Hohenloher Zentralarchiv - Tag der offenen Tür am Samstag, 30. März / Schau-Restaurieren des Instituts für Erhaltung Wie rettet man ein Siegel, das zum Puzzle wurde?

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Neuenstein. Beim Tag der offenen Tür des Hohenlohe-Zentralarchivs in Schloss Neuenstein am 30. März führen Mitarbeiter des „Instituts für Erhaltung“ (IfE) ein „Schau-Restaurieren“ durch. Ihnen kann von 11 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 16 Uhr bei der Siegel-, Pergamenturkunden- und Papierrestaurierung über die Schulter gesehen werden.

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Der Zahn der Zeit macht auch vor dem Wort eines Kaisers nicht Halt. So sind die letzten 365 Jahre nicht ganz spurlos an der Urkunde vorbeigegangen, die unter der Signatur „Oe 1 U 221“ im Hohenlohe-Zentralarchiv in Neuenstein aufbewahrt wird. Vor allem das große, rot gefärbte Bienenwachssiegel Kaiser Ferdinands III. (1608 – 1657) hat es erwischt: Es ist in etwa 30 Einzelteile zerbrochen. Für solche Fälle ist in Baden-Württemberg das Institut für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut (IfE), eine Abteilung des Landesarchivs Baden-Württemberg, zuständig. Wie rettet man ein Siegel, das sich in ein Puzzlespiel verwandelt hat?

In einem ersten Schritt wird der Ist-Zustand des Siegels fotografisch dokumentiert. Besonders bei stark beschädigten Stücken mit vielen Fehlstellen wird zum Vergleich eine Abbildung des vollständigen Siegels aus anderen Quellen herangezogen. Anschließend werden alle Einzelteile trocken und nass gereinigt, um den Nährboden für eine spätere Schimmelbildung zu entfernen.

Erst jetzt geht das eigentliche Puzzeln los. Grundlage ist die so genannte Siegelschüssel, ebenso aus Bienenwachs gefertigt, die aus den verschiedenen Einzelteilen zusammengelegt und dann mit einer heißen Nadel an den Bruchstellen erhitzt wird, so dass man das angeschmolzene Wachs wieder zusammenfügen kann. Das letzte Stück ist dabei genauso wie bei einem anderen 3-D-Puzzle das schwerste. Ist das geschafft, kommt der eigentliche Siegelabdruck im roten Wachs an die Reihe.

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Wie bei einem normalen Puzzle beginnt man auch bei einem Siegel am Rand oder mit markanten, gut sichtbaren Strukturen. Aneinanderstoßende Bruchkanten können wieder mit einer heißen Nadel „verschweißt“ werden.

Aber – ganz wie beim herkömmlichen Puzzle – fehlt auch beim Siegel-Puzzle nach so langer Zeit häufig das eine oder andere Teil. Diese Lücken müssen ergänzt werden, und dazu wird eine Wachs-Harz-Mischung ähnlich der zeitgenössischen Rezeptur verwendet. Durch die fehlende Prägung sind die hinzugefügten Bereiche klar als nicht original erkennbar. Ein späterer Betrachter soll problemlos erkennen können, welche Partien des Siegels erst durch die Restaurierung angefügt wurden.

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Die Restaurierung des Siegels, mit dem Kaiser Ferdinand III. 1654 seine Urkunde versehen ließ, hat rund 20 Stunden, davon allein drei Stunden für die Reinigung, in Anspruch genommen.

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Mit „Oe 1 U 221“ ist ein weiteres Zeugnis der hohenlohischen Geschichte für die Zukunft gesichert worden.