Land und Leute - Antje Wiegman stellt in ihrer Manufaktur in Osterburken Naturseifen, Tinkturen und Kräutersalben von Hand her / Auch Teemischungen hat die 41-Jährige im Angebot Die „Seelenheilanstalt“ – ein Ort zum Wohlfühlen

Von 
Melanie Müller
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Umgeben von duftenden Naturseifen und Co. ist in Antje Wiegmans „Seelenheilanstalt“ Wohlfühlen möglich. Während man eine Tasse Kräutertee oder Kaffee trinkt, tauscht man sich ganz nebenbei über die Produkte aus ihrer Manufaktur aus. © Melanie Müller

„Wenn du etwas beginnst, es geht ein paar Mal schief – aber du bleibst trotzdem dabei, dann ist es ein Hobby“, sagt Antje Wiegman. In ihren Produkten verarbeitet sie Kräuter, die sie selbst gesammelt hat.

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Osterburken. „Eine Einrichtung zu schaffen, in der man sich wohlfühlen darf“, das war das Ziel von Antje Wiegman, die vor zwei Jahren in der Osterburkener Friedrichstraße ihre „Seelenheilanstalt“ eröffnet hat. Dort bietet sie Produkte an, „die die Seele umarmen“: Naturseifen, Tinkturen, Salben, Kräuterwerk, Badekosmetik, Räucherzubehör, aber auch Accessoires – alles „handgemacht“ und – darauf legt sie Wert – aus der Region.

Im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten erinnert sie sich an die Anfänge. Gerade wegen des besonderen Namens und der Ankündigung – „Hier eröffnet bald eine Seelenheilanstalt“ – seien zunächst „diverse Vermutungen“ angestellt worden. Als dann eröffnet war und die ersten Kunden „ihr Näschen hier reingesteckt“ hatten, sei schnell klar gewesen, dass es „kein Esoterikladen“ ist.

„Seelenheilanstalt“ – der Name „kam irgendwann und ging nie wieder weg“, so Wiegman, die sich als „kreativen Kopf“ bezeichnet, der Sprachspiele mag. Die 41-jährige Mutter von drei Töchtern (fünf, sieben und 21 Jahre alt) wurde in Stralsund geboren. Nach Stationen in Berlin, Köln und Heilbronn zog sie 2015 nach Osterburken. Der Grund? „Hier war eine Wohnung frei.“

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Als alleinerziehende Mutter habe sie sich mit vielen verschiedenen Jobs „über Wasser gehalten“. Erst nach dem Umzug aus einem Betonklotz und dem Einzug in das neue Zuhause in der Römerstadt habe sie sich intensiv mit Kräutern und deren Wirkung auseinandergesetzt.

Das Ländliche „hat mir wieder Horizonte geöffnet“, denkt sie lächelnd an ihre ersten, ausgedehnten Spaziergänge mit ihren Kindern zurück. „Wir sind gerne im Wald, auf der Wiese, beim Kräutersammeln“. Für sie sei „die unglaubliche Wirkung, die die Natur auf den Menschen haben kann“, faszinierend. Gerade „weil wir alle aus der Natur sind“, spreche der Mensch so gut auf Naturprodukte an.

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Besonders intensiv auseinandergesetzt hat sich Wiegman, die sich selbst mit einem Augenzwinkern als „eine Hexe in Osterburken“ bezeichnet, mit Kräutern und deren Wirkung.

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Im Histotainment-Park Adventon hat sie ihr erstes „Seifenbuch“ erworben. Wenig später, im Winter 2015, habe sie in ihrer Küche die erste Seife selbst hergestellt. „Es hat funktioniert“, strahlt sie und fügt hinzu, dass sie daraufhin viel experimentiert habe. „Wenn du etwas beginnst, es ein paar Mal schief geht, du aber dabei bleibst, dann ist es ein Hobby.“ Gerade mit Blick auf die ersten Versuche freut sie sich, dass sie dran geblieben ist und daraus „eine Leidenschaft, gar eine Liebschaft“ geworden ist.

Für den Laien erklärt sie, wie in ihrer Manufaktur eine Naturseife entsteht: Feste Fette (Sheabutter, Kokosöl oder Palmfett) und flüssige Öle (Olive, Jojoba oder Raps) werden mit Lauge verrührt und „reagieren“ dadurch („ein gefährlicher Prozess“). Dem so entstandenen Seifenleim werden nach Belieben Farbe und Duft hinzugefügt, bevor er für 24 Stunden in Formen gegossen wird. Nach dem Trocknen steht das Reifen an, für das gut und gerne vier bis zwölf Wochen verstreichen. Bei Zimmertemperatur und wie bei einem Käse. Dabei neutralisiert sich der PH-Wert. Liegt dieser zwischen sieben und neun – dann halte man ein Stück Naturseife in der Hand, das sich auch so nennen dürfe, denn: Es wurde handgesiedet, kaltgerührt und zertifiziert.

Übrigens: Dass in ihrer Manufaktur sauber und ordentlich gearbeitet wird, kontrollieren regelmäßig Veterinäramt und Lebensmittelüberwachung. Und: Selbstverständlich dürfen ihr auch die Kunden bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen oder sogar selbst ihre Seifen kreieren. Dass Antje Wiegmann in der Römerstadt mittlerweile „bekannt wie ein bunter Hund“ ist, liegt nicht nur an dem, „was ich mache“, oder an ihrem etwas anderen Aussehen – mit ihren Piercings und ihrer Frisur – sondern vor allem an ihren Naturprodukten, die tatsächlich wirken. Was die Stammkunden bestätigen. Die gerne auch mal „was Neues“ ausprobieren – und dann wiederkommen, denn: „Das hilft“, wie eine Mitt-Vierzigerin verrät, die sich gerade eine „Frauenwohltinktur“ gekauft hat. Zu einem fairen Preis, wie sie hinzufügt.

Übrigens: Während die 41-Jährige den FN Rede und Antwort steht, geht nicht nur einmal die Türe ihres Ladens auf. Immer wieder schaut jemand herein, grüßt freundlich, man umarmt sich, trinkt einen Kaffee oder Tee miteinander. Es wird erzählt und man tauscht sich ganz nebenbei über die Produkte aus. „Handcreme geht am besten, aber auch Dusch- und Haarseife“, erfahren wir. Und: Als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt, läuft Antje Wiegman in ihrer „Seelenheilanstalt, einem Ort, an dem man sich wohlfühlen darf“, zu einem der Regale, holt eine „Schwedenkräutersalbe“ heraus und drückt sie der Kundin in die Hand, die über Schmerzen im Bein klagt. „Versprichst Du mir, das immer schön abends einzureiben?“

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