Lions Club Tauberbischofsheim - Erstmals ein eigenständiges internationales Projekt in einem Entwicklungsland umgesetzt Brunnen sorgt nun für sauberes Wasser im Dorf

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Der Brunnen in Ilico ist fertig. Die Bevölkerung nutzt ihn schon ausgiebig. © Aimes Afrique/PIT Togohilfe

Der Lions Club Tauberbischofsheim hat den Bau eines Brunnens im Dorf Illico im westafrikanischen Land Togo organisiert und größtenteils finanziert.

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Tauberbischofsheim. Der Lions Club Tauberbischofsheim hatte sich schon vor längerer Zeit darüber Gedanken gemacht, wie neben den vielen regionalen Projekten auch einmal ein eigenständiges internationales Projekt in einem Entwicklungsland durchgeführt werden kann: dort wo direkte Hilfe dringend benötigt wird, es lebensnotwendig und sinnvoll ist. Das Projekt sollte etwas Besonderes sein. Über die Verbindung eines Lions-Mitglieds zu dem Verein „Aktion PIT Togohilfe“ in Fürstenfeldbruck konnte ein geeignetes Projekt gefunden werden. Dieser Verein arbeitet mit dem Verein „Aimes Afrique“ in Togo zusammen und sorgt somit für die Umsetzung des Projektes und für die Nachhaltigkeit direkt vor Ort.

Kaum Trinkwasser vorhanden

Togo gehört zu jenen Ländern, in denen die Wasserversorgung für viele Menschen oft mangelhaft ist. Nur 45 Prozent der ländlichen Bevölkerung haben Zugang zu Trinkwasser. Das Dorf Illico mit rund 700 Einwohnern liegt in einer schwer zugänglichen Gebirgsregion oberhalb von Atakpamè und ist nur außerhalb der Regenzeit zu erreichen. Es ist daher dringend notwendig, der Bevölkerung Zugang zu Wasser vor Ort zu ermöglichen. Der Staat, dessen Aufgabe eigentlich die Schaffung von Infrastruktur ist, kann den Aufbau einer umfassenden Versorgung im Land allein nicht leisten. Im Ort selbst gibt es keine Wasserquelle. Wasser in Flaschen ist für die Bewohner von Illico nicht finanzierbar. Die nächste Wasserversorgung liegt in rund 27 Kilometer Entfernung.

Durch den langen Fußmarsch über sandige Pisten ist das Wasser bei Ankunft im Dorf oft schon wieder verschmutzt und sollte als Trinkwasser oder zur Nahrungszubereitung nicht mehr verwendet werden. Oft wird das Wasser jedoch auch nur aus verdreckten und verkeimten Wassergräben genommen. Deshalb sind schlimme Durchfallerkrankungen Alltag.

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Vor allem für Babys und Kleinkinder sowie kranke und alte Menschen ist diese Situation, gekoppelt mit einem unzureichenden Gesundheitswesen in dieser Region, verhängnisvoll.

In Illico gibt es keine Gesundheitsstation. Kranke Personen müssen erst ins Tal gebracht werden, um medizinisch versorgt zu werden. Da viele Erkrankungen vor allem auf das verunreinigte Trinkwasser zurückzuführen ist, würde hier ein großer Fortschritt erzielt werden.

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Sehr schnell waren sich die Mitglieder des Lions Clubs einig, dass es ein Wasser-Projekt sein soll . Aus diesem Grund hat sich der Club für das Brunnenprojekt in Illico (Togo) entschieden.

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Um an Trinkwasser zu kommen musste ein Tiefbohrbrunnen in rund 70 Meter Tiefe gebohrt werden. Der Brunnen wurde von einer professionellen Brunnenbaufirma gebaut. Die Menschen vor Ort leisteten jedoch kostenlos alle Handlangerdienste, die ungelernte Arbeiter leisten können. Durch ein neu gegründetes und geschultes Wasserkomitee werden die Dorfbewohner befähigt, den Brunnen eigenständig instandzuhalten. Den Einwohnern von Illico wurden die Hilfsmaterialien zur Verfügung gestellt. Unter Anleitung und Überwachung der technischen Qualität haben sie in Eigenverantwortung das Projekt direkt mit umgesetzt.

Solaranlage für Pumpen

Die Pumpe des Brunnens wird mit Solarenergie betrieben, um keine dauerhaften Betriebskosten zu verursachen. Er wird an die Dorfgemeinschaft von Illico übergeben. Das Dorfentwicklungskomitee, das in Illico existiert, wird eigens von dem Partnerverein Aimes-Afrique geschult, um Wartung und Unterhalt des Brunnens zu übernehmen. Da Illico zu den Modelldörfern der Togohilfe zählt, wird es in Zusammenarbeit mit der lokalen NGO Aimes-Afrique noch mindestens die nächsten zehn Jahre weiter begleitet werden. Dazu zählt auch, den Betrieb des Brunnens immer wieder zu kontrollieren und gegebenenfalls helfend und anleitend einzugreifen. Aimes-Afrique wird außerdem die Bevölkerung von Illico zum vernünftigen und sinnvollen Gebrauch des Trinkwassers und des Brunnens sensibilisieren.

Hygiene und Prävention in Zusammenhang mit Trinkwasser ist eines der Themen über die Aimes-Afrique aufklärt. Auch die Lehrer an der Schule werden einbezogen, um in den Klassen über Hygiene und die Bedeutung von sauberem Trinkwasser aufzuklären.

Die Gesamtkosten des Projekts Diese belaufen sich auf rund 35 000 Euro. Für eine Projekt-Beteiligung der Lions Club International Foundation (LCIF) in Oak Brooks (USA) war es erforderlich einen örtlichen Lions-Club für dieses Projekt zu gewinnen.

Dies ist nach intensiven Bemühungen mit dem LC Lomè Colombe gelungen. Dieser Club hat sich ebenfalls finanziell an dem Projekt beteiligt. Vom LC Tauberbischofsheim wurden insgesamt rund 18 000 Euro (inclusive. Abwicklungskosten) aufgebracht, der LC Lomè hat sich mit weiteren 2500 Euro beteiligt und von LCIF wurde das Projekt mit etwa 17 500 Euro unterstützt. Das Projekt wurde zudem vom Distrikt als Leuchtturmprojekt befürwortet.

Der Brunnen ist mittlerweile fertiggestellt, die Solaranlage installiert. Als Zusatzleistung wurde eine Wasserleitung vom Tiefbohrbrunnen ins Dorf und sogar bis zur Schule gebaut.

Damit wurde der Zugang zu sauberem Wasser für die Menschen noch mehr erleichtert.

Eine offizielle Inbetriebnahme unter Teilnahme des LC Tauberbischofsheim ist derzeit wegen der Pandemie nicht möglich. Dies soll nachgeholt werden, sobald die Pandemie auch in Togo beherrscht wird und eine gefahrlose Reise möglich ist.

Aber die Bevölkerung erfreut sich trotzdem schon an dem frischen und sauberen Wasser. Der LC Tauberbischofsheim war über den Fortgang des Projektes laufend unterrichtet.

Besondere Aktion

Für den Lions Club Tauberbischofsheim ist es ein besonderes Projekt, weil es aus dem üblichen Rahmen ihrer Aktivitäten, die eher regional angesiedelt sind, herausfällt. Die Mitglieder sind stolz darauf, es umgesetzt und aus eigener Initiative die Finanzierung gesichert zu haben. Zu sehen, dass Menschen in einem Entwicklungsland, in einem abgelegenen Bergdorf ohne Infrastruktur und medizinische Versorgung, ohne sauberes Wasser geholfen werden konnte und diese dadurch eine Zukunfts- und Entwicklungschance erhalten haben, mache die Clubmitglieder sehr zufrieden, so ein Sprecher des Lions Clubs. Auch dass alle Mitglieder mit ihren Familien durch ihr persönliches Engagement bei den verschiedenen Aktivitätendie Grundlage für die Finanzierung geschaffen haben, sei eine tolle Erfahrung gewesen.