75 Jahre Kriegsende - Tauberbischofsheim wird eingenommen (Teil 1) - Die Tauberbischofsheimer leisteten beim Einrücken der amerikanischen Soldaten keinen Widerstand Gefechte forderten 53 Menschenleben

Von 
Uwe Büttner
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Soldaten des 253. Infanterie Regiments mit einer erbeuteten Hakenkreuzfahne vor dem Badischen Hof. © 253.US-Infanterie Regiment (Sammlung Uwe Büttner)

Obwohl es nur wenige Kämpfe beim Einmarsch der amerikanischen Truppen in Tauberbischofsheim sowie keinen Widerstand von Seiten der Bürger gab, kamen 53 Menschen ums Leben.

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Tauberbischofsheim. Vor 75 Jahren, im März und April 1945, gibt es große Militärbewegungen der deutschen und amerikanischen Kampfverbände im heutigen Kreisgebiet. Tauberbischofsheim wird innerhalb nur weniger Tage zuerst Hauptquartier der Wehrmacht und nur kurze Zeit später das der 7. US-Armee. Die Front erstreckt sich am 31. März 1945 vom Main bis an die Tauber bei Rothenburg. Die 63. US-Infanterie Division zieht Anfang April 1945 mit dem 253. Infanterie-Regiment im Landkreis Tauberbischofsheim als Besatzungsmacht ein.

Die Front rückt näher

In den Morgenstunden des 31. März 1945, dem Tag des Einmarsches der amerikanischen Truppen, werden die Volkssturmkompanien von Tauberbischofsheim aus alarmiert. In Kenntnis der Gefechtslage ziehen es die Volkssturmmänner vor, nicht anzutreten oder wenigstens nicht auszurücken. Um 7 Uhr ertönt Fliegeralarm, die gegnerischen Flugzeuge überfliegen jedoch lediglich nur den Taubergrund. Um 10 Uhr hört man den ersten Geschützdonner und die Stadtbewohner haben den Eindruck, dass der Infanteriekampf begonnen hat. Zur gleichen Zeit zieht die Kampfgruppe Werner in Richtung Tauberbischofsheim ab und erhält den Befehl zwischen den Einheiten der 212. Volksgrenadierdivision Stellung zu beziehen.

Gegen 11 Uhr rücken die ersten amerikanischen Panzer der 7. US-Armee im Westteil von Tauberbischofsheim ein. Die Maschinengewehre der Panzer und Militärfahrzeuge sind zur Absicherung der Kolonne auf die Häuser beider Straßenseiten gerichtet. Rasch fahren diese durch die Hauptstraße und treffen nur im Ostteil der Stadt auf schwachen Widerstand einer Abteilung aus Würzburg.

Einige Häuser geraten in Brand

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Die Tauberbischofsheimer leisten keinen Widerstand. Die Wehrmachtssoldaten auf dem rechten Tauberufer werden vom Sprait her unter Artilleriefeuer genommen. Amerikanische Infanterie schwärmt aus und besetzt das östliche Tauberufer. Die Sprengung der Tauberbrücke durch eine deutsche Pioniereinheit ist durch die zu schwache Sprengladung misslungen. Bei der Zündung gibt es nur zwei Stichflammen und die Brücke bleibt stehen. Erst am 3. Mai 1945 wird die Sprengladung an der Tauberbrücke durch den Pionierzug des 253. US-Infanterie-Regiments entfernt.

Die Stadt schwebt zu dieser Zeit in höchster Gefahr bombardiert zu werden. Durch die zahlreichen Granateinschläge werden in der Stadt einige Häuser in Brand geschossen oder erheblich beschädigt. Eine Granate trifft ein Haus in der Julius-Berberich-Straße, wobei acht Personen, die im Keller Schutz gesucht hatten, umkommen. Als am Nachmittag die Bevölkerung wieder aus den Häusern kommt, können sie die Übermacht der amerikanischen Truppen sehen.

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Am gleichen Nachmittag werden die ersten Anordnungen der amerikanischen Militärregierung durch die „Ortsschelle“ bekannt gegeben. In der Bahnhofstraße, in der Richard-Trunk-Straße und im Grabenweg werden erste Häuser für die Unterbringung amerikanischer Truppen beschlagnahmt.

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In der Nacht zum Ostersonntag und in den folgenden Tagen vernimmt man von Süden her fortgesetzten Geschützdonner. Von 18 bis 5 Uhr morgens darf die Bevölkerung die Stadt nicht betreten.

Erste Tage unter der Besatzung

Am 1. April 1945 wird das 119. US-Panzerpionier-Bataillon auf ihrem Marsch von Hardheim nach Tauberbischofsheim von Wehrmachtseinheiten bombardiert. Die Einheit bleibt bis zum 2. April in Tauberbischofsheim und marschiert dann weiter Richtung Würzburg. Verbände der 63. US-Infanterie Division rücken in die Stadt ein. Einheiten des 253. Infanterie-Regiments bleiben als Besatzungstruppe in der Stadt.

Landrat Klaus Tellenbach und der Kommissar der Gendarmerie werden von den Amerikanern verhaftet. Am 2. April 1945 verlegt die 4. US-Infanterie-Division unter dem Kommando von Generalmajor Harold W. Blakeley ihren Stab und Gefechtsstand nach Tauberbischofsheim und zieht einen Tag später nach Kirchheim weiter.

Bis zum 2. April werden die in Gefangenschaft geratenen Wehrmachtssoldaten im Garten zwischen dem Haus Berberich und der Kinderschule und danach im Garten des Landratsamtes untergebracht.

Am 3. April 1945 werden die Geschäfte in der Stadt von der Stadtverwaltung angewiesen, bis zur endgültigen Regelung Waren gegen Marken oder Karten abzugeben.

Am 4. April 1945 werden die Opfer der Kämpfe vom 31. März (45 deutsche Soldaten und acht Zivilisten) auf dem Tauberbischofsheimer Friedhof beigesetzt.

Am 15. April 1945 wird das Finanzamt in der Hindenburgstraße 20 (heute Schmiederstraße) von der amerikanischen Militärregierung beschlagnahmt und hier zeitweise das Hauptquartier der 7. US-Armee untergebracht.

Leben normalisiert sich ab 16. April

Ab dem 16 .April 1945 „normalisierte“ sich wieder der Tagesablauf in der Kreisstadt und viele Firmen nahmen wieder ihren Betrieb auf. Carl Roth aus Wertheim wird von der amerikanischen Militärregierung des Landkreises Tauberbischofsheim als Landrat für den Kreis Tauberbischofsheim eingesetzt.

Die amerikanische Militärregierung des Landkreises Tauberbischofsheim zieht zuerst in die Zahnarztpraxis Dr. Kleinheisterkamp in der Bahnhofstraße 15, später dann in den Südflügel des zweiten Stockes des Landratsamtes ein. Noch bis Anfang der 1950er Jahre befindet hier der Sitz des US-Resident Officers, der für alle US-Angelegenheiten zuständig ist.

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