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Schutzgemeinschaft Deutscher Wald - Arboretum unterhalb der Stammberghütte wurde am Samstag in Tauberbischofsheim offiziell eröffnet

Den Zauber der Bäume entdecken

Von 
Heike von Brandenstein
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Beim Pflanzen der Nordmanntanne griffen (von links) Hermann Eberhardt, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft deutscher Wald Baden-Württemberg, Kreisvorsitzender Tobias Hornung und Bürgermeisterin Anette Schmidt zu Schaufel und Spaten. Musikalisch begleitet wurde die Eröffnung von den Jagdhornbläsern Tauberbischofsheim. © Heike von Brandenstein

Der selten gewordene Kuckuck ruft aus der Ferne, Maiglöckchen verströmen ihren betörenden Duft. Eine wahre Idylle tut sich rund um die Stammberghütte auf, an der die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald jetzt ihr Arboretum eröffnete.

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Tauberbischofsheim. Wie eine Linde aussieht und blüht, welche Struktur ein Buchenstamm aufweist und an welchem Charakteristika ein Eichenblatt zu erkennen ist, wusste früher nahezu jedes Kind. Der Kreisverband Main-Tauber der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald will dieses Wissen wieder aufblühen lassen. Mit seinem 3000 Quadratmeter großen Arboretum unterhalb der Stammberghütte hat er ein Areal geschaffen, auf dem sich Interessierte anhand von erklärenden Tafeln ein Bild von der Vielfalt der Bäume und ihren Eigenschaften machen können. Am Samstag wurde dieser frei zugängliche neue Schau- und Erlebnisgarten eröffnet.

Das erste Arboretum wurde bereits 1985 auf einem Streifen rechts hinter und unterhalb der Stammberghütte gepflanzt, informierte Tobias Hornung, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Main-Tauber. Bürgermeisterin Anette Schmidt erinnert sich noch gut daran.

Damals habe es noch einen Jägerzaun rund um das Gelände gegeben, sagte sie in ihrem Grußwort. Als Kind sei sie dort häufig mit ihren Eltern spazieren gegangen, habe interessiert die erklärenden Schilder gelesen und so ihr Wissen über die Baumvielfalt erlangt. „Das ist ein tolles und wertvolles Projekt für die Stadt und für die Kinder, denn sie werden für die Natur aber auch für den Klimawandel sensibilisiert“, meinte sie. Deshalb sei es ihr eine Freude, die von Herzen komme, dass dieses Projekt auf die Beine gestellt wurde.

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Aufgrund des Erlentriebsterbens sei das Gebiet unterhalb der Stammberghütte 2018 und 2019 gerodet worden, erläuterte Tobias Hornung. Daraufhin sei die Idee zu einem neuen Arboretum entstanden. Die Stadt habe letztlich 3000 Quadratmeter Fläche aus ihrem Wirtschaftswald herausgenommen, um der Idee Flügel zu verleihen. Nach erheblichen Vorbereitungsarbeiten und Planungen wurden 30 Großbäume in Löcher von einem Quadratmeter gepflanzt. „30 Kubikmeter Erde wurden mit der Hand zugeschaufelt“, beschreibt Hornung die ehrenamtlich geleistete Knochenarbeit. Auch die Kinder des Waldkindergartens hätten mit Hand angelegt. „Wir hatten Helfer von 3- bis 80-Jährigen“, so der Kreisvorsitzende.

Da der Straßenverkehr von der L 504 bergseits die Idylle störte, realisierten Tobias Hornung und Forstrevierleiter Jochen Hellmuth eine gemeinsam entwickelte Schallschutzidee. Sie pflanzten 250 Atlaszedern, die der Trockenheit recht gut trotzen und als Randsaum zur Straße 200 Heckenpflanzen, die Vögeln das Brüten ermöglichen.

Das eigentliche Arboretum, das von der natürlichen Lärmbarriere mit einem Zaun getrennt ist, weist unterschiedliche Zonen auf: Trockenwald- und Schluchtwaldgehölze, Obstgehölze, gebietsfremde Arten wie die amerikanische Roteiche oder die Robinie sowie Nadelbaum-arten. Genaueres über die einzelnen Bäume ist auf den erläuternden Schildern zu erfahren, die Blätter, Blüten, Früchte und den wirtschaftliche Nutzen erläutern.

Weil ein Arboretum nicht jeden Tag eröffnet wird, ließ es sich Hermann Eberhardt vom baden-württembergischen Vorstand der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald nicht nehmen, persönlich dabei zu sein. Dafür hatte er gern den dreistündigen Weg von der Schwäbischen Alb in den hohen Norden des Landes auf sich genommen, wie er sagte. „Die Arbeit vor Ort kann nicht hoch genug geschätzt werden“, lobte er das Engagement im Main-Tauber-Kreis.

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Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald habe sich vor 75 Jahren gegründet und die Aufforstung nach dem Zweiten Weltkrieg in die Hand genommen, erläuterte er das ursprüngliche Ansinnen des Vereins. „Die Gesellschaft hat sich immer weiter vom Wald und von der Natur entfremdet“, so Eberhardt. Deshalb fördere und initiiere die Schutzgemeinschaft seit Jahren waldpädagogische Projekte. „Wir erreichen jährlich 500 bis 800 Kinder mit unseren Waldmobilen“, so Eberhardt.

Im Rahmen der Eröffnung des Arboretums wurden auch Gründungsmitglieder des Kreisverbands Main-Tauber der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald geehrt, der 1984 ins Leben gerufen wurde. Bernhard Väth, einziger Nicht-Jäger unter den Geehrten, setzt sich für Schulprojekte ein, hat die Waldjugendspiele entwickelt und trägt zum Schutz der Küchenschellen in Hochhausen bei. Wolfgang Freund hat einen Waldlehrpfad mit Schülern initiiert und verfügt als Jäger und Kreisjagdehrenmeister über großes Fachwissen.

Markus Gurrath weist ein hohes Wissen rund um den Naturschutz auf. Sein Spezialgebiet ist die Ornithologie. Als Vorstandsmitglied der ersten Stunde sei er immer zur Stelle. Wolfgang Bau unterstütze den Verein durch sein juristisches Fachwissen, so Eberhardt. Auch in praktischen Dingen sei er ein Mann der Tat. Er engagiere sich seit Gründung des Kreisverbands im Beirat und fördere den Verein nach Kräften. Sie alle erhielten die Silberne Ehrennadel.

Die höchste Auszeichnung bekam Dr. Gerhild Bau. Seit Gründung ist sie stellvertretende Vorsitzende und hat den Kreisverband in Interimszeiten sicher geführt. In dieser Rolle hat sie sich gegen den Ausbau von Windenergieanlagen in den Wäldern des Main-Tauber-Kreises stark gemacht. Dieser Einsatz sei auch in Stuttgart wahrgenommen worden, so Eberhardt. Der Eröffnung des Arboretums wird am Mittwoch, 27. Juli, die Einweihung des Biodiversitätslehrpfads an der Stammberghütte, der auch durch das Aboretum führen wird, folgen.

Info: Ein Video zum Thema finden Sie unter www.fnweb.de sowie auf dem youtube-Kanal der FN.

Redaktion Zuständig für die Kreisberichterstattung Main-Tauber

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