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Tag des offenen Denkmals

Gang durch die Tauberbischofsheimer Stadtgeschichte

Das Interesse am „Liebler Haus“ am Tag des offenen Denkmals war sehr groß. Das Stadthaus aus dem 17. Jahrhundert war erstmals während einer Führung für die Bevölkerung in weiten Teilen zu besichtigen.

Von 
Matthias Ernst
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Auf große Resonanz stießen die Führungen durch das Liebeler Haus in der unteren Fußgängerzone in Tauberbischofsheim am Tag des offenen Denkmals (Bild oben). Von geschnitzten Figuren, wie den Melusinen, also Wassermenschen, hat das Haus in der unteren Altstadt seinen Namen (Bild unten links). Bis zu 17 Schichten Tapeten wurden von den Wänden gelöst. © Matthias Ernst

Tauberbischofsheim. Es gilt als eines der „erhaltenswertesten Gebäude in der ganzen Region“, glaubt man dem Denkmalatlas, das sogenannte „Liebler Haus“ in Tauberbischofsheims unterer Fußgängerzone. Benannt ist es nach seinen Erbauern Baltasar Liebler und seiner Frau Catharina Lieblerin im Jahr 1628, wie eine Kartusche im Gefach noch heute deutlich anzeigt. Es ist in der Übergangszeit von der Renaissance zum Barock erbaut worden, und das merkt man dem Gebäude auch an. Mit zwei Vollgeschossen und zwei Dachgeschossen gilt es als eines der ersten Hochhäuser der Stadt.

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Die Lieblers scheinen keine armen Leute gewesen zu sein, sonst wäre das Haus nicht in dieser herausragenden Bauweise errichtet worden. Die beiden Dachgeschosse dienten früher als Lagerraum, was man auch am Zwerchgiebel in der Bachgasse erkennen kann, an dem früher ein Aufzug die Waren nach oben beförderte. Die anderen beiden Stockwerke waren als Wohnbereich gedacht und wurden auch lange so genutzt. Doch seit längerer Zeit steht das von außen wunderschön anzusehende Gebäude leer.

Über 100 Personen kamen

Nun bestand im Rahmen des Tags des offenen Denkmals die Möglichkeit, das Haus auch innen zu besichtigen. Durch das Haus wurden kleine Gruppen geführt und dabei von der wechselvollen Geschichte und den Plänen, wie eine zukünftige Nutzung aussehen könnte, berichtet. Über 100 Personen wollten daran teilnehmen, die Warteliste war fast ebenso lang.

Auffällig an der Außenfassade sind die fein ausgeführten Schnitzereien, die überwiegend Melusinen, also Wassernixen und Wassermänner zeigen, aber auch Neidköpfe und Palmen- beziehungsweise Sonnenräder. Sie und das Fachwerk überhaupt konnten nur überleben, weil die Fassade, ganz im Stil das Barock, verputzt wurde, wodurch das Fachwerk verschwand, aber auch konserviert wurde.

© Matthias Ernst

Erst bei den größeren Sanierungsarbeiten Mitte der 1950er Jahre des 20. Jahrhunderts kam das Fachwerk wieder zum Vorschein. Das Ladengeschäft selbst wurde in der Zeit um 1900 in das Erdgeschoss eingebaut. Die Nordfassade ist bis heute prägend für das Gebäude und zeugt vom einstigen Glanz.

Wohn- und Gechäftshaus

Das Haus war immer ein Wohn- und Geschäftshaus und das soll es auch im Zukunft wieder sein, wenn das Denkmalschutzamt mitspielt. Denn um es zeitgemäß und an moderne Wohngewohnheiten anzugleichen, sind einige Umbauten im Inneren notwendig. Bisher geht man durch eine Küche in die einzelnen Wohnungen hinein, ein Unding für den Nutzer, fanden nicht nur die Teilnehmer der Führungen. Davon sollten eigentlich nur drei stattfinden, aber die Voranmeldungen waren so groß, dass es insgesamt sieben wurden, zu jeder Stunde eine.

© Matthias Ernst

Ganz schön viel Stress für den Gebäudeführer, der aber bis zum Schluss voller Elan und in höchsten Tönen über das Gebäude referierte. Auch er sieht die Notwendigkeit, die Außenfassade zu erhalten, ja sogar noch zu verbessern, indem man den Putz der 1950er Jahre wieder entfernt. Innen sollte aber mehr Gestaltungsfreiraum gewährt werden, denn dort sind nur wenige historisch bedeutsame Dinge, wie die Stuckdecke aus dem 19. Jahrhundert erhaltenswert.

Nicht alle Geheimnisse gelüftet

Sonst wurde schon viel in früheren Zeiten verändert, inklusive der Fenster und dem Einbau von Elektrik sowie einer neuen Treppe vor etwa 100 Jahren. Selbst der Fußboden mit den Holzdielen ist nicht sehr alt. Wie Untersuchungen gezeigt haben, wurde die Decke damals mit Schlacke isoliert, die aus den 1930er Jahren stammt. Richtig alt sind die Tragbalken im Inneren. Dendrochronologische Untersuchungen haben ergeben, dass sie größtenteils aus dem 17. Jahrhundert stammen. Die werden auf jeden Fall erhalten bleiben.

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Noch sind nicht alle Geheimnisse des Gebäudes gelüftet, weshalb sich noch weitere Untersuchungen anschließen, unter anderem auch an der Pieta, die viele Jahrzehnte die nach Tauberbischofsheim kommenden Gäste grüßte.

Die Terrakotta-Figur soll, frisch gereinigt, an ihren alten Platz zurückkehren.

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