72-Stunden-Aktion - Jugendliche aus der Region zeigten im vergangenen Jahr großes Engagement / Ergebnisse sind nach wie vor eine Bereicherung „Die Welt wirklich ein Stück verbessert“

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Ulrich Feuerstein
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Am Sportplatz in Dittwar legten Jugendliche in Kooperation mit dem Sportverein eine Boule-Anlage an. © Ulrich Feuerstein

Vor einem Jahr ging die zweite bundesweite 72-Stunden-Aktion über die Bühne. Vier Tage lang waren rund 1100 Personen in 14 Gruppen von Bestenheid bis Eubigheim „ohne Kompromiss“ im Einsatz.

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Main-Tauber-Kreis. Auch ein Jahr nach der Aktion ist Maxi Scheuermann begeistert, wie viel Engagement die Jugendlichen gezeigt haben. „In nur 72 Stunden haben sie so viel bewegt und die Welt wirklich ein Stück verbessert“, betont die Dekanatsjugendreferentin.

Nachhaltigkeit ist dabei ihren Angaben zufolge ein wesentlicher Aspekt gewesen. „Verschiedene Projekte, aber auch unser alltägliches Handeln haben wir versucht, unter diesem Motto umzusetzen.“ So habe jede der teilnehmenden Gruppen im Dekanat eine Kiste regionalen Apfelsaft gespendet bekommen.

2019 lag der Fokus noch stärker auf sozialen Projekten. „Aus der Aktion gingen regionale Anstöße für gesellschaftliche und soziale Entwicklung aus“, versichert Scheuermann. So habe die KjG St. Bonifatius in Tauberbischofsheim mit ihrer Aktion die öffentliche Wirksamkeit des Tafelladens in Tauberbischofsheim nachhaltig beeinflusst. Die Dekanatsjugendreferentin ist überzeugt: „Nicht nur Bauprojekte können nachhaltig erlebbare Aktionen sein.“

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In Eubigheim war der ganze Ort auf den Beinen. Die Gruppe „Ups“ sanierte die in die Jahre gekommene Arche. Damit nicht genug. Die rund 45 Kinder und Jugendlichen peppten auch den Sportplatz mit neuen Spielgeräten auf. „Arche und Spielgeräte werden auch heute noch gerne genutzt“, sagt Betreuerin Annika Dötter. Kaum habe es die ersten Lockerungen nach dem Corona-Stillstand gegeben, seien dort wieder Besucher anzutreffen gewesen.

Die Ministranten der Seelsorgeeinheit Boxberg-Ahorn ließen am Kloster der St.-Anna-Schwestern in Angeltürn eine Freizeit- und Begegnungsstätte entstehen. Dafür pflasterten sie den Fahrweg, bauten einen Altar, legten eine Sitzgruppe an und mauerten eine Grotte. Heute freuen die Schwestern sich, wenn sie trockenen Fußes in ihr Kloster kommen. Im vergangenen Jahr gab es im neu gestalteten Hof verschiedene Andachten. In naher Zukunft sollen dort Gottesdienste und Fatima-Messen stattfinden.

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Die „Bälmer Schelle“ setzten neue Akzente im Ortsbild von Unterbalbach. Am Ortseingang gestalteten sie einen Leiterwagen, setzten die historische Obstpresse instand und sanierten den Beachvolleyballplatz. Regelmäßig wird der Wagen mit Blumen dekoriert und der Werbeschriftzug zu verschiedenen Festen aktualisiert. Geplant ist, die Kelter noch diesen Sommer mit einer Überdachung zu versehen, um sie beständiger gegen Wind und Wetter zu machen.

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Schweißtreibend war die Aufgabe für die „Carawanse“ in Dittwar. Am Sportplatz legten die Jugendlichen eine Boule-Anlage in Kooperation mit dem Sportverein an. Als „wichtigen Beitrag für die Dorfgemeinschaft“ bezeichnet Marvin Künzig die Maßnahme. Die Boule-Anlage habe sich zu einem Treffpunkt für Jung und Alt entwickelt. Die Jugendlichen hoffen auf weitere Lockerungen. Nicolai Schlegelmilch, Vorsitzender der „Carawanse“, kann sich bei entsprechenden Regelungen vorstellen, im Herbst Ortsmeisterschaften zu veranstalten.

Von dem starken Zusammengehörigkeitsgefühl schwärmt Birgit Hörner noch heute. Werbachs Ortsvorsteherin erinnert sich gerne an „vier harte Tage“ im letzten Jahr. Die Ministranten der Pfarrei St. Martin hatten den Auftrag, die Kneippanlage am Ortsausgang aufzupeppen. Dazu gestalteten sie einen Barfuß-Pfad und fertigten zahlreiche Liegestühle. „Wir haben Wert auf Langlebigkeit und Alltagstauglichkeit gelegt“, erklären die beiden Betreuerinnen Elke Hintz und Inge Ries. Für Birgit Hörner ist klar: „Das Freizeitgelände ist noch attraktiver geworden.“ Bolzplatz, Bike-Strecke, Wassertretanlage und Barfuß-Pfad bieten in ihren Augen allen Generationen Betätigungsmöglichkeiten. Neue Ideen hat sie auch schon. Mit der Unterstützung von Ortschaftsrat und Bauhof will sie die Anlage erweitern und verändern. Der Erfolg gibt ihr Recht. Nach den Lockerungen ist das Freizeitgelände schon wieder gut besucht.

Die Nachfrage bei den Aktionsgruppen hat bemerkenswerte Erkenntnisse gebracht. Auch ein Jahr danach ist den Beteiligten die 72-Stunden-Aktion noch in guter Erinnerung. Alle sind stolz, innerhalb kurzer Zeit viel geleistet zu haben, und betonen, dass die Gemeinschaft in der Gruppe langfristig gestärkt worden ist.

In Zeiten von Corona gewinnt die 72-Stunden-Aktion eine ganz neue Bedeutung. Fernreisen sind schwierig geworden. Der Urlaub daheim wird zum Hoffnungsschimmer. Was liegt näher, als sich in der näheren Umgebung zu erholen. Die Attraktionen, die während der 72-Stunden-Aktion entstanden sind, können dabei eine sinnvolle Alternative sein.