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 „Fastnacht 2021 – daheim und im Netz (4) - Im Interview spricht Narrenringspräsident Stefan Schulz über das „Lebensgefühl Fastnacht“ und über den Erhalt der Traditionen „Das wäre jetzt echt ein klasse Ausgleich“

Von 
Michael Fürst
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Immer voll dabei: Narrenringspräsident Stefan Schulz (l.) vermisst vor allem die Saalfastnacht. Im FN-Interview strahlt er trotzdem Zuversicht aus. © Peter Kreis

Odenwald-Tauber. Persönlich bedeutet der Ausfall der Kampagne 2021 für Narrenringspräsident Stefan Schulz, dass sein „elftes Jubiläum“ wegfällt. Trotzdem strahlt er Zuversicht aus.

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Herr Schulz, was macht man eigentlich als Narrenring-Präsident ohne Fastnacht?

Stefan Schulz (lacht): Fastnacht ist immer. Sie ist ein Lebensgefühl, ein Lebensmotto. Es ist dieses Jahr natürlich vieles anders, aber es ist trotzdem viel zu tun – nicht unbedingt etwas Närrisches, sondern im administrativen Bereich. Es sind rechtliche Sachen wie Lizenzen und Dinge mit der Gema zu regeln. Dazu gab es glücklicherweise Landeshilfe für die Vereine; die wurde über uns abgewickelt. Dazu äußern die Vereine Wünsche für Video-Grußworte – und es gibt viele Interview-Anfragen (lacht erneut). Es wird mir sicher nicht langweilig.

Haben Sie die Grußworte schon aufgenommen?

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Schulz: Ja, ich habe schon einige eingesprochen. Oft müssen die schnell gemacht werden, weil mir die zündenden Ideen immer erst kurz vor Toresschluss kommen. Und dann ist das gar nicht so leicht, weil man darin nicht geübt ist: Einmal war das Gesicht nicht richtig drauf, dann wieder zu viel Bauch, dann verhaspelt man sich und dann fängt man gerade wieder von vorne an. Das ist halt etwas ganz anderes als live auf der Bühne. Wenn man sich da verhaspelt, ist es halt so; dann macht man noch einen Witz dazu und alles ist gut. Bei Videobotschaften geht das nicht.

Die Vereine im Narrenring sind ja trotz der nun ausfallenden Kampagne aktiv. Sie „veranstalten“ Fastnacht im Internet, lassen sich viele kreative Dinge einfallen. Zeigt Ihnen das, dass die Fastnacht doch lebt?

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Schulz: Ich glaube, man kann das auf die gesamte Vereinswelt übertragen, nicht nur auf die Fastnachtsgesellschaften. Alle versuchen, dass man auf irgendeine Art doch seinem Hobby frönen kann. Es tut aber schon weh, wenn man beispielsweise weiß, dass man an einem bestimmten Tag auf eine bestimmte Veranstaltung gegangen wäre – so wie seit 20 Jahren. Es ist schade, dass da gewisse Traditionen unterbrochen werden.

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Hat der Narrenring viele Hilfs-Anfragen von Vereinen erhalten?

Schulz: Ja, die gab es. Es waren aber auch viele Ideen da. Doch allen war dann ab Mitte November klar, dass es in dieser Kampagne nichts wird mit einer richtigen Fastnachtskampagne.

Man könnte es jetzt auch ins Positive kehren und sagen: Diese Kampagne verläuft für Sie deutlich stressfreier als all die Jahre!

Schulz: Und ich bin deutlich weniger erkältet (lacht). Ich sage mal so: Die Fastnacht wäre jetzt ein extrem guter Ausgleich für die vergangenen Monate. Da würde der Stress schon auch ein bisschen gut tun. Wenn ich nur an die Belastung der Familien mit Homeschooling denke; da wäre jetzt Fastnacht echt ein klasse Ausgleich.

Viele Vereine klagen seit der Corona-Krise über Mitgliederschwund. Wie ist diesbezüglich die Rückmeldung im Narrenring „Main-Neckar“?

Schulz: Zum Glück ist in dieser Sache noch nicht viel an uns herangetragen worden. Ich weiß beispielsweise auch von Gardetänzern, die viel Hometraining machen. Der Trainer tanzt vor der Kamera vor und die Kinder tanzen es dann daheim nach. Es ist wirklich auch viel Kreativität da. Ich glaube, es gibt Vereine, wie Sängerbünde und Chorgemeinschaften, die deutlich mehr leiden als die Fastnachtsvereine.

Was vermissen Sie mehr: Die Saalfastnacht mit den Prunksitzungen oder die Straßenfastnacht?

Schulz: Ich vermisse mehr die Saalfastnacht. Bei den Umzügen ist es oft so, dass ich von den Vereinen eingeladen bin und dann die Ehre habe, auf der Tribüne zu stehen. Das ist zwar sehr schön, aber ich laufe Umzüge eigentlich lieber mit. Bei Prunksitzungen bin ich zwar auch eingeladen, da ist der Austausch untereinander einfacher möglich. Das kann man auch genießen. Und: Ein Umzug mit drei Kindern kann auch ganz schön stressig sein (lacht).

