Corona-Kolumne: „Ich fermisse dich“

Fabian Greulich zum Familienleben während der Corona-Krise

Von 
Fabian Greulich
Lesedauer: 

Papa, wann ist Corona endlich vorbei?“ Diese Frage stellen mir die Kinder in den letzten Tagen in einer ähnlichen Frequenz, wie die berühmte Frage auf der Fahrt in den Urlaub: „Papa, wie lang noch?“ Sie kennen das.

AdUnit urban-intext1

Das Problem: Auf der Fahrt sage ich immer wieder „nicht mehr lange“ – bis das Ziel erreicht ist. Doch jetzt? Nützt vertrösten nichts. „Das dauert noch. Vielleicht nochmal so lange, wie wir jetzt schon zuhause sind. Vielleicht noch länger. Keiner weiß es“, bin ich ehrlich. „Und wann kann ich wieder zu meinem Kumpel“, ignoriert mein Sohn die Antwort. „Und wann kann ich wieder mit meiner Freundin spielen“, tut es seine Schwester ihm – wie so oft – gleich.

„Wir wissen es nicht, aber lasst uns doch Euren Freunden einen Brief schreiben“, hat meine Frau nach dem xten Frage-Antwort-Spiel eine zündende Idee. Die Kinder sind sofort Feuer und Flamme.

Unser Sohn macht sich umgehend daran, einen Entwurf zu schreiben. Mit folgendem Wortlaut: „Liber N. Ich fermisse dich. Ich hofe es geht dir gut. Nach Korona möchte ich unbediengt wieder mit dir spielen. Liebe grüße dein J.“

AdUnit urban-intext2

Zum Heulen schön. Der erste eigene Brief unseres Erstklässlers. Gemeinsam gehen wir ihn durch und beseitigen die paar Fehlerchen (wieder eine Lerneinheit), ehe er das fertige Werk feinsäuberlich und hoch konzentriert zu Papier bringt. Obligatorisch wird das Ganze noch durch ein paar Ritter samt Burg verziert. In den Umschlag müssen außerdem noch ein paar Piraten-Tattoos mit rein. Der Verfasser ist mit sich und dem Ergebnis seiner Arbeit zufrieden und muss nun erstmal im Garten entspannen.

Unterdessen hat seine Schwester für ihre beste Freundin aus dem Kindergarten ein Bild gemalt – Meerjungfrauen, ihr aktuelles Lieblingsmotiv. Als sie damit fertig ist, diktiert sie mir einen entsprechenden Begleittext und signiert das Ergebnis mit ihrer Unterschrift. Prinzessinnen- und Pferde-Tattoos als kleine Zugaben wandern auch hier mit in den Umschlag, ehe sie ihrem Bruder in den Garten folgt.

AdUnit urban-intext3

Meine Frau und ich freuen uns über die gelungene Aktion und darüber, mit wie viel Herzblut die Kinder bei der Sache waren.

AdUnit urban-intext4

Keine halbe Stunde später kommen die beiden „Schriftsteller“ wieder ins Haus. Und mein Sohn fragt prompt: „Papa, wann ist Corona endlich vorbei? Und wann kann ich wieder mit meinen Freunden spielen?“

Liebe Eltern, liebe Kinder, bleibt gesund und fröhlich.

Glück auf!

Alle bisherigen Beiträge der Corona-Kolumne finden Sie unter www.fnweb.de/corona-kolumne im Internet.

Redaktion Leiter der Redaktionen Tauberbischofsheim, Wertheim und Regionales