Stadtwald Niederstetten - Leiter des Kreisforstamtes Karlheinz Mechler zeichnete bei der Vorstellung des Betriebsplans 2021 vor dem Gemeinderat ein düsteres Bild „Wald wird gegrillt, Bäume verdursten“

Von 
Bettina Semrau
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Dunkle Zeiten angebrochen: Drei Jahre Trockenheit und Hitze haben den Wald auch in Niederstetten in eine „bedrohliche Lage“ gebracht, sagte Karlheinz Mechler vom Kreisforstamt bei der Vorstellung des Niederstettener Forstwirtschaftsplans für 2021. © Bettina Semrau

Die Worte von Forstdirektor Karlheinz Mechler machen besorgt: „Der Wald ist in einer bedrohlichen Lage“, stellte er fest. Drei Jahre Hitze und Trockenheit haben zerstörerische Spuren hinterlassen.

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Niederstetten. Lange Trockenphasen, Hitzeperioden und ein Niederschlagsdefizit haben den Wald in Mitteleuropa in eine „kritische Lage“ gebracht, stellte der Leiter des Kreisforstamtes bei der Vorstellung des Betriebsplans für den Stadtwald Niederstetten im Forstwirtschaftsjahr 2021 fest. Die Folge: „Der Wald wird gegrillt, die Bäume verdursten“.

Geschwächte Bäume und die Wärme bieten Schädlingen wie Käfern, Raupen und Pilzen ideale Bedingungen. Fichten und Buchen sind dabei besonders betroffen. Für die Forstwirtschaft ist das eine große Herausforderung, denn manchmal – wie beim Borkenkäfer – muss schnell gehandelt werden, „um eine Massenvermehrung zu verhindern“.

Ist ein Baum erst einmal abgestorben, zersetzen sich seine Krone und die Wurzeln rasch und er droht umzustürzen. „Davon geht eine hohe Gefährdung aus“, warnt Mechler. Bislang, so der Forstdirektor, lag Niederstetten am Rand des regionalen Schadensschwerpunktes Bad Mergentheim und Igersheim. Doch inzwischen breite sich das Gebiet zunehmend nach Osten, also Weikersheim und Niederstetten, aus.

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Für die Förster bedeute dies, dass fast der gesamte Holzeinschlag in diesem und im nächsten Jahr aus geschädigten und absterbenden Bäumen erfolge. Das kostet sehr viel und wird nicht durch die Holzerlöse ausgeglichen, da für Schadholz keine guten Preise zu erzielen sind. Jetzt müsse die Devise lauten: „Schlimmeres verhüten, aufräumen und neu aufbauen“. Dabei müsse der Schwerpunkt auf der Begründung neuer klimastabiler Waldbestände liegen. Zum Glück gebe es vom Gesetzgeber eine „üppige Förderung für Schadensbehebung und junge Bestände“.

Wie die seit Anfang Januar für den fast kompletten Bezirk Niederstetten zuständige Försterin Edeltraud Wirth anschließend ausführte, wurden 2020 in Niederstetten bislang 1466 Festmeter Holz eingeschlagen wegen Sturm, Borkenkäfer, Pilzen und Dürre. Gepflanzt worden seien 4500 Bäume auf 1,1 Hektar, die durch Zäune geschützt wurden. Neben der Kultursicherung, also dem Ausmähen, auf 7,7 Hektar war man mit der Schwammspinnerbekämpfung und weiteren Sonderaufgaben wie dem Einsammeln von Borkenkäferholz beschäftigt. Für 2021 sei mit der Holzernte schon begonnen worden, um die trockene Witterung auszunutzen. Mit dem Holzeinschlag von 1050 Festmetern sei man schon fertig, der Rest werde Käferholz sein. Geplant ist eine Aufforstung im Eichle, Schlossgraben und Reutal, die Pflege von Jungbeständen sowie Wegesanierung. Belief sich das Defizit 2020 noch auf 4500 Euro, so sei 2021 mit einem Minus von 19 600 Euro zu rechnen.

Redaktion