Multiresistente Erreger (Teil 3) - Antibiotika – Was bedeuten sie für den Alltag? Einsatz ist nur gegen Bakterien sinnvoll

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Dr. Wilhelm Freiherr von Lamezan
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Antibiotika sollten stets verantwortungsvoll eingesetzt werden – so selten wie möglich, so häufig wie nötig. Sie wirken nur gegen Bakterien, aber nicht gegen Pilze und Viren. © Landratsamt Main-Tauber-Kreis/Daniela Bartenstein

Die Mitglieder des MRE-Netzwerks Main-Tauber-Kreis berichten in dieser Serie über das, was jeder über Multirsistente Erreger (MRE) wissen sollte. Heute geht es um häufige Fragen zu Antibiotika.

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Main-Tauber-Kreis. Antibiotika sind keine Allheilmittel: Sie sind Medikamente, die gegen Bakterien wirken, nicht aber gegen Viren und Pilze. Da Bakterien sehr anpassungsfähig sind, können sie Resistenzen gegen ein Antibiotikum entwickeln, das heißt sie werden widerstandsfähig, und das Antibiotikum wird unwirksam.

Auf diese Weise entstehen multiresistente Erreger (MRE). Deshalb ist ein gezielter, individueller und verantwortungsbewusster Einsatz von Antibiotika unabdingbar.

Wie wirken Antibiotika?

Antibiotika wehren gezielt Bakterien ab, zum Beispiel bei Zecken-Borreliose oder Scharlach. Ein Antibiotikum verschafft durch seine besondere Wirkung eine schnelle Linderung der Beschwerden. Es gibt zwei Antibiotikagruppen.

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Die eine kann die Vermehrung von Bakterien verhindern, die andere tötet Bakterien ab. Ohne wirkungsvolle Antibiotika würden viele Menschen an Infektionen sterben. Dabei bekämpfen manche Antibiotika gezielt eine ganz spezielle Bakterienart, andere viele verschiedene Bakterienarten. Diese zweite Gruppe sind die so genannten Breitband-antibiotika.

Allerdings wirken Antibiotika nur bei Bakterien. Die meisten Erkältungskrankheiten und Durchfallerkrankungen werden jedoch durch Viren hervorgerufen.

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Antibiotika sind deshalb bei viralen Infektionen wirkungslos. Viren können durch die körpereigene Abwehr, das Immunsystem, bekämpft werden.

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Wenn ein Antibiotikum trotzdem angewendet wird, kann es verstärkt die Widerstandsfähigkeit, die so genannte Resistenz, der Bakterien gegen Antibiotika hervorrufen. „Deshalb muss individuell und verantwortungsvoll entschieden werden, wann ein Antibiotikum zur Heilung geeignet ist“, erklärt Dr. Wilhelm Freiherr von Lamezan, unter anderem Hygienebeauftragter Arzt sowie Leiter der Notfallmedizin der Rotkreuzklinik Wertheim und Mitglied des MRE-Netzwerks Main-Tauber-Kreis.

Was ist eine Antibiotikaresistenz?

Zunächst sind Bakterien Lebewesen, die sich schnell vermehren und sich immer wieder verändern. Resistenz bedeutet, dass Bakterien gegen ein Antibiotikum widerstandsfähig sind, das heißt die Bakterien können trotzdem überleben und sich vermehren. Dies geschieht durch spontane, aber dauerhafte Veränderung ihres Erbguts.

Durch die Vermehrung einzelner Bakterien, die durch ein Antibiotikum nicht getötet oder in ihrem Wachstum gehemmt wurden, entstehen ganze resistente Bakterienstämme, deren Behandlung mit Antibiotika unwirksam ist, so genannte multiresistente Bakterien.

Dass in der Vergangenheit die Resistenzen gegen Antibiotika zugenommen haben, ist ein wachsendes Problem.

Im Jahr 2018 gab die europäische Seuchenbehörde an, dass in Europa rund 33 000 Menschen aufgrund von Antibiotikaresistenz gestorben sind. Wenn die üblichen Antibiotika nicht mehr wirken, werden „Reserveantibiotika“ eingesetzt. Die WHO warnte jedoch bereits 2012 davor, dass sich auch dagegen Resistenzen entwickeln können. Deshalb sollten Antibiotika so selten wie möglich und so oft wie nötig eingesetzt werden.

Was bedeutet das für den Alltag?

Das Antibiotikum muss solange eingenommen werden, wie es verordnet wurde – auch wenn sich die Betroffenen besser fühlen.

Weiterhin gilt, dass kein Antibiotikum eingenommen werden darf, das einer anderen Person verschrieben wurde. Es sollte nicht vorbeugend eingenommen und nicht auf Vorrat gekauft werden. Zudem ist es wichtig, den Beipackzettel zu lesen, bei Unverständnis nachzufragen und die Hinweise auf Verzicht bestimmter Nahrungsmittel (zum Beispiel Milch oder Quark) und Genussmittel (zum Beispiel kalziumreiches Mineralwasser, Alkohol, Kaffee) zu beachten.

Diese können die Wirksamkeit eines Antibiotikums deutlich verringern.

Es wird empfohlen, ein Glas (Leitungs-)Wasser zur Einnahme des Medikaments zu trinken.

Außerdem sollten Antibiotika ausschließlich über den Hausmüll entsorgt werden, damit sie nicht ins Grund- oder Trinkwasser gelangen können.