Freilichttheater im "Tempele" - Land Baden-Württemberg zeichnet Niederstettener "Sommernachtstraum" als herausragende und wegweisende Produktion aus Kunststaatspreis für zauberhaftes Spiel

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Regierungsvizepräsidentin Gabriela Mühlstädt-Grimm (Vierte von links) überreichte den Staatspreis im Namen der Landesregierung. Im Bild Mitglieder des Niederstettener Tempele-Ensembles mit Naemi Zoe Keuler, Präsidentin des Amateurtheaterverbands, und Laudatorin Nadja Kiesewetter (von rechts).

© Paul Silberberg

Ganz großer Bahnhof für die Tempele-Theatertruppe: In Karlsruhe wurden die Spieler für ihren "Sommernachtstraum" mit dem Kunststaatspreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

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Niederstetten. Die Resonanz war groß: 159 Bewerbungen aus ganz Baden-Württemberg sind für den mit einem Gesamtpreisgeld von 12 000 Euro dotierten Landesamateurtheaterpreis "Lamathea 2017" eingegangen. Die von der hochkarätig besetzten Jury in mehreren Kategorien ausgewählten Inszenierungen wurden jetzt im Audimax des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ausgezeichnet.

Die Atmosphäre hatte etwas von einer Oscar-Verleihung: Riesige Aufsteller der bronzenen Preis-Plastik, rote Teppiche, feiner Zwirn und viele Festreden. Jeder Preis-Beitrag wurde vor großem Publikum per Kurzvideo präsentiert - dann folgte nach einer Laudatio die feierliche Übergabe der Urkunden des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

Regierungsvizepräsidentin Gabriela Mühlstädt-Grimm, die die Preise für die Landesregierung überreichte, betonte, "dass das kreative ehrenamtliche Engagement der Theaterschaffenden mit der Vergabe des Lamathea als Staatspreis seine verdiente Würdigung erfährt." Baden-Württemberg sei bisher das einzige Bundesland, das solch einen Amateurtheaterpreis als Staatspreis vergebe. Darauf könne man stolz sein. Die Regierungsvizepräsidentin dankte der Stadt Karlsruhe, dass sie die Preisverleihung und das dreitägige Preisträgerfestival - organisiert vom Landesverband Amateurtheater - in das Programm der Heimattage Baden-Württemberg aufgenommen und dem Preis so einen würdigen Rahmen gegeben habe.

Einzigartige Vielfalt

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Die Jury des Landespreises, bestehend aus Experten des deutschen Amateurtheaters sowie Vertretern der professionellen Theaterszene, nominierte aus den eingegangenen 159 Bewerbungen insgesamt 16 herausragende und impulsgebende Produktionen in den Kategorien Innenraumtheater, Theater mit Kindern und Jugendlichen, Freilichttheater, Mundarttheater, Theater mit soziokulturellem Hintergrund sowie Puppen- und Figurentheater. Der Niederstettener "Sommernachtstraum" wurde in der Sparte Freilichttheater vor dem "Stettener Sommertheater" und den Freilichtspielen Neuenstadt mit dem Hauptpreis geehrt.

Amateurtheater stehe dem der Profis oft in nichts nach, so der Karlsruher Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup. Hohe schöpferische Arbeit, Persönlichkeitsförderung, aktive kulturelle Teilhabe - all das sei "Ausdruck eines lebendigen bürgerschaftlichen Engagements".

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In den 630 Mitgliedsbühnen des Landesverbands Amateurtheaters sind rund 20 000 Personen organisiert. Sie bringen eine "einzigartige Vielfalt" auf die Bühnen. Der Staatspreis für die besten Amateurtheater im Land werde bewusst im Rahmen der Heimattage verliehen - weil Theater Heimat für Spieler ebenso schaffe, wie für eine Vielzahl an Zuschauern. Dies sei Bildungsarbeit ersten Ranges, die auch Generationen verbinde. Drängende Themen wie "Bodenständigkeit und Verlust, Idylle und Entfremdung" würden aufgegriffen und spielerisch begreifbar gemacht.

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Nadja Kiesewetter, Präsidiumsmitglied im Verband Deutscher Freilichtbühnen hielt die Laudatio auf den Niederstettener "Sommernachtstraum". Das Shakespeare-Stück, 1598 erstmals aufgeführt, "unterhaltsam und spannend umzusetzen" sei immens schwierig. "Das Freilichttheater im Tempele Niederstetten hat es aber geschafft, uns mit ihrer Interpretation zu verzaubern", so Kiesewetter für die Expertenjury.

Schon das Bühnenbild habe als "Abenteuerspielplatz" überrascht. Regisseur Ulrich Schulz habe einen dreidimensionalen Spielort mit schier unzähligen Möglichkeiten geschaffen. "Das Kind in mir wäre am liebsten direkt überall herumgeklettert", schilderte Kiesewetter ihren Eindruck aus Zuschauerperspektive.

Die Athener, der Waldgeist Puck und Titanias Elfen, nutzten den ganzen Raum und zeigten Ungewöhnliches, so noch nicht Gesehenes. Statt zarten weiblichen Elfen gab es "ausgewachsene Mannsbilder mit eng sitzenden Kleidchen" - ein "wirklich urkomisches Bild für den Betrachter." Entscheidende Glanzpunkte hätten die Handwerker/Schneiderinnen im Stück gesetzt: Ein "illustrer Haufen", der in "spritziger Mundart" die Lacher auf seiner Seite hatte. Es sei "jedesmal aufs Neue ein Genuss gewesen, wenn das "rosa Kittelschürz-Geschwander" die Bühne betreten habe.

"Dem Theater im Tempele ist es gelungen, einem oft gespielten Theaterstück einen ganz neuen Zauber einzuhauchen. Mit frischer Würze, Liebe zum Detail und dem Mut, die Zuschauer zu überraschen", so Kiesewetter. Das habe Eindruck hinterlassen, bleibe in den Köpfen und "zeigt, wie fantastisch Theater sein kann."

Moderatorin Dominique Macri, deutsche Poetry-Slam-Meisterin, fasste es mit Shakespeare-Zitaten aus dem "Sommernachtstraum" so zusammen: "Dieser ist besonders - vielleicht gar der Beste. Dieses Stück brachte hitzige Nächte zum Flirren, begeisterte uns, ließ die Sinne uns schwirren. Vielen Dank dafür - das war echt ,wow', denn Ihr stecht genau - Adieu, Tschüss und Ciao! fft