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Leserbrief - Zur Situation des Einzelhandels in der Region in Zeiten des Corona-Lockdowns

„Es wird ein leiser Tod werden“

Von 
Leserbrief-Schreiber: Simone Hauck
Lesedauer: 

Wir befinden uns alle mitten in der Corona-Krise. Die Geschäfte und Gastronomie sind geschlossen, wir bleiben Zuhause und schränken uns in allen Bereichen ein. So sollte es zumindest sein, um eine Chance zu haben, das Virus in den Griff zu bekommen.

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Ist das wirklich so?

In den Supermärkten ist die Welt in Ordnung. Am Eingang wird man von containerweise blühenden Blumen und Pflanzen empfangen.

Im Angebot sind Bekleidung, Büroausstattung, Elektrogeräte, Handtücher, Schuhe, Bücher, Kinderspielzeug, alles was das Herz begehrt. Wir stellen uns an mindestens zwei Kassen zu zehnt an, endlich trifft man mal wieder andere Menschen, sonst geht man ja ein, alleine zuhause.

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Ach ja, Lebensmittel gibt es auch, deshalb dürfen die Supermärkte geöffnet haben.

Was man hier nicht bekommt, ist gleich danach über Amazon und Co bestellt.

Wahrscheinlich Deutschlands größter Steuerzahler. Alle sind gleich, nur manche sind gleicher.

Ich will diese Tatsache nicht verteufeln, aber einfach einige Dinge ins Gedächtnis rufen.

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Da ist die Gärtnerei, das Modegeschäft, das Einrichtungshaus, das Sportgeschäft, der Schuhladen, das Elektrogeschäft, die Gaststätten, der Friseur, einfach der komplette Einzelhandel in der Region. Inhabergeführt mit viel Leidenschaft und Einsatz.

Sie alle würden sicher auch gerne ihre Waren verkaufen, mit Hygienekonzepten und Abstand, und ihre Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit schicken müssen.

Was viele übersehen, ist, dass alle die Artikel, die in den Einzelhandelsgeschäften verkauft werden, eine Orderzeit haben, das heißt, die Geschäfte haben nach der letzten Saison, vor der Corona-Krise geordert und bekommen jetzt ihre Waren, die auch bezahlt werden müssen.

Die Produktion steht voll mit angezogenen Pflanzen, die zudem auch noch verderblich sind und keine lange Zeit im Winterschlaf verharren können.

Zum Glück dürfen Einzelhandel und Gastronomie jetzt Call&Collect anbieten – das Zauberwort heißt Abholung. Das soll nun alle über die Zeit retten.

Die Geschäfte werden nicht laut schreien, es wird ein leiser Tod werden und viele werden einfach nicht mehr öffnen. Die Läden bleiben dunkel.

Die Vielfalt wird weniger, das Einkaufserlebnis sehr überschaubar, Arbeits- und Ausbildungsplätze verschwinden.

Die Hoffnung ist, dass es bald besser wird, die Infektionszahlen sinken und wir lernen, mit dem Coronavirus zu leben, denn verschwinden wird es nicht. Dann war das nicht alles umsonst. Und Unternehmer sind zäh.

Wir haben es alle in der Hand, ob es auch nach der Krise einen vielfältigen Einzelhandel in der Region gibt, oder ob wir uns nach wöchentlichen Angeboten einrichten und uns mit Dingen kleiden, die billigst in Masse eingekauft wurden.

Manchmal stelle ich mir vor, wenn alles vorbei ist, darf der Lebensmitteleinzelhandel eine so lange Zeit ausschließlich Lebensmittel verkaufen, wie die Einzelhändler im Lockdown waren. Mit zwei Tagen Vorlaufzeit. Ein charmanter Gedanke…

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