Blick in die Nachbarschaft - Bad Mergentheimer Bildungseinrichtung will laut Leiter Strack Zusammenarbeit ausbauen / Derzeitige Struktur „sinnvoll und naheliegend“ „Die ,VHS-Abstinenz’ vieler Kommunen im Main-Tauber-Kreis ist auffällig“

Von 
Klaus T. Mende
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Main-Tauber-Kreis. Die VHS in der Kurstadt wird getragen von den Kommunen Bad Mergentheim, Igersheim, Niederstetten und Weikersheim. Leiter Matthias Strack beschreibt die derzeitige Situation als schwierig, nachdem sie vor Beginn der Pandemie im März 2020 hervorragend da gestanden habe. „Wir erwarten für den Zeitraum März 2020 bis März 2021 einen Rückgang um mehr als die Hälfte unserer sonst üblichen Unterrichtsleistung.“

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Die Situation sei vor allem auch für die freiberuflichen Kursleitungen schwierig. Besonders jene Dozenten, die üblicherweise auf besonders hohe Unterrichtsstundenzahlen kämen, vor allem in den Bereichen der Gesundheits-, Deutsch- und Integrationskurse, hätten große Einnahmeausfälle zu verkraften. Die verschiedenen Hilfen für Solo-Selbstständige hätten da oft wenig genutzt, denn sie seien vor allem auf die Bestreitung von laufenden Betriebsausgaben zugeschnitten gewesen. „Solche Betriebsausgaben haben unsere Kursleitungen nicht. Wir hätten uns eine größere Anerkennung der Politik für die wichtige gesellschaftliche Aufgabe, die diese Kursleitungen wahrnehmen, und eine passgenauere Unterstützung gewünscht“, betont Strack weiter auf FN-Anfrage.

Optimismus überwiegt

„In die Zukunft schauen können wir nicht, wir sind aber optimistisch, dass nach dem Ende der akuten Phase der Pandemie die Menschen wieder einen hohen Bedarf an Weiterbildung haben.“ Jedenfalls lägen die zahlreichen Nachfragen, wann denn die VHS-Kurse wieder starteten, diese Vermutung nahe. Außerdem dürfte nach dem Ende aller Beschränkungen wieder ein erhöhter Bedarf an sozialen Kontakten bestehen. 2020 und 2021 würden deutliche Einbrüche bringen, „aber wir haben keinen Grund daran zu zweifeln, dass wir nach Ende der Pandemie wieder an unsere positive Entwicklung aus der Zeit vor Corona anknüpfen können. Daher schauen wir insgesamt optimistisch in die Zukunft“.

Matthias Strack zeigt sich übrigens offen für eine gute Zusammenarbeit dieser Art von Bildungseinrichtungen im Kreis. Die VHS Mittleres Taubertal und Bad Mergentheim kooperierten bereits eng. „Beide Volkshochschulen, auch die VHS Wertheim, sind Mitglied im Volkshochschulverband Baden-Württemberg, in der Regionalversammlung Franken des Volkshochschulverbandes sowie im Kreiskuratorium Erwachsenenbildung.“ Es finde immer wieder Austausch über Programm und mögliche Kooperationen statt. „Diese Formen guter Zusammenarbeit sollten aus unserer Sicht unbedingt weiter bestehen.“

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„Ich halte die Struktur aus drei Volkshochschulen im flächenmäßig großen Main-Tauber-Kreis für sinnvoll und naheliegend.“ Aus Sicht der VHS Bad Mergentheim entspreche diese Dreiteilung auch den sonstigen Orientierungen und Wegen der Bürger – sei es beim Einkauf, beim Arztbesuch oder bei der Teilnahme an kulturellen oder sportlichen Aktivitäten. „Wir als Volkshochschule Bad Mergentheim streben deshalb aktiv keine Veränderung dieser dezentralen Aufstellung an“, so die Einschätzung von Strack.

Sehr großer Aufwand

Ein organisatorischer Zusammenschluss könnte nur das Ergebnis eines politischen Meinungsbildungsprozesses der verantwortlichen Kommunen sein. „Aus meiner Sicht würde das einen sehr großen Aufwand in der Angleichung von Strukturen und Prozessen sowie immense Kosten verursachen.“ Es sei gut zu überlegen, ob man sich diese Belastungen gerade in der aktuellen Situation wirklich antue. Mit Blick auf die Dringlichkeit von anderen Themen „ist es meiner Meinung nach derzeit auch nicht notwendig, hier eine organisatorische Einheit voranzutreiben, weil das dreigliedrige VHS-Angebot im Kreis regional gewachsen, gut vernetzt und nah an der Bürgerschaft ist“, betont der Mergentheimer VHS-Leiter.

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„Was uns aber Sorge bereitet ist, dass im Main-Tauber-Kreis nach unserem Wissen derzeit sieben von 18 Kommunen überhaupt keine Volkshochschule mittragen.“ Es gebe zwar keine Statistik darüber, aber landesweit dürfte dies ein negativer Spitzenwert sein. Es sei im Land üblich, dass jede Kommune eine Volkshochschule unterhalte, sei es allein oder gemeinsam mit anderen Kommunen. „Die ,VHS-Abstinenz’ vieler Kommunen hier im Main-Tauber-Kreis ist auffällig – und hier ist noch Potenzial vorhanden, um die heimischen Volkshochschulen zu stärken“, lautet das abschließende Statement von Strack.

Redaktion Mitglied der Main-Tauber-Kreis-Redaktion mit Schwerpunkt Igersheim und Assamstadt