Kunstverein Tauberbischofsheim

Ein Hauch von Frivolität schadet nicht

Kurzweilige Lesung von Autorin Susanne Ackstaller nahm die Zuschauerinnen mit in die Welt der Mode

Von 
Heike von Brandenstein
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Kurzweilige Lesung mit jeder Menge Humor und immer einem Hauch von Selbstironie bot Susanne Ackstaller beim Kunstverein im Engel-Saal. © Heike von Brandenstein

Marilyn Monroe hat ihn einst salonfähig gemacht – den Tüllrock. Der gehört nach Meinung von Susanne Ackstaller zu den Stücken, die jede Frau im Schrank haben sollte. Um Mode, Stil und mehr ging es bei ihrer Lesung am Sonntag im Engel-Saal.

Tauberbischofsheim. Alles andere als schwer sollte der frühe Abend werden, hatte Dagmar Wolf vom Kunstverein eingangs der Veranstaltung angekündigt. Und sie sollte Recht behalten. Gut 50 Frauen waren zur Lesung gekommen, um sich von der Autorin Passagen aus ihrem Erstlingswerk vorlesen zu lassen. „Die beste Zeit für guten Stil“ lautet der Titel, mit dem sie Frauen Mut macht, das eigene Outfit zu kreieren und sich damit einfach pudelwohl zu fühlen. Das geht schlicht mit Jeans, Bluse oder Pulli, mit effektvollen Accessoires oder eben mit schickem, leicht bauschigem Tüll-Tutu.

Ackstaller nahm die Zuhörerinnen mit auf eine kleine Modereise gespickt mit praktischen Tipps und kleinen Tabubrüchen. Denn welche Frau mit Mitte 50 traut sich schon einen knallroten Spitzen-BH samt Höschen zu kaufen, wenn sie keine Italienerin in der Neujahrsnacht ist? Der Autorin ist das ziemlich wurscht. Denn der eigene Anblick im Spiegel ist in roten Dessous einfach wesentlich netter als der in ausgelabbertem Büstenhalter und Taillenschlüpfer. Ackstaller lächelnd: „Ein Hauch von Frivolität kann im Leben nicht schaden.“

Tausch-Börse

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Traut euch was, lautete ihre Botschaft, die immer auch etwas Nachdenkliches und Lehrreiches beinhaltete. Klamotten neu kombinieren, Gebrauchtes auf einer der vielen Internetplattformen kaufen, Second-Hand-Läden durchstöbern oder Tauschbörsen besuchen. Letztere hatten Susanne Ackstaller und Dagmar Wolf im Engel-Saal für die Pause organisiert. Auf einem Tisch lagen Ketten, Ohrringe, Gürtel, Tücher und ein paar witzige Haarstecker, die bei Gefallen einfach mitgenommen werden konnten.

Ach ja, die Jeans. Einst strapazierfähige Arbeiterhose, heute eine soziale Schichten verbindende Einheitsklamotte. Damit hat die Jeans die Welt demokratisiert, so die These der Autorin. Eine Hose, die mal chic, mal lässig, mal fast schon elegant daherkommt. Die Kombi macht’s eben. Wäre da nicht der Umweltaspekt durch den hohen Wasserverbrauch bei der Herstellung, die teils giftigen Farben und unter sozialem Gesichtspunkt die oft menschenverachtenden Produktionsbedingungen. Susanne Ackstaller empfiehlt deshalb, auf Ökosiegel zu setzen und am besten noch Second-Hand zu kaufen.

Zu Jeans passen Sneaker natürlich perfekt, die mittlerweile gern auch mal zum Rock oder Kleid getragen werden. „Das ist ein bequemer Schuh für jeden Tag“, so die Autorin. Die weiße Variante wurde durch die Vereidigung von Joschka Fischer als Minister legendär. Zu putzen seien diese Exemplare allerdings schwierig. Also: Vor dem ersten Tragen imprägnieren, mit Bürste und Spülmittel schrubben. Bei der Zugabe von Backpulver wird das Ergebnis noch besser.

Vier Kilo Lippenstift

Eine weitere neue Erkenntnis erhielten die Zuhörerinnen zum Thema Lippenstift. Vier Kilogramm des farbigen Fettes verspeise eine Frau in ihrem Leben, informierte Ackstaller und gab auch noch Tipps. Konturenstift in selber Farbnuance verwenden, eine matte Variante des eigentlichen Farbgebers wählen und für den besseren Halt zuvor die Lippen abpudern.

Ach ja, der Tüllrock. Zur Sprache kam der nach Abbas einleitendem Song „Dancing Queen“. Nach Auffassung von Susanne Ackstaller ist er Ausdruck dafür, die Leichtigkeit zu leben und das Leben zu tanzen. Sie setze auf die nicht ganz so üppige Form. Ansonsten laufe man rum wie „ein zuckriges Cupcake auf Beinen“.

Etliche Fragen prasselten im Anschluss an die Lesung auf Susanne Ackstaller ein. Dadurch erfuhren die Interessierten, dass ein Fotoshooting mindestens einen dreiviertel Arbeitstag dauere und die beste Voraussetzung für ein gutes Bild ein schönes Make-up – aber nicht zugekleistert – und Klamotten seien, in denen sich die Fotografierte wohl fühlt.

Kinder hielten Abstand

Ob denn ihre drei Kinder den Modefaible und das digitale Engagement ihrer Mutter immer goutierten? „Mittlerweile ja“, so Susanne Ackstaller. Sie erinnert sich allerdings an einen Ausflug nach München. Da trug sie einen Hut mit schwarzen Bommeln ähnlich dem Schwarzwälder Bollenhut. Ihren Kindern sei das so peinlich gewesen, dass sie weit hinter ihr gelaufen seien.

Redaktion Zuständig für die Kreisberichterstattung Main-Tauber