Öffentlicher Nahverkehr - Land beteiligt sich mit 1,75 Millionen Euro am Verkehrsprojekt / Durchschnittlich 200 Fahrgäste nutzen täglich den neuen Bus Deutlicher Zugewinn für die Pendler

Von 
Christopher Kitsche
Lesedauer: 
Die offizielle Eröffnungsfahrt der Buslinie 999 zwischen Buchen und Tauberbischofsheim erfolgte unter großer Beteiligung von Vertretern der Kommunalpolitik. © Christopher Kitsche

Eine neue Buslinie verbindet Tauberbischofsheim und Buchen. Die Busse fahren im Stundentakt von 5 bis 23 Uhr. Im Main-Tauber-Kreis ging damit bereits die zweite Regiobus-Linie an den Start.

Fahrzeiten der neuen Linie

Die neue Linie 999 fährt von Montag bis Freitag stündlich von 5.02 Uhr bis 22.02 Uhr ab Buchen Bahnhof.

Samstags fahren die Regiobusse von 6.25 bis 16.25 Uhr jeweils stündlich, ab 16.25 Uhr dann zweistündlich nach Tauberbischofsheim.

An Sonn- und Feiertagen fahren die Regiobusse grundsätzlich im Zwei-Stunden-Takt.

In der Gegenrichtung fährt der Bus werktags ab Tauberbischofsheim von 5.13 bis 22.13 Uhr, samstags von 6.13 bis 17.13 Uhr und bis 21.13 Uhr jeweils im Zwei-Stunden-Takt.

An Sonn- und Feiertagen fahren die Regiobusse in diese Richtung ebenfalls im Zwei-Stundenrhythmus ab 7.13 Uhr bis 21.13 Uhr.

AdUnit urban-intext1

Tauberbischofsheim. Es ist ein deutlicher Zugewinn für viele Pendler in der Region. Die neue Buslinie 999 verbindet die Städte Tauberbischofsheim und Buchen. Seit Jahresbeginn rollt der Verkehr im Stundentakt von 5 bis 23 Uhr auf der neuen Linie. Bisher mussten Fahrgäste, die auf dieser Strecke unterwegs waren, noch in Hardheim umsteigen. Am gestrigen Freitag wurde die Buslinie offiziell eingeweiht.

„Einen großen Fortschritt für die Mobilität zwischen den beiden Kreisen“, nannte Landrat Reinhard Frank das neue Verkehrsangebot. Viele Bürger seien auf einen guten öffentlichen Nahverkehr angewiesen. „Es gibt viele Pendlerbeziehungen zwischen Tauberbischofsheim und Buchen durch Firmen, Behörden und auch Einkaufsmöglichkeiten.“ Frank geht deshalb davon aus, dass viele den neuen Bus als einen „Qualitätssprung“ in ihrem Alltag wahrnehmen. Er hofft, dass viele von „hüben“ und „drüben“ den neuen Bus nutzen.

Zweite Regiobus-Linie im Kreis

Nachdem im Dezember 2016 die neue Regiobus-Linie zwischen Bad Mergentheim und Künzelsau an den Start ging, hat der Main-Tauber-Kreis mit der Linie 999 jetzt ein zweites Angebot dieser Art. Mit dem neuen Verkehrsangebot soll den Fahrgästen auch eine direkte Anschlussmöglichkeit zur Weiterfahrt mit der Bahn geboten werden.

AdUnit urban-intext2

Bisher kann von einer zufriedenstellenden Auslastung gesprochen werden. „Durchschnittlich sind es bisher 200 Fahrgäste pro Tag“, informiert Mario Köhler vom Busverkehr Rhein Neckar (BRN).

Auch Wolfgang Reinhart, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag, sieht die neue Verkehrsmöglichkeit sehr positiv. Er hob hervor, dass es wichtig sei, nicht nur in den Ballungszentren zu investieren. „Die Straßen sind unsere Lebensadern. Eine integrierte Infrastruktur ist für unseren ländlichen Raum von elementarer Wichtigkeit“, sagte Reinhart.

AdUnit urban-intext3

Die Mehrkosten für das zusätzliche Busangebot werden zur Hälfte vom Land aus dem Förderprogramm „Regiobus-Linien“ finanziert. Dietmar Maier von der NVBW (Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg) hält den Ausbau der Regiobus-Linien für ein „wichtiges Signal“. „Das Schienennetz ist zwar historisch gewachsen, aber genauso auch wieder geschrumpft. Viele Mittel- und Unterzentren sind nicht an den Schienenverkehr angebunden. Ziel ist es, mit den neuen Bussen überall den flächendeckenden Stundentakt zu erfüllen.“

AdUnit urban-intext4

Insgesamt beteiligt sich das Land mit 1,75 Millionen Euro an den Kosten für das Verkehrsprojekt. Die Förderzeit für die neue Buslinie läuft fünf Jahre – bis 2021.

Die restlichen Kosten entfallen zu 66 Prozent auf den Neckar-Odenwald-Kreis (rund 246 500 Euro pro Jahr) und 34 Prozent auf den Main-Tauber-Kreis (rund 127 000 Euro pro Jahr).

Vorgänger Rhein-Main-Bus

Der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, Dr. Achim Brötel, sprach von einem „tollen Angebot“ für die beiden Kreise und erinnerte sich an den „Vorgänger“ des „999er“, dem für Brötel „legendären“ Rhein-Main-Bus. „Das war allerdings schon im letzten Jahrtausend. Die Älteren unter uns werden sich möglicherweise noch daran erinnern.“

Auch mit Blick auf den Umweltschutz sei das Projekt nur zu begrüßen: „Der Bus kann zum Vorbild für andere Verkehrsleistungen des BRN werden“, meinte Brötel. Der Landrat blickte auch auf den Planungsprozess zurück. Von der ersten Idee bis zur Realisierung habe das Projekt fast vier Jahre gedauert. Ganz am Anfang habe ein Antrag der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen im März 2015 gestanden. Damals sei es allerdings nur um eine schlussendlich nicht förderfähige Linie von Walldürn nach Tauberbischofsheim gegangen.

Umstieg auf den Bus

„Wer in der Zukunft ankommen will, muss mobil sein. Ich glaube, wir alle haben heute eindrucksvoll erlebt, wie so etwas ganz konkret aussehen kann“, sagte der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises. „Ich habe schon gehört, dass eingefleischte Pkw-Nutzer auf den Bus umgestiegen sind.“ Jetzt müsse man genug Werbung machen, damit das Angebot auch in der Öffentlichkeit bekannt wird.

„Glückliche Kleinstädte macht man auch an der Infrastruktur fest“, betonte Buchens Bürgermeister Roland Burger. „Die neue Regiobus-Linie leistet einen wichtigen Beitrag dazu.“ Das Auto werde bleiben. „Es ist aber wichtig, über neue Mobilitätskonzepte nachzudenken“, so Burger. Auch dazu leiste die neue Buslinie einen wichtigen Beitrag.