Gemeinderat tagte in Sindolsheim - Der planmäßige Einschlag liegt bei 4250 Festmeter / Räte segneten den Forstwirtschaftsplan für 2021 einstimmig ab In Rosenberg sind die „fetten Jahre“ vorbei

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Helmut Frodl
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Nach vielen positiven Jahren weist der Wald in Rosenberg im Haushaltsjahr 2021 erstmals ein errechnetes negatives Ergebnis von 28 900 Euro aus. Die traurige Bilanz nahmen die Gemeinderäte zur Kenntnis, stimmten dem Forstwirtschaftsplan aber einstimmig zu. © Helmut Frodl

Sindolsheim. Der Forst und die Energie standen im Mittelpunkt der öffentlichen Gemeinderatssitzung am Dienstagabend in der Mehrzweckhalle in Sindolsheim.

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Nachdem im Forstwirtschaftsjahr 2020 noch mit einem positiven Ergebnis von rund 25 000 Euro gerechnet werden kann, weist der Plan 2021, den der Leiter der unteren Forstbehörde des Neckar-Odenwald-Kreises, Jörg Pruchta, dem Gemeinderat präsentierte, nach vielen positiven Jahren erstmals ein errechnetes negatives Ergebnis von rund 28 900 Euro aus. Mehrheitlich stimmte das Gremium der Errichtung einer geplanten Freiflächen-Photovoltaikanlage im Gewann „Hut“ auf Gemarkung Sindolsheim zu.

Bürgermeister Ralph Matousek begrüßte zur Sitzung eine Reihe von Gästen sowie zahlreiche interessierte Zuhörer. Nach der Bekanntgabe und Anerkennung der Niederschrift der letzten Sitzung folgte das Festlegen der Brennholzpreise. Wie der Bürgermeister einleitend zu diesem Punkt sagte, ist die Versorgung der Bürger mit Brennholz ein wichtiger Bestandteil in der Gemeinde.

Revierleiter Christof Hilgers stellte dem Gemeinderat die wichtigsten Daten vor und sagte, dass die Brennholzpreise mit den Industrieholzpreisen gekoppelt seien. Diese seien unverändert mit einer vielleicht leicht steigenden Tendenz. Man sei gut beraten – wie im gesamten Kreis – die 55 Euro für das Polterholz je Festmeter wie im Vorjahr zu belassen und keine Änderung vorzunehmen.

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Der Preis für stehenden Schlagraum beträgt somit zwischen 20 bis 30 Euro je Festmeter, beim liegenden Schlagraum, der klassischer Weise in Rosenberg versteigert wird, beträgt der Preis zwischen acht und zwölf Euro pro Festmeter. Die weiteren Preise für 2021 im Einzelnen: Bürgerholz 40 Euro pro Raummeter, Sterholz (Buche und Eiche sowie Ster gemischt) je 60 Euro pro Raummeter. Der Vorschlag wurde vom Gemeinderat einstimmig angenommen, der beschloss, die Brennholzpreise zukünftig unverändert wie im Vorjahr zu belassen.

Wald dient der Erholung

Wie Bürgermeister Ralph Matousek beim nächsten Punkt der Vorstellung des Forstwirtschaftsjahres 2021 einleitend sagte, dient der heimische Wald einmal den Bürgern zur Erholung. „Aber nebenbei sollte er auch einen Ertrag für den Haushalt der Gemeinde abwerfen“, so der Rathauschef. „Wenn man heute durch die Wälder läuft, sieht man auch ganz deutlich, dass der Wald kämpft mit der Trockenheit durch viel zu wenig Regen, der Hitze und mit Schädlingen“, bedauerte er weiter.