Haben Sie es eigentlich schon geschafft, bei allen Vereinen im Narrenring auf der Prunksitzung gewesen zu sein?

Schulz: Ich war bei sehr vielen Vereinen, aber ein paar „weiße Flecken“ gibt es schon noch. Die wird es aber auch weiter geben. Da ich auch Präsident in Lauda bin, habe ich in dieser Funktion natürlich auch viele Pflichtveranstaltungen. Und es gibt eben Prunksitzungen an Terminen, an denen wir in Lauda auch Veranstaltungen haben. Aber wir versuchen schon, dass wir vom Präsidium so viele Einladungen wie möglich annehmen können.

War es eigentlich schwer, sich von einem „Rouschebercher Milchsäule“ in eine Laudaer „Strumpfkapp“ zu verwandeln?

Schulz: Ja, schon irgendwie. Ich bin bei den „Milchsäuli“ groß geworden und bin im ersten Jahr in Lauda auch noch mit dem Rosenberger Kostüm rumgerannt. Irgendwann trifft man dann aber die Entscheidung, wo der Lebensmittelpunkt ist. Ich bin dann in Lauda recht schnell in die Fußstapfen von Jörg Zwirner getreten und hatte schnell eine neue Aufgabe. Ich bin aber immer noch gerne in Rosenberg und mit der Männergarde jedes Jahr auf Ausflug. Und: Mein Fußballherz schlägt immer noch für den TSV Rosenberg, auch wenn mein Junior gerade beim FV Lauda in der F-Jugend kickt.

Fastnacht ist Tradition und Brauchtum. Glauben Sie, dass diese Dinge bei den jungen Leuten heute, die nur noch online sind und Fastnacht als „Party pur“ mit enormem Alkoholkonsum gleichsetzen, noch weiter gelebt werden können?

Schulz: Viele Vereine machen hier schon eine gute Jugendarbeit. Sie halten die Traditionen hoch, und so wachsen die jungen Leute da von Beginn an hinein. Es gibt aber auch Leute, die Fastnacht feiern, einfach weil es ihnen Spaß macht. Sie bauen Wägen, lassen die Musik krachen und fallen damit auf. Aber auch aus solchen „Fastnachts-Hooligans“ sind oft richtig gute Fastnachtsvereine entstanden. Ruhiger wird man im Alter von alleine…

Waren Sie auch so ein „Fastnachts-Hooligan“?

Schulz: Ja, schon. In bin bei den „Milchsäuli“ in die Fastnacht hineingewachsen und habe sie davor freilich auch anders gefeiert. Als Jugendlicher war es traumhaft, am „schmutzigen Donnerstag“ in Buchen bis morgens durch die Gassen zu ziehen. Aber ich muss heute sagen: In der organisierten Fastnacht fühle ich mich deutlich wohler.

Warum hat die Fastnacht als Traditionsveranstaltung Zukunft?

Schulz: Weil die Fastnacht gewissermaßen auch mit der Zeit geht. Es spricht doch nichts dagegen, das Brauchtum ein bisschen moderner zu sehen. In Rosenberg gab es früher oft die Diskussion: Müssen immer nur die alten Lieder gespielt werden oder können wir alte und neue Lieder mischen? Jeder kann „Heile, heile Gänschen“ singen, aber auch jeder „Wir lasse den Dom in Kölle“. Da prallen Jahrzehnte Musik aufeinander, doch jeder singt mit und hat Spaß daran.

Wie unterscheidet sich die Fastnacht hier in der Region vom Karneval am Rhein?

Schulz: Bei uns ist es das Schöne, dass wir viele Facetten in unserer Fastnacht haben, vom Karneval zum Beispiel durch das Erzbistum Mainz, das früher hier vertreten war. In Lauda geht es mehr auf die Eisenbahner zurück, die von Mannheim und Ludwigshafen Einflüsse mitbrachten. Wir haben aber auch alemannische Elemente in unserer Fastnacht. Deshalb haben wir eine bunte und feine Mischung hier.

Zum Schluss bitten wir noch um einen Tipp: Was soll man als leidenschaftlicher Fastnachter am Rosenmontag 2021 tun?

Schulz: Man soll sich von der Situation nicht unterkriegen lassen und trotzdem Rosenmontag feiern. Das kann man auf die verschiedensten Arten: Einer backt Krapfen, der andere schaut sich einen früheren Umzug im Fernsehen an. Man kann auch die Narrenkappe aufsetzten und mit dem Nachbarn am Zaun ein Liedchen trällern – mit Abstand versteht sich. Jeder interpretiert die Fastnacht ja ein bisschen anders; und jeder sollte sie auch so feiern, wie er sie interpretiert. Vielleicht sollte man einfach mal seine Liebste in Arm nehmen und Küsschen verteilen, schließlich kommt das „Bützen“ dieses Jahr deutlich zu kurz.

Ressortleitung Leiter der Redaktionen Buchen und Sport