Im RIO - Mit dem Bau ihres Schießkinos haben sich die Rudolphs einen Traum erfüllt / Vater und Sohn, beide Büchsenmacher, haben einen großen Erfahrungsschatz „Hier bei uns wird scharf geschossen“

Von 
Melanie Müller
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Geschäftsführer Günter Rudolph (rechts) und sein Sohn Ferdinand stammen aus einer Jägerfamilie. Beide sind gelernte Büchsenmacher. © Melanie Müller

Beim Scharfschießen an Sicherheit gewinnen – das ist das Ziel vieler Sport- oder Jagdschützen, die das Schießkino besuchen. Die FN durften hinter die Kulissen blicken – und einen Selbstversuch wagen.

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Osterburken. Übung macht den Meister. So ist es auch bei den Schützen – gerade den Jägern, die nach dem perfekten, waidgerechten Schuss streben. Schließlich sind sie zum aktiven Tier- und Naturschutz verpflichtet.

Neben dem nötigen Wissen, das sie während ihrer Jagdausbildung erlernen, braucht es für einen präzisen Schuss ausgezeichnete Schießfertigkeiten: Dazu gehören der fachkundige Umgang mit der Waffe ebenso wie saubere Haltung beim Schuss und optimale Waffenbewegung.

Im Schießkino der Familie Rudolph im Regionalen Industriepark in Osterburken kann all das realitätsnah trainiert werden. Darüber hinaus werden in dem Gebäude auf über 220 Quadratmetern Verkaufsfläche Waffen, Zieloptiken, Munition, Jagdausrüstung und Outdoor-Bekleidung angeboten.

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In der hauseigenen Büchsenmacherei optimieren Geschäftsführer Günter Rudolph und sein Sohn Ferdinand, der das Unternehmen einmal übernehmen wird, die Ausstattung. Auf Wunsch nehmen sie beispielsweise individuelle Veredelungen an Jagdwaffen vor. Diese und alle anderen können auf dem 100-Meter-Schießstand in ihrem Beisein eingeschossen werden.

Die Schießbahn im Schießkino (in Baden-Württemberg gibt es nur vier vergleichbare Einrichtungen) bietet mit einer Länge von 38 Metern nicht nur Jägern, sondern auch Polizisten, Mitarbeitern von Sicherheitsdiensten und Sportschützen optimale Voraussetzungen, um ihre Schusstechnik und Treffsicherheit zu trainieren.

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Egal ob es eine simulierte Drückjagd auf bewegte Ziele für Jäger oder eine realitätsgetreue Simulation für das Schießtraining von Behörden ist – alle können auf Distanzen von 38 bis drei Metern ihre Erfolge durch perfektes Handling ihrer eigenen Waffe (oder einer der zur Verfügung stehenden Leihwaffen) verbessern.

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„Reale und perfekt animierte Filmszenen in Verbindung mit einem hochauflösenden Treffererkennungssystem gestalten das Schießen natürlich und realistisch. 120 abwechslungsreiche, auf Jäger, Behörden, Sportschützen oder sonstige am Schießen Interessierte abgestimmte Filme, stehen zur Verfügung“, heißt es im Internetauftritt.

Übrigens: Damit das Training zum Vergnügen wird, stehen den Schützen Schießtrainer zur Verfügung, die Tipps geben und jederzeit eingreifen können, wenn ihre Unterstützung gefragt ist.

„Ein Besuch im Schießkino lohnt sich auf alle Fälle“, zieht die Frau von der Zeitung Bilanz, die das große Glück hatte, bei ihren ersten Versuchen an der Waffe mit dem Geschäftsführer Günter Rudolph und dessen Sohn Ferdinand gleich zwei Mitglieder einer Jägerfamilie zur Seite zu haben.

Beide gehen seit vielen Jahren auf die Jagd – und haben daher einen großen Erfahrungsschatz.

„Sicherheit ist das oberste Gebot“, erzählen sie, während sie mir einen Blick hinter die Kulissen gewähren. Dabei betonen sie, dass Schießen ein Hochleistungssport ist, der Frauenanteil bei den Jägern stetig zunimmt und die Übungsarten in ihrem Schießkino vielfältig sind.

„Hier wird scharf geschossen“, erklärt Günter Rudolph mir – und fügt hinzu: „Nicht nur zur Fastnacht kann man bei uns einen Treffer landen“.

Dann geht es auch schon los. Zunächst darf ich mit einer Repetierbüchse „Blaser R 8 im Kaliber .308 Win“ ohne Munition mein Ziel anvisieren.

Gar nicht so einfach, mit dem vier Kilogramm schweren Gewehr, das sich – für mich natürlich völlig ungewohnt – irgendwo zwischen Oberarm und Schulter seinen Platz sucht. Im Idealfall, so erfahre ist, sollte es fest an der schießenden Schulter angesetzt werden.

Das Gewehr halten und das Ziel – in meinem „Fall“ ein Wildschwein, das von links nach rechts marschiert – zu treffen, ohne dass es wieder von der Leinwand verschwindet, gestaltet sich schwieriger als gedacht.

Aber: Mit Unterstützung von Ferdinand und Günter Rudolph schaffe ich es, das Gewehr einigermaßen ruhig zu halten und einen ersten Schuss abzugeben. Ziel verfehlt.

Beim zweiten Mal darf ich mit Munition schießen – aber erst, nachdem wir schallschützende Kopfhörer aufgesetzt haben. Wieder vorbei. Dennoch ein wenig besser. Was allerdings den Schmerz, den der Rückschlag an meinem Oberarm ausgelöst hat (der Schaft „saß“ wohl doch nicht fest genug an meiner Schulterbeuge), nicht ganz vergessen macht. Mein Ehrgeiz ist geweckt. Erneut ziele ich – und warte darauf, dass das Wildschwein auf der Leinwand erscheint. Da kommt es (wie ich später erfahre in einer sehr gemächlichen Filmvariante) von links auf die Leinwand „getrottet“. Jetzt alles geben. Schuss. Treffer.

Laut Günter Rudolph habe ich das bewegte Ziel – in meinem Fall ein Wildschwein – direkt ins Herz getroffen. Staunen. Glücksgefühl. Und der Wunsch, bald wieder ins Schießkino nach Osterburken zu fahren, um dort anzusetzen, wo ich aufgehört habe. Bluterguss am Oberarm hin oder her. Übung macht schließlich den Meister.

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