Kauf online zu tätigen. Die Quote lag bei 30 Prozent. Das sei ein Trend, der auch in anderen Geschäftsbereichen zu verzeichnen sei. „Wir müssen deswegen viele Kanäle spielen, um den Kundenbedürfnissen gerecht werden zu können“, meinte Vogel. „Auch das Online-Banking und das Bezahlen mit Karte wird immer mehr geschätzt.“

Vom In- zum Sinnvestor

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Im Jahr 2020 ist ein weiteres Investitions-Feld in den Fokus der Anleger gerückt: das Immobiliengeschäft. „Unser ImmobilienCenter vermittelte 69 Objekte mit einem Transaktionsvolumen von 14,5 Millionen Euro“, nannte Reiner konkrete Zahlen. Die Sparkasse Tauberfranken selbst hat aufgrund der veränderten Marktbedingungen ihre Immobilienstrategie verändert. In Wertheim-Hofgraten erwarb das Geldinstitut ein Mehrfamilienhaus. In Hardheim und Igersheim erstellt beziehungsweise projektiert es zwei Wohngebäude.

Und noch etwas hob Reiner hervor: „Der schon längst für tot erklärte Bausparvertrag hat sich in 2020 als äußerst vital erwiesen.“ Eine Bausparsumme von 93,7 Millionen Euro, und damit 28,9 Prozent mehr als im Vorjahr, spreche eine deutliche Sprache.

Bei allen Anlagemöglichkeiten wird ein Aspekt immer wichtiger: die Nachhaltigkeit. „Wir spüren den Wandel vom Investor zum Sinnvestor“, macht Reiner deutlich. „Für viele Anleger sei wichtig, dass ihr Geld in Unternehmen und Maßnahmen fließt, die gut für die Umwelt sind.“ Klimafreundliches und nachhaltiges Wirtschaften werde immer mehr zu einem wichtigen Etikett für Fonds.

Die Zahl der Beschäftigten ging bei der Sparkasse Tauberfranken von 507 im Jahr 2019 auf 491 im Jahr 2020 zurück. „Dies geschah durch natürliche Fluktuation, wir haben niemanden entlassen“, stellte Peter Vogel fest. Die Zahl der Auszubildenden sei mit 35 gegenüber 37 im Vorjahr nahezu gleich geblieben. Im Jahr 2020 blieb auch die Zahl der Personen besetzten Filialen mit 26 nahezu gleich. Doch das wird nicht so bleiben. „Die Corona-Pandemie ist ein Treiber der Digitalisierung und hat damit auch die Frequentierung unserer Filialen verändert“, führt Wolfgang Reiner aus. Deshalb habe sein Haus alle Zweigstellen auf den Prüfstand ge- und eine Zukunftsstrategie erstellt, die noch im Frühjahr vorgestellt werden soll. Reiner: „Wir werden keinen Kahlschlag machen.“

Die Bauarbeiten für die Filiale in Wertheim sollen Ende des Jahres oder spätestens im März abgeschlossen sein, so Reiner.

Redaktion Stellvertretender Redaktionsleiter der Main-Tauber-Kreis-Redaktion, Schwerpunkte auf den Kommunen Königheim und Tauberbischofsheim.