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Technischer Ausschuss - Diskussion um einen Neubau einer Wohnanlage mit fünf Wohneinheiten in der Ringstraße, Ecke Blumenstraße gegenüber der Volksbank

Charakter der Stadt mit einem quadratischen Klotz wahren?

Von 
Heike von Brandenstein
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Tauberbischofsheim. Keine Frage, Wohnraum fehlt allenthalben und auch in der Kreisstadt. Wer ihn schafft, bekommt von politisch Verantwortlichen fast schon den roten Teppich ausgerollt, könnte man meinen. In Großstädten wie Berlin, Frankfurt oder Hamburg formiert sich allerdings gegen jene, die lediglich teuren Wohnraum erstellen oder Luxussanieren, Widerstand.

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Und jetzt auch in Tauberbischofsheim – nur unter anderen Vorzeichen. Es geht nämlich nicht um eine Luxussanierung, sondern um einen Neubau an markanter Stelle: Ringstraße, Ecke Blumenstraße – gegenüber der Volksbank. Dort soll ein kompaktes Gebäude mit fünf Wohneinheiten mit Flachdach und zweiseitig eingerücktem Staffelgeschoss entstehen. Der Technische Ausschuss sollte die Planung zur Kenntnis nehmen. Letztlich befasste er sich mit sich selbst.

Des Pudels Kern sind nämlich die Abweichungen: bei der Dachform, bei der Ausführung von Loggien, bei den Fensterformaten, bei den Garagentoren und bei der Sockelausführung. „Das Vorhaben weicht in fast allen Punkten von der Altstadtsatzung ab“, so Johannes Benz (Bündnis90/Die Grünen). Wenn so mit einem Regelwerk umgegangen werde, könne man es gleich „in den Mülleimer werfen“. Das sei extrem schade, meinte Benz und fügte an: „Wir folgen einer Investorenarchitektur, der es nur um die Kubikmeter umbauten Raums geht.“

Er könne bei einem solchen „Klotz“ nicht vertreten, dass er sich in die Umgebungsbebauung einfüge. Bernd Mayer (Bürgerliste) stimmte Benz insoweit zu als er meinte, dass die Altstadtsatzung in der Ringstraße „mit Füßen getreten“ worden sei. „Von der Volksbank bis zum Tauberzentrum gebe es ein „Sammelsurium“. Einziger Schluss sei, die Altstadtsatzung zu überarbeiten. Er halte es jedoch für unverhältnismäßig, ausgerechnet dieses Gebäude nicht zu genehmigen.

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Während Gerhard Baumann (CDU) statt eines zweiseitigen Rückbaus im Dachgeschoss für einen dreiseitigen plädierte und Benz’ Argumentation in Sachen Gestaltungssatzung durchaus zustimmte, sprach Sascha Diemer von einer Schlucht, die durch den Neubau des „viereckigen Kastens“ entstehe. Bürgermeisterin Anette Schmidt merkte an, dass es rechtlich problematisch sei, jetzt bei einem Gebäude ein Exempel zu statuieren. Man werde die Anmerkungen der Ausschussmitglieder aber mit dem Bauherren besprechen.

Johannes Benz wiederholte, dass es ihm prinzipiell um die Frage gehe, was den eigentlichen Charakter der Stadt ausmache.

Hintergrund: Die Gestaltungssatzung für den Stadtkern stammt von 2003. Dort heißt es: „Die Erhaltung des überlieferten Stadtbilds ist eine Aufgabe von städtebaulicher Bedeutung und verlangt bei allen baulichen Maßnahmen unabhängig von den Bestimmungen des Denkmalschutzgesetzes Rücksicht auf den überkommenden Baubestand und auf Gestaltungsmerkmale und Maßstabsregeln, die die Eigenart der Stadt geprägt haben.“ hvb

Redaktion Zuständig für die Kreisberichterstattung Main-Tauber

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