Leserbrief - Zu „Geplante Asphaltierung gefällt nicht allen“ (FN, 2. Februar) „Zeit für einen offenen Austausch nehmen“

Von 
Yvonne Perdelwitz
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Einige Ergänzungen zum FN-Artikel vom 2. Februar möchte ich mir erlauben, in dem ich mich, etwas überspitzt gesagt, als „Doña Quijote im Kampf gegen die Windmühlen“ dargestellt fühle.

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Auch wenn ich – zugegebenermaßen – manchmal das Gefühl habe, „gegen Windmühlen zu kämpfen“, gibt es auch andere Einwohner, Teilnehmer der Eigentümergemeinschaft und Vorstandsmitglieder, welche die Notwendigkeit einer Asphaltierung nicht sehen. Auch Naturschützer und Naturschutzbünde – wie der NABU – haben Bedenken geltend gemacht.

Die Mehrheit der Teilnehmergemeinschaft ist weitestgehend indifferent – das sind größtenteils kleine, wenig von den Maßnahmen betroffene Parzellen – würde aber beim jetzigen Stand der Planung eher zustimmen, denn eine Asphaltierung wird nicht als großer Eingriff gesehen. Diversität ist aber per se nichts Negatives, sondern kann sehr fruchtbar sein. Etwa, indem diese Flurbereinigung – für die viele öffentliche (Steuer-) Gelder verwendet werden – nachhaltiger und im Ergebnis besser gemacht wird. Sonst sitzen wir in zehn bis 15 Jahren wieder zusammen und überlegen eine „Renaturierung“ und der Geldtopf der Gemeinde ist leer, womit der Weg asphaltiert bleibt.

Wie könnte so etwas aussehen: Den Naturschützern – und mir auch – wäre es am liebsten, der Weg bliebe – gut – geschottert wie er ist. Er ist absolut funktional, wurde vor zehn Jahren beim Legen der neuen Abwasserverbindungen in Teilen neu gemacht und verbreitert. Mit dem Fahrrad, zu Fuß und auch mit den wenigen landwirtschaftlichen Geräten, die dort unterwegs sind, ist er gut nutzbar.

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Gleichzeitig „kreucht und fleucht“ es überall und ist wunderschön anzuschauen. Dabei würde man aber dem Wunsch nach „sauberem Schuhwerk“ keine Rechnung tragen und müsste sicherlich auch bei den Ausgleichsmaßnahmen Abstriche machen. Eine Kompromisslösung wäre eine Verlegung von Gras- oder Pflastersteinen. Das hätte – neben ökologischen und optischen Gesichtspunkten – auch den Vorteil, dass sofort ersichtlich ist, dass es keine „Straße“ ist und es müssten keine Poller gesetzt werden, wenngleich Straßenschilder sicherlich sinnvoll sind. Um im Budget zu bleiben, könnte man Maßnahmen umdisponieren, etwa die Renaturierung am Wehr durch andere Fördertöpfe finanzieren oder die Pflasterung an der Oberen Mühlsteige hintanstellen. Zumindest eine – gemeinschaftliche – Überlegung wäre das wert. Apropos gemeinschaftlich: Im März findet eine weitere Vorstandssitzung statt. Ich würde mich freuen, wenn wir hier konstruktiv zusammenarbeiten und uns die Zeit für einen offenen Austausch nehmen würden. Vielleicht fallen uns ja auch gemeinsam gute Möglichkeiten ein, die Gegend nach und nach für Naherholungssuchende und Einwohner attraktiver zu machen.

Schöne Ideen habe ich schon gehört. Eine Bank am Biotop, eine erneute Verbreiterung und Zugänglichmachung der Kessach zu einem kleinen See beim Mühlwehr am Ortseingang oder auch ein Naturlernpfad für Kinder – den die Ortsvorsteherin schon einmal anregte – bringen sicher langfristig mehr Mehrwert als Asphalt.

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Schließlich kommen die Besucher genau wegen der schönen Natur nach Merchingen. Auch die meisten Radfahrer sind beschaulich und genießerisch unterwegs. Es ist kein Arbeits- oder Schulweg, auf dem man schnell von A nach B kommen muss.

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Meine Position ist ohne Zweifel angreifbar. Schließlich bin ich persönlich betroffen, der Weg (Maßnahme 302) führt in zehn Meter Abstand an unserem Wohnzimmerfenster vorbei und zu sicherlich 50 Prozent quer durch unser Gelände. Aber ich liebe dieses beschauliche Fleckchen Erde, auch wenn ich dort nicht mit Erstwohnsitz wohne.

Meine Tochter (sieben Jahre) hat sich letztens sehr erschrocken, weil sich eine Ringelnatter vor ihr auf dem Weg sonnte, meine Söhne (sechs und neun Jahre) kommen mit immer neuen Fundstücken von ihren Exkursionen zurück und überlegen schon jetzt, wer später einmal dort wohnen darf.

Diese Möglichkeit, im sicheren autofreien Rahmen, Natur zu erfahren, finde ich für jetzige und kommende Generationen wertvoll und einfach erhaltenswert. Und ja – im Gegensatz zum lobenswerten Einsatz anderer – wenn dieser Weg an einem Ort geplant würde, an dem ich nur dreimal im Jahr spazieren ginge, wäre ich dagegen, aber würde mich nicht in diesem Maße einsetzen.

Ich hoffe von Herzen, dass wir eine für alle Beteiligten zufriedenstellende, gemeinsame Lösung finden. Es grüßt – mit etwas mutlos erhobenem Schwert – Ihre Doña Yvonne Perdelwitz von der Unteren Mühle.