Amtsgericht - 28-Jährigem wird besonders schwerer Betrug beim Vertrieb von „Sexpuppen“ vorgeworfen / Vergleich erzielt – 2000 Euro Geldbuße Angeklagter kommt mit blauem Auge davon

Von 
Klaus T. Mende
Lesedauer: 

Tauberbischofsheim. Mit einem blauen Auge davongekommen ist ein 28 Jahre alter Geschäftsmann aus einer Gemeinde im mittleren Main-Tauber-Kreis, der unter anderem über das Internet „Sexpuppen“ bundesweit vertrieben hatte (die FN berichteten). Er musste sich am Montag vor dem Tauberbischofsheimer Amtsgericht verantworten.

Summe bei rund 18 000 Euro

AdUnit urban-intext1

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Mosbach lautete auf besonders schweren Betrug in zehn Fällen mit einer Gesamtschadenssumme von rund 18 000 Euro. Der Angeklagte zeigte sich in der Verhandlung unter Leitung von Richter Erhard Holz von Beginn an einsichtig. Er bekundete mehrfach, dass es ihm sehr leidtue. Es sei bestimmt nicht seine Absicht gewesen, seine Kunden abzukassieren.

In einer Corona bedingten Pause beratschlagten sich Verteidigung und Staatsanwaltschaft – und kamen schließlich zu einer Übereinkunft: Der 28-Jährige wurde vom Gericht zu einer Geldbuße von 2000 Euro an den Jugendfonds des Landratsamtes Main-Tauber verurteilt – zahlbar innerhalb von sechs Monaten. Wenn er dem nachkomme, sei die Angelegenheit erledigt, ließ Richter Holz wissen. Der Beschuldigte wäre in diesem Fall auch nicht vorbestraft.

Von den ursprünglich 13 geladenen Zeugen waren aufgrund der winterlichen Witterungsverhältnisse ohnehin nur zwei erschienen – sie durften wieder unverrichteter Dingen gehen, ohne eine Aussage tätigen zu müssen.

Internetshop betrieben

AdUnit urban-intext2

Der Angeklagte hatte sich mit einem Internetshop selbstständig gemacht. Er vertrieb hierüber unter anderem Gesundheitsartikel und besagte „Sexpuppen“, aber auch Smartphones oder Druckerpatronen via Online-Plattformen. Sein Kundenstamm erstreckte sich über nahezu das gesamte Bundesgebiet, aber auch ins benachbarte Ausland. Der Mann hatte speziell die Puppen, alle übrigens individuell gefertigt, von mehreren chinesischen Partnern bezogen. Hierbei habe es sein können, ließ er das Gericht wissen, dass es durchaus zu Ungereimtheiten bei der Auslieferung der Ware gekommen sei und diese nicht ordnungsgemäß zugestellt wurden. Hauptursächlich dafür sei eventuell eine zwischenzeitliche Umstellung des Vertriebs von manueller auf digitale Bearbeitung der Bestellungen gewesen, in deren Folge es zu einem gewissen Durcheinander gekommen sei. Deswegen hätten wohl auch einige Kunden ihre Ware nicht erhalten, obwohl sie dafür den Geldbetrag bereits im Vorfeld komplett auf eines der genannten Geschäftskonten überwiesen hätten.

Für den Beobachter hatte es den Anschein, als ob dem 28-Jährigen die Sache mit dem Vertrieb der Ware, insgesamt waren fünf Personen beschäftigt, über den Kopf gewachsen und er dem Ganzen – das Unternehmen gab es seit 2016 – etwas naiv begegnet war.

Firma wird gelöscht

AdUnit urban-intext3

Mittlerweile hat der Beklagte die Notbremse gezogen. „Die Firma gibt es nicht mehr, sie wird gelöscht“, bekundete er in seinen umfangreichen Ausführungen. Der Umstand, dass er sich in der Verhandlung mehrfach für sein Tun entschuldigte, führte ebenso zu dem Vergleich wie jener, dass er einen Teil der Kosten bereits wieder zurückerstattet hat.

Redaktion Mitglied der Main-Tauber-Kreis-Redaktion mit Schwerpunkt Igersheim und Assamstadt