Kulturkommode Osterburken stellt Jahresprogramm 2023 vor

Gastspiel von Schwester Cordula

Wieder sechs kabarettistische und musikalische Highlights geplant

Von 
Martin Hammer
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Jontef tritt bei der Kulturkommode auf. © Silvia Langer

Osterburken. Drei schwierige Corona-Jahre liegen hinter dem Kleinkunst- und Kulturverein „Kulturkommode Osterburken, so wie hinter allen in der Kulturbranche tätigen ehrenamtlichen und professionellen Veranstaltern. Es galt, festgelegte Termine abzusagen oder zu verschieben, Konzerte neu zu organisieren und gewohnte Abläufe umzuplanen.

Dies scheint den Verantwortlichen der Kulturkommode, nicht zuletzt durch den „Umzug“ in die Baulandhalle, sehr gut gelungen zu sein, denn entgegen dem allgemeinen Trend waren die Veranstaltungen im vergangenen Jahr in Osterburken ausnahmslos erfreulich gut besucht. Der Dank gilt hier dem treuen Publikum, welches stets eben nicht nur der künstlerischen Auswahl des Leitungsteams vertraut, sondern auch dessen verantwortungsvoller und engagierter Organisation.

Sechs Höhepunkte

Und so werden im Programmjahr 2023 endlich wieder sechs Kleinkunst-Highlights die Kulturfreunde begeistern. Ob Philipp Weber den Durst mit „Warten auf Merlot“ löschen kann, wie „Instagrammatik“ mit Herrn Schröder gewitzte Einblicke in moderne Schulformate gewährt oder ob Schwester Cordula musikkabarettistisch weiterhin an ihren Eid gebunden ist – man wird es erfahren. Bestens bekannte Songwriter aus dem Norden und dem Westen Europas sowie mitreißende Klezmermusik runden die spannende Veranstaltungsreihe ab.

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Den Auftakt des Jahresprogramms macht der Kabarettist Philipp Weber am 4. März. Er bringt Klarheit in die trüben Gewässer globaler Trinkkultur: „Durst – Warten auf Merlot“ ist ein furioses Meisterwerk der komischen Volksaufklärung. Der studierte Chemiker und Biologe hat sich mit Leib und Leber dem Wohl des Publikums verschrieben. Noch nie waren seine Themen so brennend aktuell!

Aber Weber will mehr: lachende Gesichter, glückliche Menschen und eine bessere Welt. Denn es gibt einen Durst, den stillt kein Getränk der Welt. Das schafft allein: der Humor! Es dauert keine fünf Minuten, bis der Gewinner des Deutschen Kleinkunstpreises sowie des Deutschen Kabarettpreises das Publikum in Hochstimmung versetzt hat. Pausenlos lässt der Turboquassler die Pointen prasseln.“ (Süddeutsche Zeitung)

Herr Schröder kommt

Herr Schröder kommt am 22. April mit seinem aktuellen Programm „Instagrammatik – Das streamende Klassenzimmer“ in die Baulandhalle. An der Helene-Fischer-Gesamtschule hat sich für den staatlich geprüften Deutschlehrer vieles verändert: Der Medienwagen hat Netflix, Schulbücher gibt es als Podcast, bettlägerige Schüler werden per Livestream zugeschaltet, und außerdem ist freitags jetzt immer frei und den Lehrermangel gleichen Youtube-Tutorials aus.

Doch obwohl alles neu ist, manche Dinge sind beim Alten geblieben: Der Kopierer meldet Papierstau ohne Rettungsgasse, im Tafelschwamm paaren sich Einzeller und auf dem Lektürestapel „Effi Briest“ liegt der Kreidestaub.

Die Zuschauer können sich auf eine Doppelstunde Nachsitzen Deluxe freuen. Aber keine Sorge: Nichts ist von alledem klausurrelevant und, wenn alle gut mitarbeiten, macht Herr Schröder fünf Minuten früher Schluss.

Am Samstag, 17. Juni, macht endlich wieder einmal Mike Silver Halt in Osterburken. Wenige Künstler standen hier so oft auf der Bühne und hinterließen ein derart begeistertes Publikum wie der sympathische Brite. Und doch ist es tatsächlich schon beinahe 20 Jahre her, dass seine Fans den gleichermaßen berührenden wie mitreißenden Songs eines der besten englischen Songwriter lauschen durften.

