Hitzewelle - Viele Arbeitnehmer haben unter den erschwerten Wetterbedingungen zu kämpfen / Hoch- und Tiefbau sowie Dachdecker führen Projekte größtenteils weiter Für manche gibt es kein Entrinnen

Von 
Christopher Kitsche
Lesedauer: 
Es muss weiter gehen: Trotz der extremen Hitze wird an vielen Baustellen, wie hier in der Pestalozziallee in Tauberbischofsheim, weitergearbeitet. © Christopher Kitsche

Die Berufsgruppen, die draußen arbeiten, sind der derzeitigen extremen Hitze besonders ausgesetzt. In den meisten dieser Unternehmen geht der Arbeitsalltag trotzdem größtenteils normal weiter.

AdUnit urban-intext1

Main-Tauber-Kreis. Vielen reicht dieser Tag ja schon der Gang vom Büro in die Mittagspause, um gehörig ins Schwitzen zu kommen: Schnell einen schattigen Platz finden, ein kühles Getränk und dann zurück an den Arbeitsplatz, der im besten Fall mit einer Klimaanlage oder zumindest einem Ventilator ausgestattet ist.

Aber nicht in allen Berufsbranchen ist es möglich, vor der extremen Hitze zu „flüchten“. Manche Arbeitnehmer sind ihr direkt ausgesetzt. Die Straßenbauarbeiter in der Pestalozziallee in Tauberbischofsheim beispielsweise fahren trotz der hohen Temperaturen ihr Normalprogramm.

Wie halten die das nur durch?, fragen sich sicher viele Passanten, die die Arbeiter bei ihrer schweißtreibenden Arbeit erblicken.

AdUnit urban-intext2

„Bis jetzt geht es noch“, lacht Thomas Wieczorek, der Polier der Baustelle, bei einer Stipviste. „Aber da soll ja noch „mehr“ kommen“, fürchtet er. Wieczorek und sein Team arbeiten unverändert, wie auch bei milderen Temperaturen von sieben Uhr morgens bis fünf Uhr abends. „Trinken, viel trinken, das ist zur Zeit natürlich ganz wichtig“, sagt der Polier.

Außerdem hält er seine Mitarbeiter dazu an, jede Stunde mal eine kurze Pause einzulegen und kurz den Schatten zu suchen. Die Baggerfahrer haben bei der Hitzeschlacht die „Logen-Plätze“: Ihre Kabinen sind klimatisiert.

AdUnit urban-intext3

Leidensgenossen sind die Mitarbeiter der Hoch- und Tiefbaufirma Konrad Bau aus Lauda-Königshofen. Auch dort laufen die meisten Projekte weiter. „Manche Gruppen fangen früher an und hören dafür früher auf“, beschreibt Niederlassungsleiter Robert Himmel das Vorgehen. Oft sei dies aber aufgrund von Lärmbelästigung für die Anwohner aber nicht möglich.

AdUnit urban-intext4

„An manchen Tagen gehen Kolonen auch schon etwas früher nach Hause. Das tut bei dem Wetter ja keinem gut.“ Die Baustellensicherheit müsse nach wie vor eingehalten werden. „Oberkörper frei ist auf machen Baustellen erlaubt, wenn es die Gegebenheiten, wie zum Beispiel der Verkehr, zulassen. Außerdem bekommen die Baustellenteams vom Unternehmen Wasser zur Verfügung gestellt.

Früherer Arbeitsbeginn

Um fünf Uhr morgens beginnt derzeit für viele Dachdecker der Firma Pilz aus Lauda-Königshofen der Arbeitstag. „Ein Capo hat angefragt, ob das möglich ist und wir haben dem zugestimmt“, sagt Firmenleiterin Cornelia Utz.

Jedoch sei ein verfrühter Beginn nur bei Projekten in Industriegebieten möglich, weil sonst, wie auch beim Tiefbau, Anwohner gestört werden könnten. „Stundenmäßig entscheiden die Teams selbst, wie lange es geht. Oft haben sie bis mittags halb zwei gearbeitet“, so Utz.

Auch die Schüler müssen mit den extremen Bedingungen zurechtkommen. Gleichzeitig geht mit den Höchsttemperaturen die Hoffnung einher, Hitzefrei zu bekommen. Am heißen Dienstag wird diese Maßnahme aber noch nicht gezogen: „Heute ist das nicht geplant. Wir schauen jetzt von Tag zu Tag. Wenn es am selben Tag unerträglich wird, könnte der Nachmittagsunterricht ausfallen“, erklärt der Schulleiter der Realschule in Tauberbischofsheim, Christian Wamser.

„Wir sprechen uns bei solchen Entscheidungen auch mit dem Matthias-Grünwald-Gymnasium ab.“ Bei Schulklassen, die eigentlich Sportunterricht hätten, werde versucht, die Zeit anders zu füllen. „Schüler der fünften und sechsten Klasse weichen gegebenenfalls auf den Wasserspielplatz aus“, so Wamser.

Zudem werde so viel Unterricht wie möglich auf die schattige Nordseite verlegt. „An unserer Schule steht ein Sprudelautomat, an dem die Schüler ihre Flaschen auffüllen können. Die Lehrer weisen die Schüler auch immer wieder darauf hin, genug zu trinken“, nennt der Schulleiter weitere Maßnahmen, um mit dem Ausnahmewetter klar zu kommen.

Banker wurden in den heißen Sommermonaten oft nicht beneidet. Kein Wunder, wer will bei dieser Hitze schon mit Anzug und Krawatte zur Arbeit gehen? Bei der Volksbank Main-Tauber herrscht aber schon seit einiger Zeit, unabhängig vom Temperaturstand, keine Krawattenpflicht mehr.

„Unsere Mitarbeiter sollten natürlich einen gewissen Business-Knigge einhalten, kurze Hosen sind aber nicht erlaubt“, sagt Christina Liebler von der Personalabteilung der Volksbank.