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Spende überreicht - Stadtbäckerei Trabold übergibt rund 15 000 Euro Spendengelder an die Sonetschko Kinderheimhilfe Ukraine

Rolf Trabold: „Kinderaugen vergisst man nicht“

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cg
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Spendenübergabe in der Bäckerei Trabold für Menschen in der Ukraine mit Jeremy Trabold, Franca Trabold, Rolf Trabold, Petra und Robert Eidenschink. © Christian Göckel

Osterburken. Trotz liebevoller Betreuung – ein Kinderheim ist wohl nie ein normales Zuhause für die Kleinsten. Und selbst das wird Kindern in diesen Tagen nur wenige hundert Kilometer von Deutschland entfernt immer wieder genommen. Durch einen Krieg, der nicht der ihre ist, den sie nicht verstehen und dessen Opfer sie werden.

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Rolf Trabold, der Inhaber der seit 1907 bestehenden Stadtbäckerei Trabold in Osterburken, ließ das Schicksal der ukrainischen Kinder nicht kalt. Er wollte helfen. Und er fand Robert Eidenschink, den Vorsitzenden der Sonetschko Kinderheimhilfe Ukraine aus Aschaffenburg. Am Mittwoch übergab Trabold in seiner Bäckerei Robert Eidenschink einen Scheck in Höhe von rund 12 700 Euro für notleidende Kinder eines Heimes in Saporoskskja. Das Geld hatte er zusammen mit seiner Familie, Freunden, Bekannten, aber auch Kunden und Partnerfirmen in fünf Wochen gesammelt.

Das Kinderheim Sonetschko (kleiner Sonnenschein) in Saporoskskja steht jetzt – wie so viele Kinderheime in der Ukraine – leer. Die Kinder mussten fliehen. Normal beherbergt Sonetschko 300 bis 400 Kinder, vor allem zwischen 0 und 3 Jahren. Auch 80 bis 100 schwerstbehinderte Kinder aus der ganzen Ukraine finden in diesem Heim in Saporoskskja, einer Stadt mit 85 000 Einwohnern rund 550 Kilometer entfernt von Kiew im Südosten der Ukraine, eine Bleibe.

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Pro Jahr ist Robert Eidenschink einmal für zehn bis zwölf Tage vor Ort. Er ist Reallschullehrer für Mathematik und Physik in Elsenfeld. Eidenschink, ein gebürtiger Garmisch-Partenkirchner, und der Verein regeln die Beschaffung aller möglichen Dinge für den kindlichen Bedarf. 2005 begann es mit sieben Mitgliedern. Heute hat der Verein 277 Mitglieder und diverse regionale Unterstützer. Im Laufe der letzten 17 Jahre hat der Verein rund 800 000 Euro für Sonetschko gesammelt. Vor Ort hilft ein Netzwerk mit. Mit diesem zusammen kümmert sich Eidenschink auch um Einzelschicksale, organisiert Behandlungen im Kinderheim und, wenn nötig, Klinikaufenthalte. Zugleich packt er selbst mit an. So half er bei fälligen Renovierungsarbeiten.

Eidenschinks Bezug zu Sonetschko ist familiär. Vor 17 Jahren haben er und seine Frau Petra, die ihren Mann tatkräftig unterstützt, ihren Sohn von dort adoptiert. Pro Jahr werden etwa sechs Kinder in neue Familien vermittelt.

Der Krieg hatte erhebliche Auswirkungen. Zunächst hatte man Vorräte ins Kinderheim gebracht. Als die ersten Bomben fielen und in der Nähe einschlugen, brachte man die ersten 100 Kinder im März nach Lviv (Lemberg). 35 Stunden Fahrt mussten die Kinder auf sich nehmen. Daneben war die personelle Lage eine Herausforderung. Der Schichtbetrieb brach zusammen. Darüber hinaus war es für viele Kinderbetreuerinnen wegen ihrer eigenen Kinder unmöglich, die Kinder zu begleiten. Sie mussten zurückbleiben. Mit äußerster Mühe konnte eine 24-stündige Personalversorgung sichergestellt werden. Am Ende folgten alle Kinder. Ein Lkw brachte alle Sachen an den Bahnhof, alles wurde nach Lemberg mitgenommen.

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Unterkunft soll erweitert werden

Aktuelles Ziel des Vereins ist die Erweiterung der Unterkunft in Lemberg. Momentan ist diese zweieinhalbmal überbelegt. Ein Umbau und die Renovierung eines alten Schulhauses, die Bereitstellung der nötigen Einrichtung beziehungsweise der Sanitäranlagen soll das Haus bewohnbar machen. Seit Februar waren alleine 80 000 Euro für Unterkünfte und Vorräte nötig. Auch die Bediensteten, die jetzt ohne Einkommen sind, werden mit Paketen mit unter anderem Nudeln, Windeln und Öl versorgt. Momentan habe man 24 Stunden Arbeit, so Eidenschink, der auch acht Menschen aus Ukraine bei sich aufgenommen hat, darunter Kinder und Diabetiker.

In fünf Wochen hat die Firma Trabold 12668,14 Euro an Spenden zusammenbekommen. Dazu kommen noch einmal rund 2500 Euro Warenwert für bereits gekaufte Sachen hinzu. Der Inhaber Rolf Trabold möchte, dass das Geld ohne Umwege und Gebühren direkt den bedürftigen Kindern zugutekommt. Überweisungen in die Ukraine sind momentan nur zu 20 Prozent erfolgreich. Schnell war der Kontakt zu Robert Eidenschink hergestellt. „Die Lage ist unbeschreiblich, wir mussten einfach helfen“, so Rolf Trabold, der die polnische Grenzstadt Premysl besucht und sich ein Bild von der Lage gemacht hat. Im dortigen Auffanglager kommen täglich 30 000 bis 50 000 Frauen mit ihren Kindern an. Die Menschen sind auf Nahrungsmittel angewiesen, unter anderem deshalb, da die Ukraine ihren Weizen zumeist nur als Futtermehl und zur Energiegewinnung nutzt. Sauberes und warmes Wasser, hierzulande eine Selbstverständlichkeit, in der Ukraine ist es das nicht mehr. „Die Lage treibt auch in Deutschland die Preise hoch“, so Trabold, der die Erhöhung des Getreidepreises spürt.

Aber angesichts der Situation sollte man das Richtige tun, so Trabold, der die Augen der Kinder, mit denen er vor Ort zu tun hatte, nicht vergessen kann. Mit dieser Ansicht hat er nicht nur bei seinen Kindern Jeremy und Franca, sondern auch bei Robert Eidenschink offene Türen eingerannt. cg

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