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Liobafestwoche

Alles eine Frage der Einstellung

Unterhaltsames „Nachtcafé“ zum Thema Zufriedenheit im Winfriedheim

Von 
pm
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Tauberbischofsheim. Erstmals nach der Pandemie fand vor größerem Publikum im Rahmen der Liobafestwoche im Winfriedheim wieder das „Nachtcafe“ statt. Mit dabei waren Schwester Tessy Alackaparampil Krankenhausseelsorgerin und Gemeindereferentin, Brigitte Zagatta, Hospiz- und Trauerbegleiterin, Joachim Fels, Jugendtrainer in der Judoabteilung des TSV, sowie Polizeioberrat Burkhard von der Groeben, Leier des Polizeireviers.

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Als Thema hatte sich das Vorbereitungsteam „Un (zu-) Frieden? – mit mir – mit dir – mit uns“ überlegt, ein Thema, das aus der Sicht der Gäste und ihrer unterschiedlichen Erfahrungen betrachtet werden sollte. Moderiert wurde das Gespräch von Dagmar Wolf.

Was Zufriedenheit am Ende des Lebens bedeutet, darüber hat Brigitte Zagatta viele Erfahrungen, denn das Ziel der Sterbebegleitung sei, dass Menschen in Frieden gehen können. Sterben bedeute nach ihrer Erfahrung loslassen – oft hinderten Wünsche, Schuld, die Frage nach dem Warum an diesem inneren Frieden. Wichtig sei ein offenes und ungehetztes Aussprechen der Fragen gegenüber der Sterbebegleitung und bei religiösen Menschen auch gegenüber Gott. Dann gelinge es im Blick auf die eigene Person, Frieden zu schließen. Dies sei für religiöse Menschen leichter, gelinge es nicht, diesen Frieden zu schließen, dann könne Sterben zu einem Kampf werden. Auch Empfinden von Schuld, tatsächlich oder nur so empfunden, mache es einem schwer, in Frieden Abschied zu nehmen.

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Veröffentlicht
Von
Inge Braune
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Für Schwester Tessy ist innerlicher Frieden keine Frage des Materiellen oder des Ortes. Zufriedenheit hänge für sie an anderen Faktoren. Als Ordensschwester habe sie entschieden, auf Materielles zu verzichten und sich Gehorsam unterzuordnen. Selbstverständlich gebe es auch bei ihr das Gefühl der Rebellion gegen Einschränkungen. Zufriedenheit gebe ihr der Glaube an die Zusage Jesu Christi: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“ (Johannes 14:27).

In der Sterbebegleitung ist für Schwester Tessy wichtig, Mut zu machen. Nach ihrer Erfahrung sterben gläubige Menschen unterschiedlicher Religion leichter in dem Glauben, dass mit dem Tod nicht alles zu Ende sei, dass sich alle Defizite und alle Fragen in Gott erfüllten. Oft nehme sie bei Kranken oder Sterbenden Unzufriedenheit wahr. Zum einen entstünde Angst meist aus der Konfrontation mit Unbekanntem, hier helfen Gespräche, die Angst zu nehmen. Oft entstehe aber auch Unzufriedenheit wegen zu hoher Ansprüche an sich oder an andere. Letztlich ginge es darum, die Erfahrungen der eigenen oder fremden Begrenztheit anzunehmen, sich damit zu versöhnen. Hier spielten Rituale eine große Rolle.

Auch im Sport sei die Frage nach Zufriedenheit zentral, wusste Joachim Fels zu berichten. Zufriedenheit im Sport sei natürlich auch abhängig von Sieg oder Niederlage. Als Jugendtrainer ginge es darum, die Niederlage und Unzufriedenheit gemeinsam zu bewältigen und für die Zukunft fruchtbar zu machen. Hierbei sei es notwendig, auf Fehler des Einzelnen einzugehen, ihm aber nicht die Selbstachtung zu nehmen. Gleiche Rituale nach Sieg oder Niederlage spielten hier eine Rolle. Überzogene Erwartungen anderer an den Sportler seien kontraproduktiv, denn sie demotivierten und machten klein. Zentral sei aber das Selbstvertrauen des Heranwachsenden.

Für Burkard von der Groeben ist Zufriedenheit eine Frage der Einstellung – ein Tag ohne Zufriedenheit sei ein verlorener Tag. Dabei gelte es anzunehmen, dass nicht jeder Tag von Höhepunkten geprägt ist, Zufriedenheit müsse es auch im Alltag geben. Es gelte auch die positiven Aspekte des täglichen Lebens wie Freundschaft und Kameradschaft wahrzunehmen und zu leben. Als Polizist sei man mit einer Vielzahl von Unzufriedenheiten im Leben einzelner konfrontiert. Aufgabe der Polizei sei es, die Rechte der Bürger in der Demokratie beispielsweise die Versammlungsfreiheit zu schützen. Schwierigkeiten und Unfrieden resultierten oft aus Defiziten der Kommunikation und seien oft durch direkten Kontakt lösbar.

Weniger Möglichkeiten gäbe es bei Gesprächsverweigerung. Immer wieder sei die Polizei auch mit einer Gruppendynamik konfrontiert, die zu schwer kontrollierbarem Verhalten führe. Hierbei spielten Drogen beziehungsweise Alkohol immer wieder eine Rolle. In solchen Fällen hülfen einstudierte und gedrillte Verhaltensweisen und Haltegriffe, um das Gewaltmonopol des Staates durchzusetzen. Solche Konfrontationen seien für Polizisten eine schwierige Pflicht, positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung für diesen Dienst machten es leichter.

Im Anschluss an die lebendige und abwechslungsreiche Gesprächsrunde dankte Martina Wamser im Namen des Pfarrgemeinderates den Gesprächsteilnehmern für die Einblicke in Ihre Lebenserfahrungen in den verschiedensten Bereichen. pm

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