Prunksitzung der Narrhutia

Kleiner Verein mit großem Herz

Vierstündiges Programm ausschließlich von Mitwirkenden aus eigenem Ort bestritten

Von 
Alfred Gehring
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Sorgte für Stimmung und Bewunderung: Der Schautanz der Prinzengarde, die in passendem Outfit zu Abba-Melodien tanzte. © Alfred Gehring

Aub. „So lang der Ulrichsturm noch steht,“ heißt es in einem Auber Fastnachtslied. Der Turm steht noch und auch Narrhutia ist wieder da. Nach drei Jahren Coronapause durften die Narren wieder auf die Bühne.

Zunächst aber musste Sitzungspräsidentin Sandra Krieger die Regeln erklären. Aus Rücksicht auf die lärmempfindliche Nachbarschaft sollte unnötiger Lärm nämlich unterbleiben. Aber mit angezogener Handbremse feiern, das kam für die Auber Narren nicht in Frage. Denn „wenn die fünfte Jahreszeit angeht, und sich alles um die Fastnacht dreht, dann ist in Aub Schluss mit Siesta, wir feiern heut’ Fiesta“, heißt es schließlich in den Auber Fastnachtsliedern. Und die sind für Narrhutia Verpflichtung.

Dennoch war der Start nach zwei Jahren Coronapause nicht leicht. Schon bei den Prinzenpaaren gestaltete sich die Suche schwierig. Ein Kinderprinzenpaar zu finden, war noch das geringere Problem. Mit Mia Neeser und Moritz Lörner wurde das Prinzenpaar kurzerhand aus Baldersheim importiert, das gehört ja inzwischen auch zu Aub. Bei den Erwachsenen zog ein Paar seine Zusage vom Herbst wieder zurück, also musste man erneut suchen.

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Mit Anna Neeser aus Bieberehren wurde schließlich eine Prinzessin gefunden. Problem nur: sie hatte keinen Prinzen. Als Prinzersatz ließ sich schließlich David Grimm – Spitzname „Schlegel“ – verpflichten, allerdings unter der Bedingung, dereinst mit seiner Herzensdame noch einmal Prinz sein zu dürfen (üblicherweise geht das nur ein einziges Mal). Aber vielleicht hat er die die Herzensdame ja in Gestalt seiner Prinzessin jetzt schon gefunden, mutmaßte Sitzungspräsidentin Sandra Krieger.

Die Gäste des Abends aus „Gockel“, also Gaukönigshofen, konnten sich davon überzeugen, dass im Auber Roßsaal auch unter Beachtung einiger Einschränkungen zünftig gefeiert wird. „Ein kleiner Verein, ein kleiner Saal, aber eine sehr herzliche Veranstaltung,“ wurde gelobt.

Wo auch sonst kann der Gastgeber ausschließlich mit eigenem Personal ein vierstündiges Programm auf die Beine stellen, mit sechs eigenen Tanzformationen und vier Vorträgen in der Bütt: Als Zugabe traten noch die „alten Wabegeider“ auf, eine Formation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die beliebten Fastnachtsschlager ihres verstorbenen Liedermachers Wolfgang Mitzler immer wieder aufzuführen.

So bebte etwa beim Gollachtallied der Saal, dazu gab es von den ehemaligen Gardetänzerinnen um die Vorsitzende Maria-Theresia Weber einiges aus dem örtlichen Geschehen zu berichten.

Mit den verschiedenen Tanzgarden kommt Narrhutia immer groß heraus, auch wenn die Bühne nur klein ist. Schmissig und zackig legten sowohl die Jüngsten, die Narrhutia-Kindergarde, als auch die Mädels von der Prinzengarde ihre Gardetänze auf das Parkett.

Fantasievoll präsentierten sich die Kindergarde in ihrem Schautanz als Meerjungfrauen, die Crazy-Girls mit ihren bunten Elfenkostümen und die Prinzengarde, deren Kostüme der schwedischen Popgruppe Abba nachempfunden waren, passend zur Musik. Natürlich wurden eifrig Zugaben gefordert.

Auch die Jungs schwangen das Tanzbein. Beim Mini-Männerballett wirbelten fünf kleine Kobolde der Marke Pumuckl über die Bühne, ihre älteren Geschlechtsgenossen hatten als stattliche Seeleute sogar einen eigenen Leuchtturm mit dabei.

In der Bütt ist mit dem jungen Marlon Weber ein neuer Stern aufgegangen. Gleich beim ersten Mal in diesem Metier rockte er den Saal. Bei seinem Bericht als coronageschädigter Junge blieb kein Auge trocken. Die Pandemie habe seinen sehnlichsten Wunsch, Faschingsprinz zu werden, genommen. Jetzt sei er zu alt für dieses Amt. Wenn Narrhutia aber noch etwas warte, sei er bereit. Sogar eine Prinzessin habe er sich schon ausgeguckt. Die war allerdings völlig baff, als er sie aus dem Saal auf die Bühne bat und ihr mit einer Rose seine Aufwartung machte.

Die Sitzungspräsidentin war so begeistert, dass sie ihn gleich als ihren Assistenten verpflichtete und dafür dessen Mutter, die Vereinsvorsitzende Maria-Theresia Weber, von der Bühne schickte (die musste später ohnehin noch auftreten).

Bernhard Rappert, Träger des Ordens „Till von Franken“, berichtete als Chauffeur der Staatskanzlei aus seinem Alltag als Fahrer des Ministerpräsidenten. Doch auch über das Auber Geschehen wusste er allerhand. Ganz besonders nahm er dabei einen Nachbarn am Marktplatz aufs Korn, der die Polizei mit ständigen Beschwerden wegen Ruhestörung auf Trab halte und am liebsten jede Art von geselligen Veranstaltungen aus der Nachbarschaft am Marktplatz verbannen würde.

Als Streetworkerin „Astrid“ (schwäbisch ausgesprochen Aschtrid) aus der Landeshauptstadt Stuttgart berichtete Tabea Neckermann in breiter schwäbischer Mundart nicht nur aus ihrem Alltag, sondern auch aus dem eigenen Haushalt. Zwei alte Bekannte, Doris Dening und Margit Schreiber, trafen sich schließlich am Strand, plagten sich mit dem Aufstellen eines Liegestuhls herum und schimpften vorzugsweise über ihre Männer, die sie zu Hause gelassen hatten.

Neben besagtem Auftritt der „alten Wabegeider“ mit Liedern und Geschichten war die Historische Trachten- und Stadtkapelle Aub für den musikalischen Part des Abends zuständig. Besondere Ehre erfuhr Richard Zobel, dem die Sitzungspräsidentin einen Faschingsorden überreichte, nicht dafür, dass er an diesem Abend auftrat, sondern für sein musikalisches Engagement im Seniorenheim.

Wer die Auber Prunksitzung noch erleben möchte, hat am Wochenende noch Gelegenheit. Die beiden Vorstellungen am Freitag und Samstag sind jedoch schon weitgehend ausverkauft.