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Naturschutz - Sindolsheimer Landwirte beklagen Schäden durch aufgestautes Wasser auf ihren Feldern

Überflutungen von Ackerflächen sind ein Ärgernis

Wo sich ein Biber niederlässt, gestaltet er die Landschaft nach seinen Vorstellungen um. Wenn Ackerflächen überflutet werden, müssen Lösungen für die betroffenen Landwirte gefunden werden.

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Biberbeauftrager Joachim Bernhardt, Dr. Ulrich Weinhold vom Regierungspräsidium, Landwirt Jochen Kautzmann, Lukas Schäfer vom Landratsamt und Bürgermeister Ralph Matousek suchen nach einer einvernehmlichen Lösung. © Helmut Frodl

Sindolsheim. Für allgemeine Unruhe sorgt seit geraumer Zeit ein Biber, der sich zwischen der Gaimühle und der Talmühle an einem Teilstück der Kirnau niedergelassen hat (wir berichteten). Er nagt nicht nur an den dortigen Bäumen und baut Dämme, sondern zehrt auch an den Nerven der örtlichen Landwirte. Denn das aufgestaute Wasser der Kirnau überschwemmt ihr angrenzendes Ackerland. In der jüngsten Sitzung des Sindolsheimer Ortschaftsrats griff Ortsvorsteher Jürgen Fuchs das Thema erneut auf, weil beim Landratsamt und dem Biberbeauftragten Joachim Bernhardt ein anonymes Schreiben eingegangen war.

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Fuchs wies in der Sitzung darauf hin, dass jegliches Manipulieren an Biberdämmen oder anderen Bibereinrichtungen ohne Auftrag verboten ist und gegen das Naturschutzgesetz verstößt. Das Problem in Sindolsheim besteht darin, so Fuchs, dass der Biber zwischenzeitlich mehrere Dämme gebaut hat: einen an der Brücke am Weg zum alten Sportplatz und die weiteren zweihundert Meter weiter in Richtung Sindolsheim. Dadurch wird das Wasser der Kirnau aufgestaut und fließt zwischenzeitlich über die angrenzende Ackerfläche, die immer mehr zugeschwemmt wird. Bürgermeister Ralph Matousek ergänzte, dass ein dritter Damm des Bibers das Wasser der Kirnau noch weiter aufstaue. Beim inzwischen zweiten Vororttermin vor wenigen Tagen haben Joachim Bernhardt, Dr. Ulrich Weinhold, der Biberbeauftragte des Regierungspräsidiums Karlsruhe, Lukas Schäfer vom Landratsamt, Bürgermeister Ralph Matousek sowie die beiden Landwirte Jochen Kautzmann und Wolfgang Frank trotz Dauerregens Lösungsansätze gesucht.

Finanziellen Ausgleich gefordert

Jochen Kautzmann beklagte enorme Schäden auf seiner bewirtschafteten Ackerfläche – verursacht durch das überlaufende Wasser. Er habe viel in die Bodenbearbeitung und die Einsaat des Ackers investiert und erhalte nun keinen finanziellen Ausgleich. Wie Kautzmann schon etwas erregt sagte, habe er zwar nichts gegen das Tier, er empfinde es aber als ein Unding, dass man „von der Politik und der Gesellschaft so alleine gelassen wird“.

Das Schließen des damaligen Bypasses habe die Situation für die Bewirtschafter deutlich verschlechtert, sagte Bernhardt. Sowohl Dr. Ulrich Weinhold als auch Lukas Schäfer waren sich einig, dass sich die Situation mit dem Biber vor Ort zwischenzeitlich enorm verschärft habe.

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Wie Bürgermeister Matousek meinte, wurde bisher nur die rechte Fläche des Baches überflutet. Wäre auch die linke Seite betroffen, würde dies zu massiven Problemen in der Abwasserbeseitigung führen, da hier der Abwasserkanal von Sindolsheim in Richtung Rosenberg verläuft und das Bachwasser in die Kanalschächte laufen könnte.

Laut Joachim Bernhardt habe man zwischenzeitlich innerhalb der zuständigen Behörden Lösungsvorschläge erarbeitet. So soll der vom Biber gebaute Damm an der Brücke um 30 Zentimeter heruntergebaut werden. Zudem bestünde die Möglichkeit, ein oder zwei Rohre in den Damm zu legen, damit das gestaute Wasser abfließen kann und es zukünftig nicht mehr zu einer Stauung kommen kann. Zudem soll der Bewirtschafter den bestehenden Bypass am zweiten Damm entfernen. Auch an diesem Damm könnte ein Ablaufrohr die Situation entschärfen. Das benötigte Material wird über das Regierungspräsidium bestellt, an die Gemeinde geliefert und soll von Mitarbeitern des Bauhofs eingebaut werden. Es bleibt dann abzuwarten, wie der Biber reagiert.

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Mehr als 250 Tiere in 70 Revieren

Bereits im April hatten sich Bernhardt und Kautzmann sowie Sindolsheims Ortsvorsteher Jürgen Fuchs bei einem Vororttermin darüber ausgetauscht, inwiefern der Biber in diesem Abschnitt der Landwirtschaft schadet. Von woher das Tier an die Kirnau im Bauland kam, ist bisher nicht bekannt. Auf der Suche nach Nahrung könnte es vom Neckar, aus der Kessach bei Merchingen oder aus dem Erftal gekommen sein.

Bernhardt zufolge gibt es im Neckar-Odenwald-Kreis mehr als 250 Tiere in rund 70 Revieren. Er ist zudem ziemlich sicher, dass dieses Tier den Sindolsheimern noch einige Zeit erhalten bleibe. Neben den angenagten Bäumen und Ästen, die in den Wintermonaten zu sehen waren, hat der Biber bereits ganze Arbeit geleistet. F

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