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Leserbrief - Zum Bericht „Vielen Wasserkraftanlagen droht das Aus“ (FN, 2. Mai) und „Beeinträchtigung der Gewässerökologie“ (5. Mai) „Ein Schlag ins Gesicht aller Betreiber”

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Die Aussagen des Bundeswirtschafts- und Bundesumweltministeriums sind ein Schlag ins Gesicht aller Wasserkraftwerksbetreiber, die sich gemeinsam mit den örtlichen Behörden, Fischereivereinen und Umweltverbänden für die ökologischen Verbesserungen und Durchgängigkeit einsetzen. Die Fakten werden völlig verdreht. Die Vorschriften des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) sind in der Praxis längst umgesetzt.

Das Beispiel des Wasserkraftwerks der Familie Kuhn in Markelsheim zeigt: Die Paragrafen 33 bis 34 des WHG regelt die vorgeschriebene Mindestwassermenge und die Durchgängigkeit des Gewässers. Mit dem Landratsamt wurde dies bereits 2009 umgesetzt. Ähnlich einem Bachlauf, ist der Fischaufstieg und Fischabstieg am alten Sportplatz naturnah realisiert. Zusätzlich wurde ein Fischabstieg am Wasserkraftwerk über einen Überlauf mit einer Art „Fischrutsche“ ermöglicht. Der Landesfischereibeauftragte hat bei der Abnahme des Umbaus die Maßnahme als vorbildliche Umsetzung ausdrücklich gelobt. Der Paragraf 35 WHG besagt:„Die Nutzung von Wasserkraft darf nur zugelassen werden, wenn auch geeignete Maßnahmen zum Schutz der Fischpopulation ergriffen werden.“ Beim Neubau des Wasserkraftwerks 2009 wurde der Einlaufbereich in die Turbine verbreitert, um die Fließgeschwindigkeit der Tauber auf maximal 0,6 Meter pro Sekunde zu verringern.

Die Stababstände des Rechens am Turbineneinlauf wurden auf 1,5 Zentimeter verringert. Fische können nicht in die Turbine gelangen. Zum Vergleich haben Wasserkraftwerke über 500 Kilowatt Leistung an großen Flüssen Stababstände von zum Teil über zehn Zentimeter, weil die Turbinen sonst die große Wassermenge nicht fassen können. Elektrische Fischscheuchen sollen dort die Fische von den Turbinen fernhalten.

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Somit sind beim Wasserkraftwerk Markelsheim alle vom Bundesumweltamt genannten gesetzlichen Vorgaben erfüllt, der gute ökologische Zustand wurde schriftlich bestätigt. Nahezu jeder Betreiber eines Wasserkraftwerks an Tauber, Jagst und Kocher kann von ähnlichen Maßnahmen berichten. Es ist schon unglaublich, dass die kleine Wasserkraft trotz Erfüllung der gesetzlichen ökologischen Vorgaben (WHG) nach einem Regierungswechsel in Berlin plötzlich „keine umweltverträgliche Form der Energieerzeugung“ sein soll. Was ist das für eine Rechtsauffassung, wenn die reine Größe einer Wasserkraftanlage (500 Kilowatt) und nicht der individuelle Zustand vor Ort über die ökologische Verträglichkeit entscheidet? Sicherlich werden sich damit unnötigerweise deutsche Gerichte befassen müssen. Ich dachte eigentlich, wir hätten andere Probleme. Was ist mit der Notversorgung und dem Katastrophenschutz? Dezentrale kleine Wasserkraftwerke stabilisieren die Stromnetze bei Tag und Nacht. Ob die Sonne scheint oder der Wind weht, spielt keine Rolle.

Diese Wasserkraftwerke können nicht gehackt werden. Aktuell werden vermutlich von russischen Hackern Satelliten angegriffen, die auch für die Steuerung von Wind- und Solarparks genutzt werden.

Wechselrichter mit Online-Zugriff in deutschen Solarparks werden überwiegend von chinesischen Staatskonzernen hergestellt.

Deutschland schaltet dagegen tausende (90 Prozent) unabhängige, zuverlässige und regionale Wasserkraftwerke quasi ab. Ist es denn ein Naturgesetz, dass wir einen Fehler wie beim Zugriff Russlands auf deutsche Erdgasspeicher wiederholen müssen?

Vielerorts sind Wasserkraftanlagen eine wichtige wirtschaftliche Stütze für alteingesessene Handwerksbetriebe wie Mühlen und regionale Stromnetzbetreiber. Diese tragen ganz konkret und persönlich zur regionalen Grundversorgung der ländlichen Bevölkerung bei.

Offensichtlich ist dem von Grünen geführten Bundeswirtschaftsministerium und Bundesumweltministerium die ideologische Lobbyarbeit nahe stehender Naturschutzverbände wichtiger als die konstruktive ökologische Sacharbeit sowie der Erhalt von über Jahrhunderte gewachsenen Strukturen vor Ort. Die Schwächsten für alle Fehler der Vergangenheit als Prügelknabe verantwortlich zu machen, ist einfach. Flächenversiegelung, Landwirtschaft, Verkehr…, jeder Bereich und jeder Bürger trägt seinen Beitrag am aktuellen Zustand unseres Planeten.

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