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Fröhlich glauben lernen

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Das war mein Leben, Gott, vergiss das nicht! Ich werde niemals wieder eines haben – du kannst’s verzögern, dass sie mich begraben und dass mein Herz an diesem Kummer bricht; doch seither bin und bleib ich eine Leiche.

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Sag nicht, so viele hätten schon das Gleiche mit deiner Hilfe herrlich überstanden und wären fromm und Heilige geworden. Mein Leichnam tobt und will sich noch ermorden und die dazu, die dich als Trost erfanden, dort, wo du niemals wirksam bist.

An meinen Nerven zehrt ein Wolf und frisst – bist das auch du? Und wühlt denn deine Hand in meinem Häuflein glimmenden Verstands so grob herum und hält mich überwach, wenn alle schlafen? – Gott, sag das nicht nach, sag keins der lauen Worte deiner Frommen! Ich will ja nicht in ihren Himmel kommen! Nur einmal noch, bevor sie mich begraben, lass mich im Traum ein Fünklein Liebe haben.“

Die Dichterin Christine Lavant betet so aufrührerisch, herausfordernd, frech, zornig. Wie Hiob.

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Sie klagt Gott ihr Leben, ihr Sterbenmüssen, nach einem Leben, das so war, wie es war. Seit frühester Kindheit war sie schwer krank, oft von den Ärzten aufgegeben, dazu bitterarm und abgelehnt als Mensch, als Künstlerin.

Mich rühren ihre Gebete. Und in Gedanken stelle ich manchen in diese Gebete hinein, dem ich begegne: Die Frau, die viel zu früh stirbt. (Hat sie vielleicht so gebetet? Zornig? Verzweifelt?)

Die Schülerin, die sich ritzt in ihrer Not. (Hat sie das Beten vielleicht längst aufgegeben? Sich nicht getraut, so zu beten? Die Verbindung zu halten?)

Den Schüler, der schon lange fehlt. Menschen, die ihre Sterbensangst aushalten müssen oder ihre Lebensangst.

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Christine Lavant betet in ihrer Angst. Wie Hiob. Wie Jesus in Gethsemane oder am Kreuz. Wie die Beter in den Psalmen wirft sie sich gegen Gott. Hat sie an ihnen so beten gelernt? Können wir an ihr beten lernen?

Wir werden am Sonntag Kinder taufen. Damit sie beten lernen. Damit sie Worte finden. Für das, was in ihnen ist. Damit sie Geschichten kennen, die zum Leben helfen. Damit sie Jesus kennen, der von Gott erzählt, so, dass man Ihn lieben kann. Damit sie ihr eigenes Leben einmal hineinerzählen können in eine größere Geschichte.

„Er zog seine Straße fröhlich.“ So endet eine Taufgeschichte in der Bibel. Das Leben des Getauften ist das gleiche wie zuvor. Er ist immer noch sterblich. Das Leben kann ihm immer noch Angst machen.

Er kann immer noch verletzt werden in seiner Liebe. Und doch findet er den Mut, fröhlich zu leben. Auf den zu, aus dessen Liebe er kommt.

Ich wünsche den kleinen Täuflingen am Sonntag, dass sie fröhlich glauben und leben lernen. Was macht Sie froh über Ihre Taufe? Wann spüren Sie Tauffreude? Vielleicht machen Sie ja ganz spannende Entdeckungen. Gesegneten Sonntag!

Julia Ehret, Pfarrerin in Buch und Brehmen

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