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Frevel an der historischen Ansicht

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Leserbrief zur Umgestaltung des Hungerturms zum Aussichtsturm (FN, 2. Juni):

„Im Dialog mit den Bürgern die Gestaltung der Stadt voranbringen“, so ähnlich lautete eine Überschrift in ihrer Zeitung im letzten Herbst. Nun lese ich in der Ausgabe ihrer Zeitung vom 2. Juni, dass eine „Umgestaltung“ des Hungerturms ansteht.

Dabei handelt es sich nicht um irgendein Bauwerk in Tauberbischofsheim, sondern um den letzten Zeugen der ehemaligen Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert. Der monumentale Hungerturm bildet den Mittelpunkt, der wohl idyllischsten Stelle unserer Altstadt. Gerade aus diesem Grund findet man das Motiv auf vielen Ansichtskarten und Prospekten von Tauberbischofsheim.

Vielleicht habe ich etwas übersehen, einen Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern in dieser für unsere historische Altstadt so bedeutenden baulichen Maßnahme habe ich nicht wahrgenommen. Leerstehende Schaufenster für Planunterlagen und Modelle würden jedenfalls für solche Informationen zur Verfügung stehen.

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Gibt es wirklich nur die Möglichkeit den Turm durch eine völlig unproportionierte Aufstockung zu retten und damit „aufzuwerten“? Natürlich nicht, wie meine Recherchen ergaben.

Mittelalterliche Wehrtürme und andere Gebäude werden mit heutigen technischen Möglichkeiten ganz bewusst mit all ihren Narben erhalten, so wie sie sich eben nach sieben oder acht Jahrhunderten präsentieren. Wer käme auf die Idee, zum Beispiel das Heidelberger Schloss mit solchen Verschönerungen zu bereichern?

Dem Ensemble „ Mühlkanal – Mauerdurchbruch – Hungerturm“ wird durch dieses Vorhaben die Authentizität geraubt. Ja, das Vorhaben stellt einen Frevel an dieser historischen Ansicht und damit an unserer Altstadt dar. Im 19. Jahrhundert beschloss der damalige Stadtrat von Tauberbischofsheim den Abbruch der Stadtbefestigung – aus heutiger Sicht ein historischer Fehler. Knapp 200 Jahre später beschließen nun die Gemeinderäte die „Verschönerung“ des letzten Zeugen der Tauberbischofsheimer Stadtbefestigung.

Gut, zum Nulltarif. Aber ist eine „Aufwertung“ dieses romantischen Winkels auf diese Art nicht wieder ein gravierender, eigentlich unverzeihlicher Fehler?

Das wiederholte finanzielle Engagement des Sponsors Eberhard Bärthel zum Wohle der Stadt schätze ich durchaus. Allerdings möchte ich mich der Aussage von Stadtrat Benz „Ich möchte, dass es so bleibt, wie es ist“, anschließen. Gleichzeitig verbinde ich damit die Hoffnung, dass möglichst viele „Bischemerinnen“ und „Bischemer“ in dieser Angelegenheit ähnlich denken und dies zum Ausdruck bringen.

Herrn Bärthel, den ich als Kind wegen seiner Turnkünste verehrt habe, möchte ich eine Umwidmung seiner Spendengelder vorschlagen: Turm sanieren ohne Aussicht, dafür den vorbeifließenden ehemaligen Mühlkanal, die „Boach“, in Angriff nehmen. Die steht, stinkt und bietet einen erbärmlichen Anblick. Diese Maßnahme würde das Ensemble am Hungerturm aufwerten und außerdem einen erheblichen Gewinn für unsere Altstadt bedeuten.

Wie gesagt, nicht gutheißen kann ich, dass wir Bürgerinnen und Bürger bei einer solchen, „unsere“ historische Altstadt betreffenden, gravierenden Maßnahme einfach erst nach einem Beschluss informiert werden. Sind für solche Maßnahmen nicht intensive Vorbereitungen über Monate notwendig?

Übrigens, der Hungerturm gründet an einer der tiefsten Stellen in unserer Stadt. Ein Aussichtsturm an dieser Stelle? Eigentlich sind doch nur die Bürger von Schilda für solche Bauvorhaben bekannt.

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