Coronakrise - Der Tauberbischofsheimer Friseurmeister Volker Baumann sorgt mit einem Facebook-Video über die Situation in seiner Branche für Furore Friseurmeister: „Wir wollen fair behandelt werden“

Nach sieben Wochen im Lockdown reichte es Volker Baumann. Auf seinem Facebook-Account postete der Friseurmeister jetzt ein Video, in dem er die Situation in seiner Branche beschreibt.

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Sabine Holroyd
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Friseurmeister Volker Baumann in seinem Salon in Tauberbischofsheim. © Sabine Holroyd

Tauberbischofsheim. „Guten Morgen, servus. Mein Name ist Volker Baumann. Ich bin seit 23 Jahren selbständiger Friseurmeister.“ So beginnt der Tauberbischofsheimer seinen fast vierminütigen Clip, den er eigentlich nur für seine Facebook-Freunde produziert hat.

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Doch nun das: Der Kurzfilm wurde mittlerweile fast 12.000 mal aufgerufen und nahezu 350 mal geteilt. Und dabei „passiert“ darin eigentlich gar nichts.

Man sieht Baumann in Wollmütze und Kapuzenpullover in seinem Salon. Mit ruhiger Stimme und scheinbar gelassen spricht er sich alles von der Seele, was ihn in diesen Coronazeiten umtreibt. Im Film und auch in dieser Woche im FN-Gespräch betont er immer wieder, dass es ihm um die gesamte Friseurbranche gehe und nicht nur um sein eigenes Schicksal und das Wohlergehen seiner Mitarbeiterinnen.

„Wir sitzen auf dem Trockenen“

„Wir sitzen auf dem Trockenen, haben keinerlei Einkünfte und müssen dennoch überall eine Vorleistung erbringen. Das geht sicher bei vielen nicht mehr lange gut, und dann werden die Lichter ganz ausbleiben“, so sein düsteres Szenario im Clip.

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Niemals hätte er damit gerechnet, dass dieses Video so oft angesehen und kommentiert wird. Gegenüber den FN gibt Baumann ganz offen zu, dass er sich zuvor auch kleidungstechnisch überhaupt keine Gedanken gemacht habe: „Ich hab’ mein Handy hingestellt und einfach ‘neigschwätzt. Was ich anhatte, war mir völlig wurscht.“

Dann muss er doch auch lachen: „Ich habe versucht, langsam und deutlich zu sprechen. Da mich auch eine Kollegin aus Ostfriesland verstanden hat, muss mir das wohl gelungen sein.“

Nur positive Reaktionen

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Dieser Zuspruch aus allen Winkeln Deutschlands tut ihm sichtlich gut. Er freut sich, durchweg nur positive Reaktionen bekommen zu haben: „In diesen sozialen Netzwerken weiß man ja nie – schnell erntet man da auch mal einen Shitstorm“, sagt er. Dass sich auch eine Kollegin aus Tauberbischofsheim, die er persönlich gar nicht kennt, gemeldet hat, berührt ihn sehr.

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Ganz bewusst wendet er sich in seinem Video auch an die Kommunalpolitiker. MdB Nina Warken und MdL Wolfgang Reinhart haben sich schon bei ihm gemeldet.

Doch worum geht es ihm überhaupt? Ist denn nicht schon alles gesagt und geschrieben worden? Volker Baumann schüttelt den Kopf. „Eben nicht. Es stimmt nämlich nicht, dass es uns Friseuren gut geht, dass wir zu Hause sitzen und vom Staat bezahlt werden. Von den Hilfen ist noch überhaupt nichts bei mir angekommen – und auch nicht bei den meisten mir bekannten Kollegen.“

Er erläutert: „Für Dezember habe ich Kurzarbeitergeld beantragt – das wurde bis heute nicht ausbezahlt. Weil sich eine Mitarbeiterin für zwei Wochen in häusliche Quarantäne begeben musste, habe ich einen Zuschuss nach dem Bundesseuchengesetz beantragt – darauf warte ich auch noch. Für die Überbrückungshilfen I und II, also Zuschüsse für November und Dezember, muss man mindestens 30 Prozent weniger Umsatz als in den Vergleichsmonaten gehabt haben. Das trifft bei mir nicht zu“, räumt er ein, fügt aber gleich hinzu: „Wer in der Friseurbranche 30 Prozent weniger Umsatz hat, wird seinen Laden nach ein paar Monaten ganz schließen müssen.“

Die Überbrückungshilfe III wiederum könnte er in Anspruch nehmen – doch hierfür gebe es noch nicht einmal Antragsformulare, so seine Erfahrung. Im privaten Bereich wiederum könnte er Arbeitslosengeld II für Selbständige beantragen. In seinem Video schildert der 55-Jährige das so: „Ich habe also ein fünfseitiges Formular ausgefüllt und eingereicht. 14 Tage später bekam ich ein Kuvert mit etwa 50 Seiten zum Ausfüllen und einem Heft mit über 85 Seiten. Doch all das trifft ja gar nicht zu. Darauf steht nämlich ,Grundsicherung für Arbeitsuchende‘ – dabei suche ich ja keine Arbeit.“ Im FN-Gespräch sagt Baumann außerdem: „Im ersten Lockdown hat es mit der Soforthilfe gut geklappt. Allerdings gibt es viele Kollegen, die sie jetzt zurückbezahlen müssen. Wie sollen sie das denn bewerkstelligen?“

Nach seiner Gemütslage befragt, antwortet er: „Ich bin ruhiger geworden. Früher wäre ich in einer Situation wie dieser ausgerastet.“ Er macht mehrfach klar, dass er nicht auf eine Wiedereröffnung dränge: „Im Bekanntenkreis habe ich alles erlebt – Leute, die Corona, aber keine Symptome hatten, Leute, die beatmet werden mussten, und auch Leute, die im Zusammenhang mit dem Virus gestorben sind. Ich sehe ein, dass diese Lockdowns nötig waren.“

Baumann weiter: „Lieber halte ich meinen Salon jetzt noch acht bis 14 Tage geschlossen und arbeite dann durch – immer mehr Menschen werden dann ja hoffentlich bis Herbst geimpft sein. Es würde mir und auch meinen Kollegen überhaupt nichts bringen, demnächst mit aller Macht wieder zu eröffnen und vor Ostern erneut schließen zu müssen. Wir brauchen nun aber endlich Planungssicherheit.“

Der Tauberbischofsheimer Friseurmeister betont, dass es ihm schlichtweg um „eine faire Behandlung“ für seine Branche geht. Im Video sagt er abschließend an die Politik gewandt: „Bitte kümmert euch darum und kommt in die Gänge.“

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim