Hochwasserschutz Tauberbischofsheim - Größte Maßnahme dieser Art im Bereich des Regierungspräsidiums / Dimension und Kosten auf Rekordniveau Bauabschnitt I liegt noch im Zeitplan

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Fabian Greulich
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Entlang der Bundesstraße 27 wird im Bereich des Parkplatzes unterhalb des Laurentiusbergs eine Blocksatzwand errichtet. © Fabian Greulich

Was Dimension und Kosten angeht, ist die aktuell in Tauberbischofsheim laufende Hochwasserschutzmaßnahme die größte, die es im Bereich des Regierungspräsidiums Stuttgart jemals gab.

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Tauberbischofsheim. Schweres Gerät ist im Einsatz. Riesige Mengen Erdreich und tonnenweise Gestein werden bewegt, um Wälle aufzuschütten und Mauern zu errichten. All das, um Tauberbischofsheim vor zukünftigen Hochwasser-Ereignissen größeren Ausmaßes zu schützen. Innerhalb der nächsten Jahre sollen im großen Stil Vorkehrungen getroffen werden, die die Kreisstadt vom Status eines Überschwemmungsgebiets endgültig befreien.

Laut Regierungspräsidium entstehen dabei Gesamtkosten von zehn bis zwölf Millionen Euro. 70 Prozent davon trägt das Land Baden-Württemberg, 30 Prozent die Kommune selbst.

„Teile der Stadt befinden sich laut offiziellen Gefahrenkarten in einem akuten Überschwemmungsgebiet. Damit sind der Stadt und ihren Einwohnern bauliche Aktivitäten erschwert und die Versicherungskosten immens“, heißt es in einer Stellungnahme des Regierungspräsidiums Stuttgart (Außenstelle Heilbronn), das für die Umsetzung der gesamten Maßnahme verantwortlich ist. Bereits 2001 wurde mit den Planungen begonnen (die FN berichteten). Der aktuell gültige Verlauf der im Bau befindlichen Schutzlinie wurde 2008 festgelegt. Danach erfolgten vorgezogene Maßnahmen am Wörtplatz (Schutzmauer), an der Rollenmühle sowie rechts der Tauber im Bereich DRK.

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Die Abnahme dieser Arbeiten, die etwa ein Fünftel des ersten von insgesamt vier vorgesehenen Bauabschnitten abdeckten, erfolgte bereits 2016.

Ziemlich genau vor einem Jahr wurde schließlich der Auftrag für die übrigen rund 80 Prozent der Arbeiten im ersten Abschnitt an die Firma Leonhard Weiss vergeben.

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Unter dem Titel „B 27 bis Mergentheimer Straße Süd“ liegen die Arbeiten im drei bis vier Millionen Euro teuren und rund 1,2 Kilometer langen ersten Abschnitt „bislang noch im Zeitplan“, sagt Aida Köhler von der Bauleitung des Regierungspräsidiums. Zwar habe es zwischendurch wegen Personalmangels bei der Baufirma einen vorübergehenden Baustopp gegeben – aktuell gehe man aber davon aus, dass man wie vorgesehen im Mai fertig werde.

„Schlankes Element“

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In Abschnitt I wird die vorhandene Randbegrenzung entlang der Bundesstraße mit Hochbordsteinen um rund 100 Meter in Richtung Dittigheim verlängert und mit Deichbaumaterial hinterfüllt. Im Bereich des Parkplatzes an der B 27 entsteht ein „schlankes Hochwasserschutzelement“ als Blocksatzwand aus ortstypischem Gestein. Das „Schutzziel“ liegt dabei bis zu 105 Zentimeter über dem Parkplatzniveau. Bis zur bereits bestehenden Blocksatzwand im Gewerbegebiet Süd wird zeitgleich ein Schutzdeich gebaut, der bis zu 1,5 Meter über dem Straßenrand liegt und im Bereich „Kasernenkreuzung“ eine sechs Meter breite Durchfahrtsmöglichkeit erhält. Diese wird bei Bedarf durch ein mobiles System gesichert.

Ab der Kreuzung unterhalb des Laurentiusbergs verläuft die Deichtrasse über landwirtschaftliche Nutzflächen weg von der Bundesstraße.

Die Entwässerung von B 27, L 506 und der südlichen Mergentheimer Straße verändert sich im Zuge der Arbeiten ebenfalls. Zudem wird eine Querung der Hochwasserschutzlinie im Bereich der Brücke über die Bundesstraße mit Regenrückhalteraum (in Form einer dreiecksförmigen Wanne), Sicherungseinrichtungen und mobilen Pumpen für den Hochwasserfall gebaut.

„In den kommenden Jahren folgen dann die drei weiteren Bauabschnitte. Da diese dann verstärkt im bebauten Bereich liegen, werden die Arbeiten wesentlich komplizierter“, erklärt Projektleiter Heiko Lehmann im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten.

In der Summe handele es sich bei der gesamten Hochwasserschutzmaßnahme in Tauberbischofsheim um ein sehr aufwendiges und komplexes Projekt. „Tatsächlich ist es mit Blick auf Dimension und Kosten die größte Baumaßnahme dieser Art, die das Regierungspräsidium Stuttgart jemals durchgeführt hat“, so Lehmann.

Wichtiger Schutz

Im zweiten Abschnitt werden sich die Arbeiten auf den Bereich „Gewerbegebiet Süd, DRK-Gelände und Lidl“ konzentrieren. In Teilbereich III liegt der Fokus dann auf dem Abschnitt „Mc Donald’s und Mergentheimer Straße Nord“.

Der vierte und letzte Abschnitt trägt den Arbeitstitel „Regenüberlaufbecken IV und Verdolung Edelberghohle“.

Hochwasserereignisse bringen oft große Gefahren für Mensch und Tier und verursachen Schäden an Hab und Gut. „Um dies zu verhindern und höchstmöglichen Schutz zu bieten, werden Maßnahmen wie die in Tauberbischofsheim ergriffen. Ziel der Umweltpolitik des Landes Baden-Württemberg ist es, hier eng mit den Kommunen zusammenzuarbeiten“, stellen die Experten klar.

„Die Kernstadt von Tauberbischofsheim ist schon bei einem mittleren Hochwasser gefährdet. Das heißt, das Wasser liefe in die Innenstadt. Bei einem extremen Hochwasser könnten wir auf dem Marktplatz mit Booten fahren“, sagt Bürgermeister Wolfgang Vockel auf Nachfrage der Fränkischen Nachrichten.

„Wirksamer, aber teurer Weg“

Für den Schutz vor Tauber- und Brehmbachhochwasser gebe es zwei Alternativen. Nämlich entweder der Tauber entlang Schutzlinien aufzubauen, oder jedes einzelne Gebäude im Überflutungsbereich zu schützen. „Wir haben uns mit dem Land für die erste Alternative entschieden. Dies ist ein wirksamer, aber zugleich ein teurer Weg. Das Projekt wird über Jahre abschnittweise umgesetzt“, so Vockel.

Und weiter: „Der andere Weg hätte für die Entwicklung der Innenstadt sehr nachteilige Folgen mit großen Risiken. Wichtig ist, dass die Schutzeinrichtungen zur Landschaft und zur Freiraumgestaltung passen. Dass dies städtebaulich gut gelingen kann, zeigt der Wörtplatz, den wir gestaltet haben.“

Es gebe zu diesem Thema ein sehr schönes Zitat des Dichters Hans Kaspar: „Es ist besser Deiche zu bauen, als darauf zu hoffen, dass die Flut allmählich Vernunft annimmt.“ Vockel: „Das gilt ebenso in hochwassergefährdeten Bereichen von Flüssen.“

Redaktion Leiter der Redaktionen Tauberbischofsheim, Wertheim und Regionales