FN-Interview - Die Leiterin der Tauberbischofsheimer Mediothek, Angelika Benz, über neue Möbel, die keiner bewundern kann, und über die rätselhafte Nachfrage nach einer kleinen Hexe Die Welt der Bücher im Dornröschenschlaf

Auch die Tauberbischofsheimer Mediothek befindet sich coronabedingt im Dornröschenschlaf. Der Bestell- und Abholservice bringt jedoch einen Hauch von Normalität in die Welt der Bücher.

Von 
Sabine Holroyd
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Angelika Benz fühlt sich nach wie vor wohl in ihrem „zweiten Zuhause“, der Tauberbischofsheimer Mediothek. © Sabine Holroyd

Tauberbischofsheim. Angelika Benz macht das Beste aus der Situation, auch wenn das neue Mobiliar erst mal nicht zum Einsatz kommen darf. Die Leiterin der Städtischen Mediothek machte sich mit ihrem Team, zu dem erstmals auch ein Mann gehört, an Dinge, für die sonst nur wenig Zeit bleibt – zum Beispiel, DVDs nach Genre zu ordnen.

Tipps des Mediothek-Teams

Angelika Benz: Bilderbuch: Einer meiner All-Time-Favourites mit dem coolsten Titel: „Die Katze, der Hund, Rotkäppchen, die explodierenden Eier, der Wolf und Omas Kleiderschrank“ von Diane & Christyan Fox, Kinderbücher: 2020 (wieder-)entdeckt habe ich Bücher von Ulf Stark (neu: „Als ich die Pflaumen des Riesen klaute“; „Die Ausreißer“). Bücher von Marianne Kaurin („Irgendwo ist immer Süden“) und Anke Stelling („Freddie und die Bändigung des Bösen“). Großen Spaß machte uns das Familienbuch „Forschungsgruppe Erbsensuppe“ von Rieke Padwarthan. Als Jugendbuch hat mich „Long way down“ von Jason Reynolds beeindruckt. Für Erwachsene hat mir zuletzt gut gefallen „Judith und Hamnet“ von Maggie O’Farrell und „Mit Dir für alle Zeit“ von Lisa Grunwald ist eine schöne Liebesgeschichte.

Yvette Driessen: Bilderbuch: Guido van Genechten: „Die Wahrheit über Dinosaurier“, Hörbuch Kinder: Daniel Zimakoff: „Donnerschnitzel“, Hörbuch Erwachsene: Daniel Glattauer: „Die Liebe Geld Spiel: Speedy Roll“ (Kinderspiel des Jahres 2020) Kinderbuch: Lou Beauchesne: „Anton das Bison“, Jugendbuch: Antje Herden „Parole Teetee“. Romane: Nina Blazon: „Das Wörterbuch des Windes“, Krimis von Gil Ribeiro „Lost in Fuseta“, Elke Heidenreich „Männer in Kamelhaarmänteln“, James Gould-Bourn: „Pandatage“, Marta Orriols: „Der Moment zwischen den Zeiten“.

Alexander Martin: Der chinesische Autor Cixin Liu hat mit seiner „Trisolaris“-Trilogie einen Weltbestseller der Science-Fiction-Literatur geschaffen. Beginnend mit „Die drei Sonnen“, geht die fantastische Reise weiter über „Der dunkle Wald“ und endet „Jenseits der Zeit“. Andreas Gruber ist stets eine gute Wahl. Sowohl als Jugendbuchautor mit seiner „Code Genesis“-Reihe als auch mit seinen Thrillerserien, etwa um die Ermittler Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez, oder auch Peter Hogart mit „Die Knochennadel“. Wer es gerne spannend mag, ist bei Joel Dicker und seinen Büchern „Das Verschwinden der Stefanie Malier“ und „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ goldrichtig.

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Frau Benz, wie geht es der Mediothek im Lockdown?

Angelika Benz: Ein bisschen wie im Dornröschenschlaf – und mit Maske wird das mit dem Wachküssen schwierig (lacht).

Wir haben im letzten Jahr in neue Teppiche, Beleuchtung und Mobiliar investiert, um die Aufenthaltsqualität zu steigern. Nun sind jedoch alle Sessel und Stühle weggeräumt, damit sich (wenn wir offen haben), niemand länger als nötig aufhält. Das ist sehr schade, weil unsere Vorstellung von Mediothek die eines Ortes der Begegnung ist und nicht nur eine reine Ausleihstelle von Medien.

