Ornithologie - Wolfgang Dornberger hat eine wissenschaftliche Ausarbeitung zur Biologie der Goldammer veröffentlicht Monumentale Studie begeistert Fachwelt

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sem/pm
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Ornithologie ist das Steckenpferd von Wolfgang Dornberger. Seit nunmehr 43 Jahren beschäftigt sich der 67-jährige langjährige Niederstettener CDU-Stadtrat mit der Goldammer.

Die am Kopf leuchtend gelb gefärbte Goldammer steht in manchen Gegenden schon auf der Roten Liste. © dpa
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Niederstetten. Die Goldammer, deren wissenschaftlicher Name „Emberiza citrinella“ ist, ist ungefähr so groß wie ein Spatz. Doch bisher waren wissenschaftlich fundierte Details über die Art, deren Männchen durch den leuchtend gelb befiederten Kopf und den zimtbraunen Bürzel auffallen, eher rar. Die sind bei so kleinen Vögeln auch eher selten, erläutert Wolfgang Dornberger im Gespräch mit den FN, größere Vögel würden dagegen weitaus häufiger beobachtet und dokumentiert.

Im „Ornithologischen Anzeiger in Bayern“ wurde jetzt der Extrakt aus Dornbergers jahrzehntelanger wissenschaftlicher Arbeit veröffentlicht: eine Ausarbeitung zur Untersuchung der „Biologie der Goldammer in Hohenlohe-Franken“. Die Fachwelt ist begeistert, wie Dornberger anhand einiger Kommentare ihm bekannter Ornithologen belegt.

Die Goldammer ist eine Art, die sich in ihrer Weltverbreitung stark auf Europa konzentriert. Deshalb sind jahrzehntelange Studien, wie sie Dornberger betrieben hat, von ganz besonderem Interesse. Freilandstudien von solcher Gründlichkeit, Beharrlichkeit und Ausdauer gibt es fast nur noch im Bereich der Amateurforschung im besten Sinne. Dafür sind die Untersuchungen von Dornberger ein herausragendes Beispiel. Doch schon in früheren Jahrhunderten hatte die Vogelkunde in Niederstetten Tradition. So gehörte der am 21. Januar 1873 in Niederstetten geborene Pfarrerssohn Walter Bacmeister zu den württembergischen Ornithologen der ersten Stunde. Mit seinem „Verzeichnis des vogelkundlichen Schrifttums in Württemberg“ entstand eine der ersten Zusammenfassungen über die Vogelwelt des Landes. Diese frühe Verbundenheit zur Vogelkunde schlug sich in der Gründung einer Ortsgruppe des „Bundes für Vogelschutz“ im Jahre 1910 nieder. Wolfgang Dornberger ist seit 1990 Beiratsmitglied der Ornithologischen Gesellschaft Bayern und seit der Gründung der Ornithologischen Gesellschaft Baden-Württemberg im Jahre 2005 ebenfalls Beiratsmitglied. Im Jahre 1990 erhielt er zusammen vier Fachkollegen den von der deutschen Ornithologischen Gesellschaft ausgelobten Förderpreis für die beste wissenschaftliche Arbeit zum Thema Vogelschutz und Feldornithologie.

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Dornberger beobachtet bereits seit dem Jahr 1967 Vögel und hat seither über 150 wissenschaftliche Abhandlungen in verschiedenen deutschsprachigen Zeitschriften veröffentlicht und jetzt eben im Ornithologischen Anzeiger in Bayern. Diese Veröffentlichung ist für ihn ein „Ritterschlag“, denn die 30 Druckseiten umfassende wissenschaftliche Arbeit wurde in der im Februar erschienenen Jubiläumsausgabe zum 100-jährigen Bestehen der Zeitschrift abgedruckt. Dornberger wurde sogar persönlich zur Jubiläumsveranstaltung mit Symposium in die Zoologische Staatssammlung nach München eingeladen.

Wer Dornbergers Ausarbeitung liest, erfährt, dass er in insgesamt 43 Untersuchungsjahren zwischen 1975 und 2017 die Bestandsentwicklung der Goldammer auf einer 200 Hektar großen Fläche bei Niederstetten untersucht hat. Er fand heraus, dass sich die Brutperiode des Vogels über sechs Monate, von Anfang April bis Mitte September, erstreckt und dass er seine Nester überwiegend in Sträuchern baut. Im beobachteten Gebiet zählte er 180 so genannte „Vollgelege“, in denen sich zwischen eins bis sechs Eier – im Mittel vier Eier – befanden. Die Goldammer brütet durchschnittlich 13 Tage, rund elf Tage beträgt die „Nestlingszeit“. Zwar waren in seinem Beobachtungszeitraum rund 60 Prozent aller Nester erfolgreich, aber nur bei der Hälfte der gelegten Eier wurden die Jungen auch flügge. So fand Dornberger heraus, dass etwas mehr als drei Junge pro Nest auch ausflogen. Die meisten Jungen sterben durch so genannte „Nestverluste“ (38,9 Prozent), Nesträuber (32,8 Prozent) oder durch die Witterung. Auch in der Fachwelt ist Dornbergers Arbeit auf großes Interesse gestoßen. So schrieb Dr. Kiyoaki Ozaki, der Direktor des „Yamashina Institutes für Ornithologie“ in Japan, dass es sich bei Dornbergers Ausarbeitung seiner Einschätzung nach um eine der längsten Studien eines Forschers bezüglich einer speziellen Spezies handelt. Und der promovierte Ornithologe Dr. Karl Schulze-Hagen spricht von einer „großartigen Arbeit“ und einem „substanziellen Teil“ von Dornbergers Lebenswerk. Phil J. Belman, Mitarbeiter des „British Trust for Ornithology“, der größten ornithologischen Vereinigung in Europa, lobt die „monumentale Studie“ und beglückwünscht Dornberger zu seiner „Gründlichkeit“.

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Besonders gefreut hat ihn, dass jetzt auch die Deutsche Post auf die Goldammer aufmerksam macht. In ihrem aktuellen Philatelie-Journal „postfrisch“ kann man nachlesen, dass der zierliche Singvogel die weltweit begehrte deutsche Briefmarken-Ausgabe der Serie „Europa“ ziert. sem/pm