Schwermütiger Blues

Mike Silver hat die Fähigkeit, mit Balladen, Rock ‘n’ Roll-Anleihen und schwermütigem Blues das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Gekonntes Fingerpicking sowie die einfühlsame Gesangsstimme sind dabei seine Markenzeichen. Mike Silvers Musik trifft den Zuhörer ins Herz, weil sie aus dem Herzen kommt. Wer ihn tatsächlich noch nicht gehört hat, sollte ihn spätestens jetzt kennenlernen.

Nach der Sommerpause ist Svavar Knútur am 16. September zu Gast bei der Kulturkommode. Der aus Nordwest-Island stammende Songwriter erzählt mit „watteweicher, nordisch entrückter Folkmusik“ vom harten, aber nicht freudlosen Leben der Menschen am rauen isländischen Westfjord. Langen Winternächten und der ihnen gegenüberstehenden Schlaflosigkeit einer 24 Stunden scheinenden Sommersonne verleiht der vielseitige Sänger und Gitarrist in isländischen und englischen Texten Ausdruck.

Sein außergewöhnliches Talent des Geschichtenerzählens gepaart mit einer charismatischen Persönlichkeit und berührenden Songs machen die Konzerte von Svavar Knútur zu einer emotionalen Achterbahn, welche die Zuhörer so schnell nicht wieder loslassen wird.

Seit mittlerweile 35 Jahren zählt Jontef zu den herausragenden Vertretern der europäischen Klezmer-Szene. Auch in ihrem Jubiläumsprogramm wird das Quartett am Samstag, 14. Oktober, durch Lieder, Geschichten und die virtuose Beherrschung ihrer Instrumente die überschäumende Lebensfreude, den augenzwinkernden Humor und die Melancholie des jiddischen Schtetls wieder zum Leben erwecken.

Jontef ist damit die einzige Klezmer-Gruppe in Deutschland, die in dieser Weise Wort und Musik verbindet. Das Repertoire von Jontef umfasst die ganze Bandbreite der osteuropäischen Klezmermusik: Mitreißende Instrumentalnummern, humorvolle und melancholische Lieder mit Klarinette, Violine und Kontrabass, in denen Wehmut und Ausgelassenheit diese unnachahmliche Verbindung eingehen, deren Charme sofort gefangen nimmt. Zudem gilt der in Israel gebürtige Sänger und Schauspieler Michael Chaim Langer als der momentan bedeutendste authentische Vertreter der jüdischen Erzählkultur in Deutschland.

Schwester Cordula liebt Arztromane. Dutzende dieser literarischen Perlen hat sie verschlungen und die Essenzen von Herz-Schmerz, Intrigen und Weißkittel-Kitsch zum ultimativen Heftroman zusammengebraut, den sie am Samstag, 18. November, präsentiert. Zwei Stühle und ein Groschenheft – mehr braucht sie nicht, um den Saal zum Toben zu bringen. Die Berliner Schauspielerin Saskia Kästner schlüpft als Schwester Cordula in Sekundenbruchteilen in verschiedenste Rollen und verabreicht ihrem Publikum ein zwerchfellerschütterndes, Glückseligkeit spendendes Elixier, ganz nach dem Motto: Heile Welt fürs kranke Gemüt. Bei ihrem virtuosen Spiel wird Saskia Kästner kongenial begleitet von ihrem musiktherapeutischen Langzeit-Zivi Dirk Rave am Akkordeon, mit dem sie sich durch das passende Liedrepertoire singt. Schwester Cordula ist also viel mehr als eine Lesung. Und unglaublich komisch.

Kein Flyer

Das Leitungsteam der Kulturkommode hat beschlossen, auch in diesem Jahr keinen gedruckten Flyer zu verteilen, sondern diesen nur auf ihrer Homepage (www.kulturkommode.de) zum Download zur Verfügung zu stellen. Als Geschenkidee wird dort auch wie bisher der Kulturkommode-Gutschein zur Bestellung angeboten. Die Eintrittskarten sollen aus organisatorischen Gründen weiterhin nur im Vorverkauf – etwa vier Wochen vor dem jeweiligen Programmtermin – über das Bestellformular auf der Homepage der Kulturkommode erworben werden. Gegebenenfalls sind Restkarten an der Abendkasse erhältlich. Auf der Homepage sind natürlich auch immer alle aktualisierten Informationen zu den jeweiligen Veranstaltungen zu finden.