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Leserbrief - Zu „Das sollten uns unsere Kinder wert sein“ (FN, 28. Juli) „Gegen postfaktische Argumente in pandemischen Zeiten“

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Der Leserbrief von Frau Liebler-Gerlach und Herrn Drawert stellt die Faktenlage verkürzt und in Teilen schlichtweg falsch dar.

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Die Studie des Instituts für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und Energiespeicherung der Universität Stuttgart widerspricht sich nicht, sondern verweist darauf, dass die bisher zur Bekämpfung des Coronavirus geltenden Maßnahmen (Reduzierung der Schülerzahl pro Klassenraum, Tragen von FFP2-Masken sowie Erhöhung des Luftstroms in Räumen zum Beispiel mittels Stoßlüftung) zur Reduktion der Aerosolkonzentration und somit gleichermaßen des Infektionsrisikos beitragen. Der parallele Betrieb von Luftreinigungsgeräten beziehungsweise RLT-Anlagen zeigt unwesentliche zusätzliche Verbesserungsraten in der Infektionswahrscheinlichkeit.

Lediglich Luftreinigungsgeräte mit hohen Volumenströmen reduzieren die Infektionswahrscheinlichkeit mehr als die Stoßlüftung, bringen aber Beeinträchtigungen im Bereich der Akustik sowie des Zugluftrisikos mit sich.

Somit schlussfolgert die Studie (für diesen Leserbrief verkürzt dargestellt), dass sich „[n]eben einer primär anzustrebenden Vergrößerung der maximal möglichen Fensteröffnungsfläche, [..] bei schlecht belüftbaren Räumen Luftreinigungsgeräte als kurzfristig unterstützende Maßnahmen“ (Siebler et al. 2021: 75) anbieten. Damit wird kein Widerspruch in der Argumentation erzeugt, sondern auf die Erhöhung des Luftstroms in Räumen mit schlechter natürlicher Belüftungsmöglichkeiten abgestellt.

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Des Weiteren muss zwischen mobilen Luftfiltergeräten (das Thema des FN-Artikels, auf den der Leserbrief von Frau Liebler-Gerlach und Herr Drawert Bezug nimmt, lautete: „Mobile Luftfilter vorerst kein Thema“, siehe auch Reaktion der Bürgermeisterin in der Ausgabe von Donnerstag) und RLT-Anlagen unterschieden werden, da deren Funktionsweise nicht vergleichbar ist.

Schlussendlich kommt die Stuttgarter Studie zum gleichen Ergebnis wie die Stellungnahme des Umweltbundesamts vom 9. Juli: „Als mittelfristiges Ideal werden RLT-Anlagen aufgrund der Sicherstellung der Raumluftqualität (auch hinsichtlich der CO2- und Feuchte-Belastung) sowie der Reduzierung des Lüftungswärmeverlusts (aufgrund der Wärmerückgewinnung) gesehen“ (Sieber et al. 2021: 75).

Zusammengefasst werden mobile Anlagen in der Gesamtbewertung als wenig effizient, stationäre raumlufttechnische (RLT)-Anlagen allerdings als durchaus zur Umsetzung empfohlen bewertet. Gleiche Einschätzung teilt übrigens der Städtetag.

Das Land Baden-Württemberg fördert bisher allerdings nur mobile Luftfilteranlagen mit einer Gesamtsumme von 60 Millionen Euro für Klassenräume der ersten bis sechsten Klasse, keine stationären RLT-Anlagen.

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Kritik am Forschungsdesign, der Methodenauswahl und deren empirischer Durchführung innerhalb wissenschaftlicher Studien sollte zudem Experten im jeweiligen Fachbereich überlassen werden, die die Güte der Kriterien auch adäquat beurteilen können – und das gilt nicht nur für explorative Untersuchungen zu Infektionswahrscheinlichkeiten, sondern sicher auch im Bereich der Stadtplanung und Wirtschaftsförderung.

Solcher, konstruktiver Kritik Dritter sollten sich im Übrigen auch die Leserbrief-Schreiber nicht entziehen – insbesondere, wenn sie sich der Richtigkeit ihrer Darstellungen sicher sind, diese öffentlich in der Tageszeitung darlegen und, so von Herrn Drawert geschehen, in sozialen Medien ausdrücklich zum Teilen des Leserbriefs auffordern.

Dies ist allerdings scheinbar nicht der Fall, da mein Kommentar zum Beitrag der Veröffentlichung des Leserbriefs am 28. Juli zweimal gelöscht wurde.

Deswegen kann jeder den druckgleichen Text nun heute als Leserbrief lesen – gegen postfaktische Argumente in pandemischen Zeiten.

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