Badische Landesbühne - Prächtig von Arne Retzlaff inszeniertes Freilichtstück der Badischen Landesbühne Alle Töpfe fanden schließlich ihr Deckelchen

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ferö
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„Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit“ wurde auf der Freilichtbühne vor dem Kurmainzischen Schloss in Tauberbischofsheim ein begeistert aufgenommenes Intrigenspiel über das Aufbegehren des Dritten Standes gegen die Willkürherrschaft des Adels. © Felix Röttger

Mit „Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit“ führte die Badische Landesbühne auf der Freilichtbühne vor dem Schloss eine temporeiche Komödie auf, die die Zuschauer begeisterte.

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Tauberbischofsheim. Keine Oase der Ruhe ist das im Mittelpunkt der irren Komödie „Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit“ von Beaumarchais stehende Kingsize-Bett. Ausstatterin Ella Späte setzte es in der Inszenierung des diesjährigen, sehr gut besuchten Freilichtstücks der Badischen Landesbühne als wichtigstes Möbelstück mit einer stilvoll bemalten Schlossfassade vor der historischen Kulisse des Kurmainzischen Schlosses in Szene.

Denn Graf Almaviva und Figaro stolpern und staksen auf dem Lotterbett der schönen Kammerzofe Susanne hinterher, ohne mit dem Objekt ihrer Begierde zu einem Schäferstündchen zu kommen. Figaro und Susanne lieben sich und wollen am gleichen Tag noch heiraten, doch dem Grafen ist in den Sinn gekommen, wegen Susanne das auf Betreiben seiner Ehrfrau von ihm abgeschaffte „Recht auf die erste Nacht“ wieder geltend zu machen.

Stefan Holm als liebestoller, seiner Ehefrau überdrüssiger Graf, Cornelia Heimann als liebesbedürftige Gräfin Almaviva, Markus Hennes als schnöselig-cleverer Figaro, Sina Weiß als ihrer Reize bewusste Susanne waren das Quartett, das mit sichtlicher, fast überbordender Spielfreude dem Affen weiter Zucker gab. Den Vieren aber in nichts nach standen David Meyer als trottelig-unterwürfiger Doktor Bartolo, Evelyn Nagel als eine resolute, auf Figaros Eheversprechen pochende Haushälterin, Tobias Korn in der Rolle des intriganten Basilio und als Gimpelwitz, Colin Hausberg als liebessüchtiger Page Cherubin, der mit allen Frauen flirtet, sowie Martin Behlern (Antonio) und Nadine Pape (Fanchette). Situationskomik gab es reichlich in jeder Szene; bis ins Letzte wurden alle bewährten Kniffe der Komödie ausgeschöpft.

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Gut geölte Drehtüren beschleunigten die Auf- und Abgänge, aus dem Hut gezauberte Briefe fädelten plump oder raffiniert Intrigen ein, ein angeblicher Heiratvertrag wurde gerichtlich mit viel Wortklauberei diskutiert und viele, viele Irrungen, Verwirrungen und Blamagen amüsierten reichlich. Das in der Zeit vor der Französischen Revolution spielende, 1778 geschriebene Stück traf mit seiner Kritik an überholten Privilegien des Adels und viel Sympathie für die Bourgeoisie den Nerv der Zeit, erlebte aber erst nach mehrjährigem Verbot seine Uraufführung in Paris. Mozart diente es als Vorlage für seine Oper Figaros Hochzeit. Ein klein wenig von dem vorrevolutionären Geist vermittelten ein paar Regieeinfälle mit einigen – auch musikalischen – Einwürfen, die schmunzeln ließen.

Gleich zum Auftakt der Aufführung etwa kam der frühere Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit mit seinem legendären Bekenntnis „Ich bin schwul – und das ist auch gut so“ zu Wort.

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Noch mehr Heiterkeit fand der kämpferische Ausspruch von Andrea Nahles, die am Vormittag noch auf der Regierungsbank saß, dann nachmittags nach ihrer Wahl zur Faktionschefin und Oppositionsführerin mit markigen Worten ankündigte: „Aber ab morgen kriegen sie in die Fresse“.

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Auch die Merkel-Raute durfte nicht fehlen, bis dann Figaro unumwunden sich schließlich selbst lobte: „An mir ist ein Politiker verloren gegangen“. Doch später wollten seine Intrigen nicht so recht gelingen, auch wenn sich am Ende alle Paare fanden.

Figaro bekam seine Susanne, der Graf machte jene Anträge seiner Frau, die er eigentlich Susanne zugedacht hatte und auch sonst fanden weitere Töpfe ihr Deckelchen. ferö