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Der Austausch und der direkte Kontakt zu den Kunden fehlen uns natürlich auch.

Die Schließzeit über Weihnachten war zweifellos persönlich sehr angenehm. So konnten Resturlaubstage und Überstunden abgefeiert werden.

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Wir nutzen die Zeit jetzt auch, um den Bestand durchzusehen und zum Beispiel die DVDs endlich nach Filmgenres zu ordnen oder veraltete Reiseführer herauszupicken.

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Wie wird der Bestell- und Abholservice angenommen?

Benz: Seit wir ihn anbieten, spüren wir wieder einen Hauch Normalität. Es tut uns gut zu sehen und zu hören, wie freudig das Angebot angenommen wird.

Zur Zeit haben wir rund zehn bis 15 Aufträge pro Ausleihtag (also montags, mittwochs und freitags) – da ist schon noch Luft nach oben, obwohl uns das Heraussuchen der gewünschten Medien fast den ganzen Vormittag beschäftigt.

Wie haben Sie das organisiert?

Benz: Wer gerne etwas entleihen möchte, kann uns entweder anrufen oder eine E-Mail schreiben und uns die gewünschten Titel nennen. Wichtig ist es immer, einen konkreten Abholtermin auszumachen, damit sich keine Staus bilden.

Wir suchen die Medien dann heraus, verbuchen sie, und am Abholtermin werden sie an der Eingangstür übergeben.

Wem es schwerfällt, in unserem Katalog zu recherchieren – man muss ja schon immer wissen, wonach man sucht –, der kann sich auch gerne von uns ein Überraschungspäckchen zusammenstellen lassen, zum Beispiel Lustiges für Vierjährige, historische Krimis oder Ähnliches.

Wie groß ist Ihre Mannschaft momentan?

Benz: Wir sind seit der Stellenreduzierung vor einigen Jahren nach wie vor zu dritt im Team. Nachdem Siggi Goldhahn im Sommer in den Ruhestand ging, haben wir mit Alexander Martin den ersten Mann in Mediotheksdiensten.

Er ist ausgebildeter Fachangestellter für Medien und Information, hat während dieser Ausbildung schon zwei Praktika bei uns gemacht und ergänzt das Team wunderbar.

Wie geht es Ihnen persönlich im Lockdown mit Arbeit und Homeschooling?

Benz: Da fühle ich mich sehr privilegiert: Ich habe noch einen Überstundenpuffer, so dass ich nur montags und freitags arbeite, und da kann mein Mann das Homeschooling übernehmen.

Sowohl die Mediothek als auch seine Buchhandlung liegen nur ein paar Schritte von unserem Zuhause entfernt.

Es fallen also keine langen Arbeitswege an, wir wären im Notfall schnell mal daheim. Ich muss auch nicht ins Homeoffice, was mit Kindern zuhause nicht gerade einfach ist.

Das Lernen mit Eltern hat natürlich seinen ganz besonderen „Charme“ – da rasselt man schon mal aneinander. Nie habe ich mich so auf Wochenenden und Ferien gefreut wie im Homeschooling.

Aber in dieser zweiten Runde Fernunterricht geht es schon um Klassen besser als beim ersten Mal. Man hat ja inzwischen Übung . . .

Welche Bücher sind gerade besonders gefragt?

Benz: Bei den Kindern Serienfutter: „Die Haferhorde“, „Beast Quest“, „Major Tom“. Zur Zeit vergeht kaum ein Tag, an dem nicht jemand „Die schlaue kleine Hexe“ von Lieve Baeten ausleihen möchte. Keine Ahnung, warum.

Das Buch ist schon ewig auf dem Markt und auch wirklich schön, aber warum das gerade jetzt so gefragt ist, stellt uns vor ein Rätsel. Bei den Erwachsenen ist der Trend zu „Musenküssen“ ungebrochen: biografische Romane um Künstlerinnen oder Töchter beziehungsweise Frauen von Künstlern.

Info: Weitere Informationen zur Mediothek sowie zum Bestell- und Abholservice gibt es unter www.tauberbischofsheim.de, in der Suche Mediothek eintragen.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim