Corona-Krise - MdL Wolfgang Reinhart informierte sich bei Agentur-Chefin Karin Käppel über die Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt in der Region Arbeitsagentur ist verhalten optimistisch

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Matthias Ernst
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Informationsaustausch im Zeichen der Agentur für Arbeit: Agenturchefin Karin Käppel und Landtagsabgeordneter Wolfgang Reinhart. © Matthias Ernst

Die Corona-Krise hat massive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt – auch in der Region Odenwald-Tauber. Arbeitsagenturchefin Käppel und Wolfgang Reinhart sehen aber auch positive Signale.

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Tauberbischofsheim. „Ganz so schlimm, wie in der Finanzkrise 2008/2009 wird es dieses Mal nicht kommen“, sind sich Karin Käppel, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim, und Professor Wolfgang Reinhart sicher. Die Agenturchefin und der Fraktionschef der CDU im Landtag von Baden-Württemberg hatten sich zu einem Treffen angesichts der aktuellen Herausforderungen am Arbeitsmarkt verabredet.

Die neuesten Zahlen der Arbeitsagentur für den Monat Mai werden zwar erst im Lauf dieser Woche veröffentlicht, aber Käppel konnte schon mal soviel verraten, dass die Arbeitslosenzahlen nicht in dem Maße gestiegen sind, wie vor zwölf Jahren, in der letzten Krise. Sicher sei die Talsohle noch nicht erreicht, aber die vielen Maßnahmen von Bund und Ländern würden vieles abfedern.

Käppel geht von einer etwas höheren Arbeitslosenquote als von den 3,4 Prozent im April aus für ihren Bereich.

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Das sei angesichts der vielen geschlossenen Betriebe ein sehr guter Wert, pflichtete ihr Reinhart bei.

Vor allem das Kurzarbeitergeld habe einiges aufgefangen. Trotzdem sieht Käppel auch einige Traditionsunternehmen in der Region auf wackeligen Füßen: „Wir können keine Vollkasko-Mentalität aufkommen lassen, aber weitestgehende Hilfen anbieten“, so Wolfgang Reinhart.

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Fest steht für ihn, dass „wir nicht mehr zurück zum Ausgang können, aber wir können die Zukunft sichern“. Er lobte die gute Arbeit der Agentur für Arbeit, die vor allem bei der Auszahlung des Kurzarbeitergelds sehr schnell reagiere.

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Käppel berichtete, dass im operativen Bereich der vier Bezirke normalerweise 24 Mitarbeiter beschäftigt seien. Aktuell werden diese jedoch von Kundenberatern unterstützt, die im Moment nicht so stark nachgefragt sind. Mit einer Bearbeitungsdauer von durchschnittlich 3,2 Tagen sei man Spitze in Baden-Württemberg.

Vor allem der Maschinenbau sei hart von der Krise betroffen, erläuterte die Agenturchefin, dann folgten Handel und Gastgewerbe. Allein bei letzterem seien 136 Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen.

Aber: „Es ist noch Bewegung im Arbeitsmarkt“, so Käppel. In einigen Branchen gebe es nach wie vor unbesetzte Stellen, wie in der Pflege oder in der Baubranche.

Durch die Corona-Krise habe die Digitalisierung einen gewaltigen Schub bekommen, viele Betriebe hätten sich umgestellt und würden, soweit möglich, Heimarbeit anbieten, aber auch die Beratungen in der Agentur für Arbeit seien nun viel häufiger am Telefon oder per E-Mail möglich.

Professor Reinhart stellte in Aussicht, dass die Digitalisierungsprämie gewaltig erhöht wird, um den Ausbau von digitalen Arbeitsplätzen voranzubringen.

Dies werde im Rahmen anstehender weiterer Konjunkturpakete als wichtiger Zukunftsbereich gefördert werden, meinte der ehemalige Bundesratsminister und jetzige Fraktionsvorsitzende in Stuttgart.

Positiv stimmt Käppel, dass viele Betriebe an ihren Auszubildenden festhalten und teilweise sogar weitere Plätze für das kommende Ausbildungsjahr anbieten wollen

. Das Problem sei derzeit nur, die Betriebe und die potenziellen Auszubildenden zusammen zu bringen. „Hier wird hoffentlich nach den Pfingstferien Besserung eintreten, wenn die Berufsberater wieder in die Schulen dürfen.“ Anders als IHK oder Handwerkskammer ist sich Käppel sicher, dass fast alle Ausbildungsplätze belegt werden können.

Sie wies außerdem darauf hin, dass Qualifizierungsmaßnahmen für den Arbeitsmarkt weiter laufen, natürlich mit allen notwendigen Hygienemaßnahmen. In Kürze werde auch das Gebäude in der Pestalozziallee wieder für den Publikumsverkehr öffnen.

MdL Professor Dr. Wolfgang Reinhart dankte Käppel für die konstruktiven Gespräche und plädierte dafür, dass alle einschränkenden Maßnahmen in der Krise „immer neu im Lichte der Verhältnismäßigkeit der Lage beurteilt werden müssen“.