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Erschreckend sei für ihn, dass ein Großteil des Holzeinschlages im „zufälligen“ und nicht mehr im planbaren Bereich liege. „Es ist nicht mehr planbar, das ist in ganz Deutschland gleich“, so Matousek. Man habe eine riesige Menge Schadholz, das nicht bearbeitet werden kann wie bei der Fichte, was sich deutlich auf die Preise niederschlägt. Wie Bürgermeister Matousek feststellte, sind die „guten und fetten“ Jahre mit einem positiven Betriebsergebnis jetzt definitiv auch in Rosenberg vorbei. Jörg Pruchta sowie Revierleiter Christof Hilgers stellten den Forstwirtschaftsplan 2021 mit einem Blick auf den Rosenberger Wald dem Gemeinderat vor. Dieser hat auch mit den Auswirkungen des trockenen Klimas zu kämpfen. Zunächst stellte Pruchta anhand von mitgebrachten Grafiken die Niederschlagswerte der letzten drei Jahren vor, woraus deutlich zu erkennen war, dass es in den Monaten und Jahren, insbesondere in der Vegetationszeit der Pflanzen von April bis August, viel zu wenig regnete. Zudem seien die Bäume immer mehr einer zunehmenden Dürre ausgesetzt, dadurch habe das Schadholz im vergangenen Jahr 2020 vermehrt zugenommen.

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Außerdem seien die Preise „im Keller“. Man müsse jedoch dem Gemeinderat einen Plan für das kommende Jahr vorlegen, wohlwissend, dass dieser vielleicht gar nicht so eintritt. „Das ist ein großes Manko“, so der Revierleiter. Man habe so geplant, dass man nochmals, was die Witterung betrifft, mit einem „blauen“ Auge davonkommen könnte.

Der planmäßige Einschlag beträgt 4250 Festmeter. An Schlagpflege sind 32,3 Hektar vorgesehen, beim Anbau rund 12 000 Neupflanzen auf 4,2 Hektar. Die Kultursicherung beträgt 14 Hektar und die Jungpflege 5,9 Hektar. Das sind alles Daten und Werte, so Pruchta, die man nach bestem Wissen und Gewissen für 2021 einplante. Man fahre jedoch auf „Sicht“. Eigentlich ist nur eine „zufällige“ Nutzung vorgesehen, denn so lange der Holzpreis so tief ist, sehe man es nicht ein, dass das frische Holz, das nicht beschädigt ist, und welches man noch stehen lassen kann, eingeschlagen werde. Man sei zudem ein wirtschaftlicher Bereich und man wolle der Gemeinde doch „schwarze Zahlen“ liefern. Nachdem man für dieses Jahr noch mit einem Gewinn rechnen kann, sieht der kommende Wirtschaftsplan 2021 erstmals ein negatives Ergebnis von rund 29 000 Euro vor.

„Vorsichtig geplant“

Pruchta sprach von einer ganz realistischen Planung, denn man plane lieber ganz vorsichtig und liefere am Jahresende für die Gemeinde ein doch besseres Ergebnis ab.

Bürgermeister Matousek bedankte sich für die Ausführungen der beiden Forstleute, bedauerte aber, dass erstmals kommendes Jahr im Wald mit einem Minus gerechnet wird. Der heimische Wald ist aber, wie er sagte, in guten „forstwirtschaftlichen“ Händen, wofür er Christof Hilgers dankte. Nach kurzen Wortmeldungen, auch zum Preisverfall beim Fichtenholz, dessen Einschlag aus Kostengründen sich derzeit nicht lohne, stimmte der Gemeinderat einstimmig dem vorgelegten Forstwirtschaftsplan zu. Nach der Bekanntgabe der in nichtöffentlicher Sitzung gefassten Beschlüsse befasste sich der Gemeinderat erneut mit dem in der letzten Sitzung vertagten Punkt, der Beschaffung eines Mulchers für den Bauhof. Nach neuerlich angeforderten und eingegangenen Angeboten wurde der Auftrag an die Firma Bopp (Altheim) zu einem Angebotspreis von 13 000 Euro einstimmig vergeben, die auch das Altgerät zurücknimmt.

Unter Punkt „Verschiedenes“ teilte der Bürgermeister mit, dass die Gemeinde 3600 Blumenzwiebeln kaufte, die zwischenzeitlich in allen Ortsteilen gepflanzt wurden nach dem Motto: „Rosenberg soll im Frühjahr erblühen“. Weiter informierte er darüber, dass dem Wunsch von Ortsvorsteher Sven Baumann, die nächste Dezembersitzung des Ortschafts-rats in der Sporthalle in Rosenberg durchführen zu können, nicht entsprochen werden konnte. Diese findet nundoch wieder im Bürgersaal des Rathauses statt.