Helden der Corona-Krise - Im Supermarkt ist für das Personal Abstandhalten nur bedingt möglich / Als Kassiererin steht Hildegard Haberkorn in engem Kontakt zu Menschen Für die Kunden an vorderster Front

Von 
Christopher Kitsche
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Supermarktkassiererin Hildegard Haberkorn hat auch in Corona-Zeiten Spaß bei der Arbeit und erfährt von den Kunden viel Wertschätzung. © Christopher Kitsche

Trotz Corona-Verordnungen sind Kontakte mit Menschen in manchen Berufen unumgänglich. Supermarktkassiererin Hildegard Haberkorn berichtet den FN, wie sie die Krisenzeit erlebt.

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Tauberbischofsheim. Kunden legen ihre Waren aufs Band. Tiefkühlkost, Schokolade, Konserven und Bandnudeln. Hildegard Haberkorn kassiert ab, schenkt den Kunden ein Lächeln und wünscht ihnen einen schönen Tag. Alles wie immer also? Nein.

Nichts ist in Corona-Zeiten wie sonst, auch in einem Supermarkt gelten mit dem Virus andere Gesetze. Das oberste Gebot: Abstand. Markierungen an Kassen und Fleischtheken. Security-Mitarbeiter vor den Eingangstüren sollen dafür sorgen, dass die Vorgaben penibel eingehalten werden.

Abstand halten

Kontakte auf ein Minimum reduzieren? In vielen Berufen geht das – für Supermarktkassiererin Hildegard Haberkron, die im Edeka-Markt Dürr in Tauberbischofsheim arbeitet, ist das unmöglich. Die 61-Jährige steht auch in Corona-Zeiten an „vorderster Front“ – und fast im Minutentakt zieht ein Kunde nach dem anderen an ihr vorbei.

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Was macht es mit einem, wenn man trotz aller Schutzmaßnahmen tagtäglich dem Risiko einer Infektion ausgesetzt ist? „Die erste Zeit habe ich mir kaum Gedanken gemacht, jetzt habe ich aber schon ein bisschen Respekt“, sagt sie. „Händewaschen, Abstand halten – mehr können wir ja nicht tun. Es ist nun mal unser Beruf.“

Und der macht ihr trotz der besonderen Situation nach wie vor „viel Spaß“. „Ich freue mich, wenn die Leute zufrieden nach Hause gehen.“ Das Verhalten einiger Kunden in den vergangenen Tagen habe die Arbeit aber stressiger als sonst gemacht. „Sie haben ganz anders eingekauft und kommen zum Beispiel eher in den Morgenstunden und nicht mittags oder abends.“ Auch die Einkaufsmenge unterscheide sich zu Normalzeiten: „Immer drauf, drauf, drauf – so lief das vor allem am Wochenende“, lacht Haberkorn. Die Welle der Hamsterkäufe sei inzwischen aber vorüber.

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Die Geschäftsleitung des E-Centers hat die Kunden frühzeitig über alle Veränderungen informiert: „Als erstes haben wir die Kunden mit Plakaten, Schildern, Instore-TV, Instagram, Facebook sowie Durchsagen im Markt darauf hingewiesen, Abstand zu halten, Einkäufe in Gruppen zu vermeiden und nur die Mengen zu kaufen, die sie auch wirklich brauchen“, sagt Personalleiter Florian Dürr vom E-Center.

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Dazu sei dann irgendwann eine Beschränkung von Klopapier und Küchenrollen auf eine Packung pro Haushalt gekommen.

Verständnisvolle Kunden

Manche Kunden seien wegen dieser Regelungen schon etwas barsch gewesen. „Ab und zu muss auch ich sie auf die Neuerungen hinweisen. Generell sind sie aber sehr zuvorkommend und zeigen viel Verständnis“, so Hildegard Haberkorn.

Auch in normalen Zeiten bekommt sie immer mal wieder freundliche Worte von den Kunden. Derzeit würden sich aber besonders viele dafür bedanken, dass sie da ist, erzählt sie. Davon sei sie anfangs ganz schön überrascht gewesen. „Bleiben Sie gesund, wird mir oft gewünscht.“

Mehr als warme Worte

Um das zu gewährleisten, werden die Schutzmaßnahmen auch im Edeka-Markt Dürr hochgefahren. Die Angestellten arbeiten mit Handschuhen, in den nächsten Tagen werden die Kassen mit Plexiglasscheiben ausgestattet. „Das ist schon mal was Wert und sorgt für mehr Sicherheit“, betont Haberkorn. Bei warmen Worten aus Politik und Gesellschaft oder Süßigkeitsgeschenken von Kunden soll es indes nicht bleiben.

Die Leistung von Hildegard Haberkorn und ihren Kollegen wird wohl bald auch zusätzlich finanziell gewürdigt. „Die Bundesregierung hat in Aussicht gestellt, dass Bonuszahlungen in steuerfreier Form an die Mitarbeiter gehen könnten“, erläutert Florian Dürr. Hildegard Haberkorn hätte sicher nichts gegen diese Wertschätzung. Auch wenn in den vergangenen Tagen alles sehr schnell gegangen sei, lebt die Supermarktkassiererin jetzt weiter ihren „Alltag“, wie sie sagt. 30 Stunden in der Woche, in Früh- und Spätschicht ist sie für die Kunden da.