Kreistagssitzung in Mosbach - Neubau des Ganztagsgymnasiums wird angestrebt / Geplante Sanierung wurde verworfen / Verfahren zur Aufgabe des Gebäudes wird eingeleitet „Das GTO gehört zu Osterburken wie die Römer“

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Sabine Braun und Sabine Braun
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Das Ganztagsgymnasium Osterburken soll abgerissen und neu gebaut werden. Das hat der Kreistag in seiner Sitzung am Mittwoch beschlossen. © Melanie Müller

Einhellig nahm der Kreistag in seiner Sitzung in Mosbach Abschied von der eigentlich geplanten Sanierung des Ganztagsgymnasiums Osterburken. Favorisiert wird stattdessen ein Neubau.

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Mosbach/Osterburken. Nachdem die Kosten für die Sanierung des Ganztagsgymnasiums Osterburken (GTO) mit aktuell 27 Millionen Euro ins Unbezahlbare steigen, wird die bereits beschlossene Sanierung unrealisierbar. Hintergrund der Kostensteigerung waren unter anderem neue Anforderungen an den Brandschutz und die festgestellte Schadstoffbelastung (die FN berichteten).

Gleichzeitig wurde klar, dass die nötigen Arbeiten unter laufendem Schulbetrieb nicht in zwei, sondern in mindestens vier Abschnitten durchgeführt werden müssten, was das Projekt nicht nur verteuert und verzögert, sondern schlicht unmöglich macht. Diese Argumente bewegten zunächst den zuständigen Ausschuss (bei einer Gegenstimme) und nun den Kreistag dazu, sich für einen Neubau zu entscheiden.

„Dieser Tagesordnungspunkt hat weitreichende Auswirkungen für die Schule, aber auch für unseren Landkreis insgesamt“, erklärte Landrat Dr. Achim Brötel zum Auftakt der Sitzung. Groß war das Interesse am Thema. So waren auch die GTO-Leiterin, Oberstudiendirektorin Regina Krudewig-Bartel, und ihr Stellvertreter, Studiendirektor Uwe Rossa, mit Kollegen vor Ort.

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Noch einmal wies Brötel daraufhin, dass die Schule – „ein Aushängeschild des Kreises“ – in die Jahre gekommen sei. Dass Handlungsbedarf bestand, war klar. Doch die sich im Januar abzeichnende Kostenentwicklung sei „eine finanzielle Katastrophe“. Dann stellte Brötel die Szenarien für die Trägerschaft eines Neubaus vor, wobei die Stadt Osterburken, der Landkreis selbst oder ein Verbund in Frage kämen.

Ausführlich erläuterte er das für einen Neubau nötige Vorgehen mit Aufgabeverfahren, Raumprogramm, Architektenwettbewerb und Zuschussbeantragung.

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Architektin Dea Ecker vom Büro Ecker Architekten fasste das bisherige Vorgehen zusammen und erläuterte, welche Schritte und Kostenvoranschläge das Team der Planer im vergangenen halben Jahr erarbeitet hatte. Das reicht von Lösungen für eine neue Außenhülle (11,2 Millionen Euro), für die künftige Raumaufteilung und die barrierefreie Erschließung (sieben Millionen Euro) bis hin zum Brandschutz (1,5 Millionen Euro), der Schadstoffbeseitigung (2,4 Millionen) und der Wiederherstellung des Geländes (fünf Millionen Euro). Zur Summe von gut 27 Millionen Euro könnten durchaus noch weitere Kosten dazukommen, erläuterte die Architektin.

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Dieser Kalkulation stellte sie die voraussichtlichen Kosten eines Neubaus gegenüber: Abbruch knapp 3,4 Millionen, Gebäudeneubau 19 Millionen, Herrichtung Außengelände und Kleinsportanlage 4,4 Millionen Euro, in der Summe 27 Millionen Euro. Dazu gäbe es voraussichtlich 13 Millionen Zuschuss. Fazit: „Der Neubau ist möglicherweise günstiger als die Sanierung“, so Ecker. Angesichts dieser Zahlen müssten die Planer einen Neubau empfehlen.

So sahen es auch die Sprecher aller Fraktionen – selbst die „bekennende GTO-Anhängerin“ Heide Lochmann, welche nochmals die besondere Atmosphäre des Baus lobte, musste feststellen, dass dieser nicht zu halten sei.

Karl Heinz Neser (CDU) sprach angesichts der anstehenden Kosten von einem „finanzpolitischen GAU“. Er warf einen Blick in die Geschichte der 1965 errichteten Schule. Damals gehörten einige heute außerhalb des Landkreises liegende Kommunen im GTO-Einzugsgebiet noch zum Kreis Buchen. Eine „spannende Zeit“ stehe jetzt bevor, wenn man sich auf die Suche nach der Trägerschaft mache. Auch das sahen alle Sprecher ähnlich und forderten, beim Hohenlohekreis und beim Land, das die Modellschule einst finanzierte, nach Unterstützung zu fragen. Valentin Knapp (FWV) forderte, jede Möglichkeit der Mitfinanzierung auszuschöpfen.

Klares Bekenntnis zum Standort

Ebenso klar war für alle Fraktionen, dass der Standort nicht in Frage steht. Hinterfragen müsse man aber, so Neser, ob der NOK für Schüler aus anderen Kreisen bauen müsse.

Wenn man diese ausgrenze und eine kleinere Schule baue, spare man zwar Baukosten, doch auch der Zuschuss und die späteren Sachkostenbeiträge sinken dann, warnte Dorothee Roos (Grüne). Der Eigenanteil sei dann möglicherweise kaum kleiner, doch pädagogische Qualitäten gingen verloren. Kreisrat Achim Walter (FDP) prognostizierte für den Neubau Kosten von eher 30 Millionen Euro, wozu der Landrat nickte, und wollte über die jährlichen Unterhaltskosten informiert werden – so wie Simone Heitz über alle anstehenden finanziellen Risiken für den Kreis. Auf mehrere 100 000 Euro bezifferte Kreiskämmerer Michael Schork auf Nachfrage aus dem Gremium die bisher verausgabten Planungskosten. Nach einem Hinweis von Amelie Pfeiffer versicherte der Landrat, dass man die Schadstoffbelastung der Raumluft auch in Zukunft ständig kontrollieren werde.

Kreisrat und Standortbürgermeister Jürgen Galm zeigte sich „noch immer geschockt und fassungslos“. Das Gymnasium gehöre zu Osterburken „wie die Römer und der Bahnhof“. Die Stadt werde ihr Möglichstes tun, der Bedeutung als Schulstandort gerecht zu werden – auch wenn es mit der Leistungsstärke Osterburkens nicht so rosig aussehe, wie der Landrat es zuvor dargestellt habe. Galm monierte zudem eine unrühmliche Schulpolitik, welche Schülerströme falsch lenke.

„Aufgrund der Kostenentwicklung hält der Kreistag die geplante Sanierung des Hauptgebäudes am GTO für nicht realisierbar“, so der am Ende ohne Gegenstimme bei vier Enthaltungen (darunter Standortbürgermeister Jürgen Galm) gefasste Beschluss. Weiter wurde die Verwaltung bei einer Gegenstimme und fünf Enthaltungen beauftragt, ein Aufgabeverfahren für das Hauptgebäude inklusive der Hausmeisterwohnung und des musischen Trakts einzuleiten und anschließend die Genehmigung des Raumprogramms für einen Neubau zu beantragen. Die endgültige Entscheidung über einen möglichen Neubau trifft der Kreistag nach Kenntnis des genehmigten Raumprogramms.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Buchen

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