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Aktion - Albert Gramling verdeutlichte auf einem seiner Äcker, dass dort „rund 7000 Kilogramm Weizen geerntet werden“ könnten

In Merchingen auf Situation der Landwirte aufmerksam gemacht

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„Hier könnten für Sie circa 7000 Kilogramm Weizen geerntet werden“: Mit einem Hinweisschild macht Albert Gramling in Merchingen darauf aufmerksam, „wie die Politik mit uns Landwirten umgeht“. Vor Ort war dabei auch ein Team des SWR. © Helmut Frodl

Merchingen. Der große Traktor mit angehängter Sämaschine steht bereit für eine Einsaat auf dem brachliegenden Ackerfeld von Landwirt Albert Gramling in der Nähe des Golfplatzes in Merchingen. Dort hat er auch ein Hinweisschild mit der Aufschrift „Hier könnten für Sie ca. 7000 Kilogramm Weizen geerntet werden“ aufgestellt.

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Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes im Neckar-Odenwald-Kreis hat in seiner besonderen Aktion am vergangenen Freitag ein bedeutendes Thema, das durch den Krieg in der Ukraine entstanden ist, aufgegriffen. „Eigentlich wollte ich aus Protest auf dem Acker eine Saatspur legen, was ich aber nach gesetzlicher Vorgabe nicht darf, sonst erhalte ich eine empfindliche Strafe“, so der Landwirt.

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Gramling kämpft dafür, dass auf den sogenannten Ökologischen Vorrangflächen, wo ab dem kommenden Jahr die Einsaat von Blühpflanzen sogar verboten wird, die Landwirte entweder Getreide, wie zum Beispiel Weizen, oder auch Sonnenblumen anbauen dürfen. „Leider unterstützt die Politik nicht einmal mehr die Einsaat von Blühpflanzen, denn für sie ist in Deutschland eine Brachfläche wichtiger als die Produktion von Lebensmitteln“, sagte Gramling in das Mikrofon des SWR-Reporters Thomas Miltner, der mit einem Filmteam nach Merchingen gekommen war.

Aus diesen Gründen bleib sein Feld in diesem und auch im nächsten Jahr als „Unland“ brach liegen. Durch die Einsaat von Weizen – hierfür sei es in diesem Jahr zwar schon zu spät, aber Sonnenblumen wären noch möglich – könnte sich auch Deutschland an der Ernährung der Weltbevölkerung beteiligen. Die Landwirte wären dazu bereit, aber die Politik wünsche es nicht, so Gramling.

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Bereits Anfang März habe sich gezeigt, dass wichtige Lebensmittel, welche in Russland und der Ukraine produziert werden, dieses Jahr und vielleicht auch in den nächsten Jahren weder produziert noch exportiert werden können.

„Das trifft die deutsche Bevölkerung nur bei bestimmten Früchten, wie Sonnenblumen, solange man einen in Deutschland einen Selbstversorgungsgrad von über 100 Prozent hat. Stärker betroffen sind aber vor allem die Länder in Afrika und Südasien.“

Zudem wisse die Landwirtschaft nicht, ob man auch im nächsten Jahr den benötigten Dünger bekomme. Dann würde der Ertrag zwangsläufig auch in unserem Land zurückgehen. „Damit wir etwas für die Weltversorgung tun können, wollten die Landwirte mehr Weizen anbauen“, so Gramling.

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hpw
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Für dieses Jahr wäre es auf Stilllegungsflächen, wie zum Beispiel auf seinem Feld, noch bis April möglich gewesen. Die Europäische Union habe dies am 21. März so beschlossen. „Nur Deutschland wollte da nicht mitmachen.“ Der Weizenanbau sowie der Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln auf diesen Flächen sei sowohl von der Agrarministerkonferenz am 25. März als auch im Bundesrat am 8. April abgelehnt worden.

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„Die auf den Äckern stehenden grünen Kreuze stehen für fruchtbare Böden statt Beton, denn ohne eine bäuerliche Landwirtschaft gibt es kein Erhalt von Wiesen“, gibt Gramling zu bedenken und zeigt auf ein neues grünes Kreuz auf seinem Acker, das die Zahl 4 dargestellt. „Dies zeigt, dass die EU ab 2023 vier Prozent der Ackerflächen verpflichtend stilllegen will.“ Der zusätzliche Getreideanbau auf zukünftigen Stilllegungsflächen würden sowohl der neue Landwirtschaftsminister Özdemir als auch sein Ministerium mit einer lapidaren Begründung ablehnen: „Die Bauern wollen sich nur den Geldbeutel füllen, und 800 000 Tonnen Mehrertrag an Weizen retten die Welt auch nicht“.

Für Sommerweizen zu spät

Für die Aussaat von Sommerweizen sei es zu spät, aber der Anbau von Sonnenblumen zur Herstellung von Öl wäre noch möglich. Die Behauptung, dass 60 Prozent Getreide verfüttert würden, bezeichnete Gramling als falsch. „Verfüttert wird meist das, was für Menschen nicht geeignet ist.“ Da es sich abzeichne, dass es in den nächsten Jahren nicht genügend Vorräte an Getreide geben wird, „wollen die Landwirte keine Stilllegung auf guten Böden“, betonte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes. „Fakt ist, dass die Einsaat von Blühmischungen auf Stilllegungsflächen nach Ablauf der Fünfjahresverpflichtung seit 2021 nicht mehr verlängert wird. Die Politik will keine Förderung dieser Flächen mehr gewähren. Ab 2023 ist dies von der Europäischen Union sogar verboten.“ Gramling: „Man will uns auf Stilllegungsflächen alles verbieten“, den Anbau von Getreide und die Einsaat von Blühmischungen. Landwirtschaftsminister Özdemir wolle sogar Mineral- durch Wirtschaftsdünger ersetzen.

„Wo soll dieser Dünger denn herkommen, wenn gleichzeitig wie geplant die Tierhaltung abgeschafft werden soll?“ Mit der Protestaktion wolle er darauf aufmerksam machen, wie die Politik mit den Landwirten umgeht. F

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